Der FC Bayern München will nun auch in den osteuropäischen Markt
Besuch von neuen Freunden aus Deutschland

Es ist kalt, der Regen prasselt und die Bayern liegen klar in Führung. Das Publikum sackt langsam weg, da ergreift auf der Tribüne die Band die Initiative und spielt „Yellow Submarine“, jene Melodie, zu der deutsche Fußballfans seit Generationen singen: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“

WARSCHAU. Für einen Augenblick scheint die Stimmung zu kippen, aber wir sind hier in Warschau, und die Warschauer kennen den Bayern-Song nicht. Sie stimmen einen polnischen Vers an, der mit „Legia Warszawa“ endet, fröhlich und vergnügt. Kein böses Wort gegen den Besuch aus Deutschland.

Warschau ist der Auftakt einer neuen PR-Kampagne, die den Namen „Visiting Friends“ trägt und den Bayern den osteuropäischen Markt erschließen soll. Der nächste Freundschaftsbesuch ist in zwei Wochen in Zagreb geplant. Der Termin in Warschau ist dem Münchner Manager Uli Hoeneß so wichtig, dass er trotz einer Grippe gekommen ist. Wer fehlt, ist sein Kollege Karl-Heinz Rummenigge, dabei hat der das Projekt im Osten angestoßen. Standesgemäß im „Manager-Magazin“ hat Rummenigge von einer Studie erzählt, laut der sein FC Bayern „in Osteuropa mit Abstand der populärste Verein ist, populärer als Real Madrid und Manchester“.

Das Legia-Stadion an der Weichsel wird schon Stunden vor dem Spiel bewacht von jungen Männern mit kurzen Haaren, neongelben Jacken und Kunstlederstiefeln. Nichts wäre schlimmer, als wenn zum Besuch der neuen Freunde die Teddy-Boys kämen. So nennen sich die Warschauer Hooligans, die jede Menge Ärger haben mit Legias Klubchef Mariusz Walter, seit der bei seinem Einstieg im vergangen Jahr die Eintrittspreise um 50 Prozent erhöhte – mit dem Argument, der Verein sei kein karitatives Unternehmen.

Die 10 000 Zuschauer im Legia-Stadion tragen das Grün-Weiß-Rot ihres Vereins, mal abgesehen von gut 100, die aus München angereist sind. Sie stehen ganz hinten in der Kurve unter der Anzeigetafel, ungefähr so weit weg vom Rasen wie früher im Olympiastadion. Auch sonst ist einiges vertraut. Die Werbebanden sind fast ausschließlich für die drei Münchner Sponsoren, die „Visiting Friends“ inszeniert haben. Auf dem Bankett vor dem Spiel hat ein Marketingmann erzählt, 37 Prozent aller Polen gingen immer noch ohne eigenes Bankkonto durchs Leben. Das trifft sich gut für einen der drei Sponsoren, eine bayerische Großbank. Der zweite Sponsor verkauft Handys, der dritte Autos. Alles Produkte, mit denen der polnische Markt noch unterversorgt ist, so dass ein Besuch der kickenden Werbepartner durchaus Sinn macht. Noch aber sind unter den besuchten Freunden viele, die von ihrem Glück gar nichts wissen. „Jeder hier kennt Bayern“, sagt ein junger Mann auf der Tribüne. „Aber ich würde nicht sagen, dass wir große Fans von ihnen sind. Das ist so wie bei euch in Deutschland: Man respektiert sie, aber man liebt sie nicht.“

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