„Der ist so dick, den kann man doch nur noch als Ball benutzen.“
Ein Schweinchen namens Ronaldo

Eigentlich ist der brasilianische Stürmerstar Ronaldo bei dieser WM angetreten, um den legendären Torerekord von Gerd Müller zu jagen. Doch seit seinem schwerfälligen Auftritt im Spiel gegen Kroatien hagelt es für das ehemals gefürchtete Sturmphänomen von allen Seiten Kritik.

HB BERLIN. Wenig Esprit, kaum Samba, keine Show - und im Angriff ein tapsiger Tanzbär namens Ronaldo: Titelverteidiger Brasilien musste sich nach dem glücklichen 1:0 (1:0)-Auftaktsieg bei der Weltmeisterschaft gegen Kroatien am Dienstagabend in Berlin vor allem Fragen nach dem körperlichen Zustand seines Stürmerstars stellen lassen. "Ronaldo ist halt schwer und es war ziemlich heiß heute", kommentierte Trainer Carlos Alberto Parreira den leidenschaftslosen Auftritt des WM-Torschützenkönigs von 2002, stellte ihm zugleich aber einen Freifahrtschein für die nächste Begegnung am Sonntag in München gegen Australien aus: "Er muss erst noch ins Turnier finden. Und das kann er am besten, wenn er spielt."

Kaká, der mit seinem schönen Schlenzer zum 1:0 in der 44. Minute die "Seleção" vor einem Fehlstart bewahrte, redete dagegen Klartext. "Ronaldo hat ja vorher gesagt, dass er noch nicht in Top-Form ist. Aber ein bisschen mehr Bewegung würde der ganzen Mannschaft gut tun", sagte der Mittelfeldspieler des AC Mailand. Und ergänzte: "Besonders kreativ waren wir dieses Mal nicht. Wir müssen jetzt sehen, dass wir das Ganze in den Griff bekommen."

Bitterlich hatte sich Ronaldo zuvor über die Schlagzeilen beklagt, wonach er einige Kilos zu viel auf den Rippen habe. Den Gegenbeweis blieb der in der 70. Minute ausgewechselte Profi von Real Madrid aber schuldig. Mit bedröppelter Miene saß er danach auf der Bank und sah zu, wie ihm sein leichtfüßiger Vereinskollege Robinho die Laufwege aufzeigte. Ronaldos Gegenspieler Robert Kovac konnte es kaum fassen, wie leicht der dreimalige "Weltfußballer des Jahres" in den Griff zu kriegen war. "Er muss müde sein. Vor ein paar Jahren war es schwer gegen ihn zu spielen, heute eigentlich leicht", sagte der Ex-Bayern - Profi. Kroatiens früherer Teamchef Otto Baric kritisierte: "Brasilien hat praktisch ohne Sturm gespielt. Ronaldo war eine Doppel-Null."

Auch in seiner Wahlheimat Spanien bekam der Stürmerstar sein Fett ab. "Ronaldo hat eine graue und jämmerliche Vorstellung gegeben", schrieb das Fachblatt "Sport". Er sei "lediglich Zuschauer" gewesen, meinte "El País" und "Marca" befand: "Ronaldo hat praktisch nicht existiert." Er habe "ohne Seele" gespielt: "Für einen der besten Stürmer am Fußballhimmel war das eine unschickliche Leistung." Und selbst ein brasilianischer Fan schimpfte bei den Siegesfeiern in Rio: "Der ist so dick, den kann man doch nur noch als Ball benutzen."

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