Deutsch in der Kabine: Schießt Sprache eigentlich Tore?

Deutsch in der Kabine
Schießt Sprache eigentlich Tore?

Uli Hoeneß fordert beim FC Bayern München Deutsch als Amtssprache. Das mag populistisch klingen, ist aber vor allem dem sportlichen Umfeld geschuldet. Denn auch deutsche Stars müssen im Ausland pauken. Eine Analyse.
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DüsseldorfEs entbehrt nicht einer gewissen Ironie, so haben zahlreiche Nutzer des Kurznachrichtendiensts Twitter attestiert, dass ausgerechnet in Bayern gefordert wird, in der Umkleidekabine Deutsch zu sprechen. Genau das hat jetzt der unlängst ins Präsidentenamt zurückgekehrte Uli Hoeneß gefordert. Pünktlich zum 65. Geburtstag, an dem andere Menschen feierlich in Rente gehen, hat sich der neue alte Chef des FC Bayern München wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit geredet.

„Es muss wieder Deutsch in der Kabine gesprochen werden“, sagte der langjährige Manager und Präsident. Das klingt zunächst einmal polterig, vielleicht sogar, gerade in der aktuellen Gemengelage, populistisch. Zumindest letzteres ist es allerdings nicht. Das liegt einerseits am Kontext der ganzen Aussage: „Wenn einer an der Kommunikation nicht teilnehmen kann, ist das nicht gut. Wenn ich vorhabe, mich mittel- und langfristig in einem Verein zu integrieren, muss ich die Sprache lernen“, so der frischgebackene 65-Jährige. Eine Weisheit, die auch in der Wirtschaft immer noch Allgemeingültigkeit besitzt, auch wenn manche internationalisierte Unternehmen selbst intern Englisch als Kommunikationssprache vorgeben.

Aber dort liegt die Grenze zum anderen Kontext: Fußball. Denn gerade dort war es schon immer üblich, dass Spieler, die ins Ausland wechseln, auch die Sprache beherrschen. Als Fußballer wie Andreas Brehme und Lothar Matthäus in den 1980er- und 90er-Jahren nach Italien wechselten, lernten sie Italienisch. Toni Kroos paukt Spanisch. Mesut Özil und Sami Khedira wurden einst bei Real Madrid von Trainer José Mourinho gegrillt, weil sie genau das nicht getan hatten. „Das Leben der Deutschen ist nicht einfach. Sie sprechen kein Wort Spanisch. Sie können nur 'Guten Tag' und 'Hallo' sagen“, sagte der Portugiese damals der Sportzeitung „AS“.

Dabei ist das Anliegen, wie auch bei Hoeneß nun nicht, eine Fremdsprache perfekt in Wort und Schrift einzupauken. Im Kern steht die Kommunikation mit Trainerstab, Betreuern, Vereinsmitarbeitern, Fans und nicht zuletzt Mitspielern. Es mag mitunter reichen, wenn „Hintermann“, „Linie“ und „spiel ab!“ beherrscht werden. Wenn es an taktische Feinheiten, die Abstimmung mit Spielern, Gegnern und Schiedsrichtern geht, müssen die Sprachkenntnisse entsprechend tiefer gehen.

Das hat in erster Linie nichts mit der Einstellung zu tun, dass man sich als Zugereister gefälligst anzupassen habe. Es hängt mit Selbstverständlichkeiten und Reflexen im Fußball zusammen. „Ihr müsst mehr miteinander reden“ ist auch auf dem Platz eine der vordersten Problemlösungsstrategien. Das funktioniert am besten, wenn man eine Sprache halbwegs flüssig beherrscht und nicht erst umständlich im Kopf übersetzen muss. Im Zweifel entscheidet ein Sekundenbruchteil über Tor oder nicht.

Nun ist in der Bundesliga bei einem Großteil der Spieler die Muttersprache Deutsch. Ausgerechnet beim FC Bayern übrigens am wenigsten, hier stammen nur gut 37 Prozent der eingesetzten Spieler aus Deutschland (beim SC Freiburg sind es über 83 Prozent). Die haben, meist schon im Vorschulalter, sämtliche Grundlagen, Grundbegriffe und das Grundverständnis auf Deutsch erlernt. Es ist nicht wie in einem jungen Startup, wo gemeinsame Grundlagen erst erarbeitet werden, wodurch sich, unabhängig vom Sprachraum, ein gemeinsames Vokabular, ein Code entwickelt. Sind Übersetzer in diese Kommunikationswege eingeschaltet, steigt die Fehleranfälligkeit.

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