Fußball
Derby-Fieber im hohen Norden

Das Duell zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen gehört immer schon zu den Klassikern der deutschen Fußball-Geschichte. Diesmal treffen die beiden Vereine aus dem Norden am letzten Bundesspieltag aufeinander - und kämpfen nicht nur um den inoffiziellen Titel „Deutscher Vizemeister“.

HAMBURG. Wenn der Hamburger SV morgen den SV Werder Bremen empfängt, werden nicht nur der zweite Tabellenrang und der inoffizielle Titel „Deutscher Vizemeister“ ausgespielt. Außer um lukrative Champions-League-Millionen geht es in diesem traditionellen Derby immer auch um die alte Frage: Wer ist Bayern-Jäger Nummer eins im hohen Norden?

Schon zu Zeiten der Oberliga Nord, zwischen 1947 und 1963 höchste deutsche Spielklasse, konkurrierten beide Teams um die regionale Vorherrschaft. Doch bis auf ein einziges mal gewannen stets die Rothosen die Meisterschaft, die Bremer nie. „Wir haben den HSV einige Male geschlagen, die Punkte dann aber gegen Dorfvereine verloren“, ärgert sich Werder-Ikone Arnold „Pico“ Schütz noch heute. Dafür machten die Grün-Weißen anderweitig auf sich aufmerksam.

Die im Vergleich zu den weltmännischen Hamburgern provinziell erscheinenden Werderaner waren Anfang der Fünfziger in punkto Kommerzialisierung ihrer Zeit weit vor-aus. So gab es die so genannte Texas-Elf, benannt nach einer Zigarettenmarke der Firma Brinkmann, wo die Neuzugänge beruflich unterkamen. Geld wechselte in verrauchten Wirtshäusern seine Besitzer. Bevorzugt gingen die Bremer Mäzene im Westen auf Beutezug, so kam Nationalspieler Herbert Burdenski (Vater von Ex-Nationaltorwart Dieter) von Schalke 04, es kursierte an der Weser gar das Wort „Schalke Connection“.

HSV-Legende Uwe Seeler erinnert sich ob des undurchsichtigen, damals auch sittenwidrigen Transfergebarens an der Weser: „Wir hielten den Kodex des ehrbaren Kaufmannes aufrecht, bei Bremen war ,schwarze Kohle' im Spiel, hieß es.“ Sportlich focht dies den HSV nicht an. Zwar konnten die Bremer aufschließen und in den letzten fünf Oberliga-Jahren jeweils die Vize-Meisterschaft gewinnen. Doch der HSV war immer vorne, „auch wenn die Bremer mittlerweile die professionelleren Strukturen hatten“, so Seeler. Schütz war dereinst „Uns Uwes“ Gegenspieler und erinnert sich gerne an die damaligen Duelle: „Wenn der HSV ins Weser-Stadion kam, waren 30 000 da. Es passte keine Maus mehr rein.“

Am Ende dieser Periode reüssierten beide Teams auch national. Werder gewann 1961 den DFB-Pokal, der HSV, 1960 schon Deutscher Meister zwei Jahre später. Beide qualifizierten sich 1963 direkt für die neugegründete Bundesliga. Werder wähnte sich für den Moment auf Augenhöhe und dokumentierte dies eindrucksvoll, als 1965 die Deutsche Meisterschaft an die Weser ging. „Grundstock des Erfolges war die Oberligazeit“, resümiert Schütz.

In den Siebzigern begann der Stern der Rothosen auch in der Bundesliga aufzugehen. Bremen hingegen dümpelte das gesamte Jahrzehnt in niederen Regionen der Tabelle und musste 1980 gar den Abstieg in Kauf nehmen. Kuno Klötzer, dessen viel versprechende Karriere als Spieler 1952 früh bei Werder wegen eines Knieproblems geendet hatte, trainierte von 1973 bis 1977 an der Elbe und holte nationale wie internationale Trophäen. Später legte er als Werder-Coach den Grundstein für den Wiederaufstieg, bis er im Frühjahr 1981 einen schweren Autounfall erlitt. Als Klötzer zu Saisonbeginn wieder genesen war, hatte ihn bereits ein gewisser Otto Rehhagel abgelöst.

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