Der HSV und die Trainerfrage Wie Tuchel den Hamburgern die Sinne vernebelt

Beim Hamburger SV hat sich in dieser Saison viel geändert – nur nicht auf dem Platz. Jetzt beschäftigt den Klub allerdings die Trainerfrage mehr als der Abstiegskampf. Es droht nicht weniger als der Tod des „Dinos“.
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Geht der Wunsch-Trainer mit dem HSV auch in Liga zwei? Quelle: dpa

Geht der Wunsch-Trainer mit dem HSV auch in Liga zwei?

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Kommt er? Kommt er nicht? Ganz Hamburg beschäftigt derzeit vor allem eine Thema: Wird Thomas Tuchel neuer Trainer des Hamburger SV? Unter der Woche sahen sich Tuchel selbst und der Verein bereits genötigt, eine Meldung der „Sky Sport News“ zu dementieren. Der Sender hatte vermeldet, dass die Verpflichtung des derzeit begehrtesten deutschen Trainers durch den HSV zur neuen Saison bereits perfekt wäre.

Der entscheidende Teil der Meldung allerdings lautete: „Auch im Abstiegsfall.“ Denn der HSV hat im Moment eigentlich ganz andere Sorgen als sich zu fragen, wer den Verein wohl in der nächsten Spielzeit trainiert. Seit diesem Spieltag steht der Klub auf einem direkten Abstiegsplatz. Und das, selbst die eingefleischten Anhänger dürften hier kaum widersprechen, auch noch vollkommen verdient. Wer dem Hamburger SV in diesen Tagen bei seinen Versuchen zusieht, den ersten Abstieg der Klubgeschichte zu vermeiden, der könnte glauben, bei dem Verein habe sich im Vergleich zur letzten Saison rein gar nichts verändert.

Dabei ist bei dem Gründungsmitglied der Bundesliga eigentlich nichts mehr so, wie noch in der vergangenen Saison – der Hamburger Sport Verein ist nicht einmal mehr ein Verein. Auf der größten Mitgliederversammlung der Klubgeschichte votierten im Sommer 86,9 Prozent der Stimmberechtigten für die Ausgliederung der Profi-Fußballabteilung in eine Lizenzspieler AG.

Der Großteil der angereisten Fans hatte genug von der Führung des Klubs, insbesondere vom aufgeblähten und zerstrittenen Aufsichtsrat, der immer wieder im operativen Geschäft mitmischte und -redete. Und dessen Personalentscheidungen binnen drei Saisons aus einem anerkannten Bewerber für das internationale Geschäft einen Abstiegskandidaten geformt hatten, dessen Klassenerhalt mit unglaublichen 27 Punkten und ohne Sieg in der Relegation sogar die eigenen Anhänger kaum glauben konnten.

Aus dem Management das den Verein zum glücklichsten Klassenerhalt der Bundesliga-Geschichte geführt hatte, durfte letztlich nur Marketing-Vorstand Joachim Hilke, im hart geführten Wahlkampf zuvor ein offener Befürworter der Ausgliederung, seinen Job behalten.

Die neue Führung hielt zahlreiche im Wahlkampf abgegebene Versprechen. „Frisches“ Geld wurde über strategische Partner genannte Investoren eingenommen und in dringend notwendige Spielerkäufe reinvestiert. Der Hamburger Unternehmer Alexander Otto bezahlt den Bau des „HSV Campus“, eines Nachwuchszentrums neben dem Stadion. Das Prestigeobjekt hatte ursprünglich über eine eigens aufgesetzte Fan-Anleihe bezahlt werden sollen, deren Einnahmen hatte der alte Vorstand jedoch bereits im Tagesgeschäft verbraucht.

Und der vielleicht prestigeträchtigste Coup: Milliardär und Vereins-Gönner Klaus-Michael Kühne erwarb die Namensrechte des Stadions. Dabei zahlt er nicht nur mehr, als der derzeitige Namensgeber Imtech. Der 77-Jährige benennt das Stadion außerdem in „Volksparkstadion“ um, bis zum ersten Namensrechteverkauf 2001 der traditionsträchtige Name der Hamburger Heimspielstätte.

Das ein Thomas Tuchel womöglich tatsächlich neuer Trainer der Hanseaten wird, ist Ergebnis einer auf allen Ebenen erneuerten und professionalisierten Führung. Nur eins hat sich nicht entscheidend geändert: Die hilf- und kopflose Darbietung der Akteure auf dem Rasen.

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