Desinteresse
Südafrika: WM nur für Wohlhabende

Bittere Nachricht für die Organisatoren der Fußball-WM in Südafrika: Genau 15 Monate vor der Weltmeisterschaft ist im Gastgeberland Südafrika von Fußball-Begeisterung nichts zu spüren. Die Tickets für die Generalprobe, den Confederations Cup, entwickeln sich jedenfalls zum Ladenhüter.

JOHANNESBURG. Damit hätte wohl niemand gerechnet: Ausgerechnet das geringe Interesse der Südafrikaner scheint sich als das größte Hindernis bei der Ausrichtung der Fußball WM 2010 zu entpuppen. Drei Monate vor dem Confed Cup - der offiziellen Generalprobe für das Großereignis ein Jahr später - ist die Apathie der Menschen am Kap jedenfalls so groß, dass nun selbst Südafrikas Regierung Alarm schlägt. "Wir setzen einfach nicht genügend Resourcen ein", klagte erst letzte Woche Regierungssprecher Themba Maseko. Die Begeisterung, die sich unmittelbar nach der Vergabe der WM an Südafrika vor fünf Jahren breitgemacht hatte, scheint inzwischen weitgehend verpufft. Fast nichts deutet im öffentlichen Leben auf das Ereignis hin.

Symptomatisch dafür ist auch der vor zwei Wochen begonnenen Kartenvorverkauf, der denkbar schlecht verläuft: Selbst der stets optimistische Danny Jordaan, Chef des Nationalen Organisationskomitees (LOC), musste letzte Woche zerknirscht einräumen, dass Südafrikaner bislang kaum 20 Prozent der Tickets für den Confederations Cup (14.-28. Juni 2009) und die WM 2010 nachgefragt hätten. Für den Confed-Cup wurden bislang ganze 170 000 Karten verkauft - fast viermal soviele warten noch auf ihre Abnehmer. Am Mittwoch war Jordaan in Berlin, um für beide Veranstaltungen zu werben. Im eigenen Land wäre es nützlicher gewesen.

Offenbar hatten die lokalen Ausrichter zuvor angenommen, dass sich die Südafrikaner auch ohne jedwede Vermarktung um die Tickets reißen würden. Dabei sind selbst die Spiele der ersten Fußballiga am Kap gewöhnlich nur schwach besucht sind - mit Ausnahme der Topspiele. Die meisten Fans gehen in die Township-Kneipe (Shebeen) und schauen sich die Spiele dort an.

Wer nicht bereit ist oder es sich nicht leisten kann, 30 Rand (2,50 Euro) für das Heimspiel seines Teams zu berappen, wird kaum plötzlich mehrere Hundert Rand für das Spiel zweier fremder Nationalteams hinblättern, noch dazu in einer tiefen Wirtschaftskrise. "Die von der Fifa gepriesenen Billigtickets sind absolute Ausnahmen und Teil eines großen PR-Plans, um Kritik abzuwehren", sagt der bekannte Sportreporter Mike Gleeson. Für ihn ist klar: Die WM ist ein Event für die Wohlhabenden - und die 400.000 Fans, die aus dem Ausland erwartet werden. Der einfache Südafrikaner bleibe außen vor.

Zudem sind die Fans gezwungen, wegen des von der Fifa verordneten Verkaufssystems, ihre Tickets entweder per Internet zu ordern - oder sich bei der Bank anzustellen, die als Sponsor des Events fungiert. Dabei hat die große Mehrheit der Schwarzen weder Computer noch Internet. Doch selbst wer technisch entsprechend ausgestattet ist, hat wegen des Lotteriesystems noch längst keine Garantie, ein Ticket für das gewünschte Spiel zu erhalten.

Seite 1:

Südafrika: WM nur für Wohlhabende

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%