Der falsche Journalist: Wie ein 17-Jähriger die Fußballwelt narrte

Der falsche Journalist
Wie ein 17-Jähriger die Fußballwelt narrte

Er ist noch ein Teenager und galt in vielen Sportredaktionen dennoch als Experte für Transfermeldungen. Und das, obwohl Samuel Gardiner nie eine Quelle hatte. Nur eine Glückssträhne – und ein ausgeklügeltes System.
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Lewandowski geht zu den Bayern, Gareth Bale wechselt von Real Madrid zu Manchester United, Thiago verlässt Barcelona – solche Sätze, egal ob wahr oder Gerücht, erhitzen die Fußballfan-Gemüter. Das Transferkarussel dreht sich unaufhörlich und Vereine sind meist darauf bedacht, sich aus dem Wechselgeflüster herauszuhalten. Unruhe im Klub ist das Letzte, was sie gebrauchen können.

Doch der FC Liverpool musste diese goldene Regel der Klub-Ruhe jetzt brechen. Als verschiedene Medien im Januar meldeten, dass der Klub den Ägypter Mohamed Salah an die Anfield Road holt, gab der Premier-League-Klub ein offizielles Statement ab. Es ging nicht anders. Ein 17-Jähriger hatte den Weltklub zum Dementi gezwungen.

Dieser 17-Jährige heißt Samuel Gardiner. Er ist ein ganz normaler Teenager aus dem Norden Londons. Wenn er nicht gerade zur Schule geht, vertreibt er sich die Zeit auf dem Bolzplatz oder mit sozialen Netzwerken im Internet. Er ist Fan von Arsenal London – wie die meisten Jungs aus seiner Gegend.

Mit seinen Kumpels diskutiert er jede freie Minute über Fußball: Es geht um die beste Aufstellung für den nächsten Spieltag, um die Frage warum Arsenal die Meisterschaft zum letzten Mal vor zehn Jahren gewonnen hat und natürlich um die aktuellen Wechselgerüchte. 150 Leute folgen Gardiner in dem sozialen Netzwerk Twitter zu diesem Zeitpunkt. Nicht schlecht für einen 17-Jährigen. Aber der Teenager will mehr.

Als er wieder einmal mit seinen Freunden zusammensitzt, haben die Jungs eine Idee, die an Dreistigkeit kaum zu überbieten ist: Sie wollen selbst beim Transfergeflüster mitmischen. Unter dem Namen „Dominic Jones“ erstellt Gardiner einen Fake-Account bei Twitter.

Er gibt sich als Autor des Fußballportals goal.com aus und fängt an, Gerüchte zu verbreiten. Die Sache fliegt allerdings schnell auf, der Account wird gesperrt. Gardiner lässt sich aber nicht von seiner Idee abbringen. Beim Mittagessen in der Schule überlegt er mit seinen Freunden, wie man die Sache cleverer angehen könnte. Dann erstellt er den nächsten Account. Es ist die Geburtsstunde des fiktiven Sportjournalisten „Sam Rhodes“.

Diesmal macht Gardiner es klüger. Sein Alter Ego arbeitet angeblich als freier Journalist für die „Financial Times“ und den „Daily Telegraph“. Zunächst verbreitetet er bereits bestätigte Meldungen, nach und nach mischt der Teenager auch ausgedachte Nachrichten darunter – allerdings vorsichtiger als beim ersten Versuch.

Gerüchte, die zu absurd klingen, werden nicht mehr getwittert. Zudem konzentrieren sich die „Neuigkeiten“ auf Klubs, bei denen es sportlich zur Zeit nicht rund läuft. „In solchen Situationen sind Fans einfach empfänglicher für Gerüchte“, sagte Gardiner später dem Fußballmagazin 11Freunde.

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Gardiners größter Coup – der Anfang vom Ende

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