Der Traum vom Finale
Frankreich feiert stillen Held Zidane

Frankreich kann wieder seinen großen Held feiern, der allerdings kein Freund der großen Worte ist. Der zurückhaltende Zidane führte die "Equipe Tricolore" durch eine tolle Leistung ins Halbfinale und träumt vom WM-Titel.

Er hätte einfach nur jubeln und den Sieg laut und ausgelassen feiern können, doch das ist nicht die Art von Zinedine Zidane. Der eher introvertierte Franzose tröstete nach dem Abpfiff erst den weinenden Ze Roberto, dann winkte er kurz ins jubelnde Publikum und wollte seinen Erfolg nur noch in Ruhe genießen. Als erster Franzose machte sich Zinedine Zidane nach dem 1:0 (1:0)-Triumph im WM-Viertelfinale gegen Brasilien auf dem Weg in die Kabine, über das gesamte Feld verfolgt von einem hartnäckigen Kameramann und durch das Spalier des ehrfürchtig aufgestellten Betreuerstabes.

Die Fans auf Frankreichs Straßen übten schon mal den deutschen Schlachtruf "Börlin, Börlin - wir fahrön nach Börlin" und feierten ausgelassen ihren Zizou, den beim Turnierstart noch viele als Auslaufmodell verspottet hatten. Mit einer großartigen Leistung sorgte der dreimalige Weltfußballer selbst dafür, dass sein Traum von einem WM-Finale zum Abschluss der großen Karriere Realität werden kann.

Zidane: "Nun wollen wir auch ins Finale kommen"

"Nun wollen wir auch ins Finale kommen. Es ist so wunderschön, dass wir einfach nicht aufhören wollen", sagte der 34-Jährige nach dem Viertelfinal-Coup gegen den Titelverteidiger in Frankfurt/Main - und überließ die restlichen großen Worte seinen Bewunderern.

"Zidane war der absolute Zauberer dieses Spiels", erklärte der dreimalige Weltmeister Pele im ZDF, und die Technische Studien-Gruppe des Weltverbands Fifa begründete ihre diesmal nicht fragwürdige Wahl zu Man of the Match ebenfalls sehr vollmundig: "Diese französische Mannschaft hat noch nie so gut gespielt wie heute - und das ist einzig und allein Zidane zu verdanken."

In der zweiten Halbzeit riss der Sohn algerischer Einwanderer das Spiel an sich, ordnete das französische Spiel, bestimmt das Tempo, zeigte Kabinettstückchen und bereitete per Freistoß den Siegtreffer von Thierry Henry mustergültig vor (57.). "Er war der brasilianischste von allen", meinte der französische Verbands-Präsident Jean-Pierre Escalettes und erklärte sichtlich gerührt: "Es ist wundervoll, dass ein so einzigartiger Spieler solch einen großen Abschied bekommt."

Sagnol: "Zidane will noch einmal Großes erreichen"

Das freute auch Willy Sagnol. "Zizou will bei seinem letzten Turnier noch einmal Großes erreichen", sagte der Bundesliga-Profi von Bayern München: "Aber er weiß auch, dass die Nation das von ihm erwartet." Laut Liberation hatte der Routinier im drittletzten Spiel seiner Karriere "zum Gipfel seiner Kunst zurückgefunden", und die L´Equipe schrieb von einem "bezaubernden Zidane".

Selbst die Brasilianer, die nach elf Siegen in Serie und erstmals seit Zidanes Zwei-Tore-Gala im Finale 1998 (0:3) wieder ein WM-Spiel verloren, verneigten sich vor dem Regisseur. "Unser Pech war es einfach, dass Zidane einen großen Tag hatte", meinte Spielmacher Kaka: "Sein Rücktritt ist ein großer Verlust für den Weltfußball." Und Trainer Carlos Alberto Parreira ergänzte: "Er ist einer der besten Spieler der letzten Jahre."

Zidane kann vom Abgang auf dem Gipfel träumen

Am 25. April hatte der Welt- und Europameister trotz eines bis 2007 laufenden Vertrages seinen Rücktritt nach der WM angekündigt. Nun darf er vom Abgang auf dem Gipfel träumen. "Dieser Sieg gegen Brasilien war nur ein Schritt auf unserem Weg", sagte Trainer Raymond Domenech: "Und der Weg soll am 9. Juli nach dem Finale enden." Und Stürmer Louis Saha spekulierte bereits: "Als wir Brasilien zum letzten Mal geschlagen haben, sind wir auch Weltmeister geworden." Auch damals dank Zizou.

© SID

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