Der Werber-Rat

Die Kraft des Augenblicks

Die Deutsche Meisterschaft der Bayern steht bereits seit dem 30. Spieltag fest und löst keine Gänsehaut mehr aus – anders als die überraschenden Erfolge der Aufsteiger. Was die Fußball-Bundesliga ändern könnte.
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Der Jubel in München nach der Übergabe der Meisterschale hielt sich in Grenzen – sowohl im Stadion als auch in der Stadt. Der Titelgewinn liegt schließlich auch mehrere Wochen zurück. Quelle: dpa
Die 25. Meisterschaft

Der Jubel in München nach der Übergabe der Meisterschale hielt sich in Grenzen – sowohl im Stadion als auch in der Stadt. Der Titelgewinn liegt schließlich auch mehrere Wochen zurück.

(Foto: dpa)

Am Ende der Bundesliga-Saison stellt man sich die Frage: Was bleibt? Welche Szenen werden auch Jahre später noch in Erinnerung bleiben und Gänsehaut auslösen? Wenn ich an die Tabellenspitze denke, lautet die bittere Antwort: keine.

Kein Wunder, dass die Meisterschaftsfeier des FC Bayern einem Sit-in gleicht! Die Mannschaft will die verdiente Meisterschaft feiern – und es kommen nur 15.000 Fans. Im Vergleich zur Meisterfeier des BVB im Jahr 2011, die bis zu 400.000 Menschen auf und um den Borsigplatz mobilisiert hat, scheint der diesjährige Titel des FC Bayern München nicht wirklich die von Louis van Gaal beschworenen „Feierbiester“ zu wecken.

Die Gründe für die Feier-Verdrossenheit sind vielseitig. Klar, die erfolgsverwöhnten Fans vom Rekordmeister sehen einen singulären Titel am Ende der Saison eher als das Mindestmaß statt als einen echten Erfolg an. Hinzu kommt die unglaubliche Dominanz, die den Verein bereits am 30. Spieltag tabellarisch zum Meister machte.

Die Bilder des letzten Spieltags
SC Paderborn - VfB Stuttgart
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Da durften die Ostwestfalen noch hoffen: Paderborn ging früh in Führung durch Vucinovic, das hätte dem Verein zur Relegation gereicht.

Stuttgart kommt zurück
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Der VfB kann jedoch noch vor der Pause durch Daniel Didavi ausgleichen. Stuttgart hat danach sogar Chancen auf die Führung, vergibt jedoch die Möglichkeiten.

SC Paderborn - VfB Stuttgart
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Nach dem Siegtreffer durch Ginczek darf der VfB doch noch jubeln, die Schwaben spielen auch in der kommenden Saison in der Bundesliga.

Hannover 96 - SC Freiburg
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Schon nach drei Minuten ging Hannover durch Kiyotake in Führung und wäre damit sicher gerettet.

Hannover 96 - SC Freiburg
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Hannovers Hiroshi Kiyotake (oben) bejubelt seinen Treffer zum 1:0 gegen SC Freiburg mit Lars Stindl (r).

Freiburg
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Der SC Freiburg stürzt dagegen auf Platz 17 ab und muss in die zweite Liga.

Hamburger SV - FC Schalke 04
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Der HSV musste früh auf Lasogga verzichten, der auf seine Schulter fiel. Für ihn kam Rudnevs ins Spiel.

Dass knapp ein Monat – und nach dem schmerzhaften Ausscheiden in zwei anderen Wettbewerben – später niemand mehr in Ekstase verfällt, ist programmiert. Im Sport geht es wie in der Kommunikation darum, das Momentum zu nutzen. Welche Kraft das Momentum des Erfolgs hat, sehen wir woanders: Die Tempel des Glücks stehen bei den Aufsteigern und Nicht-Absteigern.

Ein Klassenunterschied beim Feiern existiert nicht: Aufsteiger Darmstadt holte nach 33 Jahren Bundesliga-Abstinenz 12.000 Menschen auf die Straßen, im Westen der Nation konnten in Duisburg 10.000 und in Bielefeld über 15.000 Fans den Aufstieg in Liga 2 feiern. Was die Vereine unabhängig von ihrer Ligazugehörigkeit eint, ist das Teilen des Glücksmoments mit ihren Fans.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

Wenn man das Momentum verschenkt, nimmt man dem Sport seine Strahlkraft.

Die Machtverhältnisse in der Liga lassen sich nicht verändern – der Umgang mit Erfolgen auf Liga- und Vereinsseite sehr wohl: Mein Rat an die DFL wäre demzufolge, die Übergabe der Meisterschale im Moment des Erfolgs, spätestens im darauffolgenden Heimspiel. Denn das menschliche Gehirn behält die Momente maximaler Emotionen in Erinnerung. Und positive Erinnerungen sind für das Produkt „Fußball“ unabdingbar.

Der Autor: Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

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