Deutsche Fußball-Liga
Winterpause oder Ligapokal

Angesichts heftiger Kritik denkt die Deutsche Fußball-Liga über eine Ausweitung des Ligapokals nach - auch die Winterpause steht zur Debatte.

LEIPZIG. Eine Herkules-Aufgabe in Sachen Öffentlichkeitsarbeit hatte am vergangenen Wochenende Holger Hieronymus zu bewältigen. Der ehemalige Fußballprofi, der den Bereich „Spielbetrieb“ bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) leitet, musste den Premiere-Ligapokal verkaufen. Einen Pokal den viele Trainer und Spieler – die Hauptakteure der Veranstaltung also – als lästige Pflichtübung und als überflüssig abqualifizieren.

Vor dem Endspiel in Leipzig, das Werder Bremen am Samstag vor 41 300 Zuschauern im Zentralstadion mit 2:0 (1:0) gegen den FC Bayern München gewann – die beiden Treffer erzielte der Kroate Ivan Klasnic –, hatte etwa Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge die Veranstaltung abschätzig als „das Ding“ bezeichnet. Noch schwerer wog freilich die harsche Kritik, die der Branchenführer der Liga daran anknüpfte. Die DFL müsse sich überlegen, „ob ihr der Ligapokal heilig ist oder ob sie Auslandsvermarktung für wichtiger hält“, wurde Rummenigge in der Süddeutschen Zeitung zitiert.

Angesichts dieser verbalen Ohrfeigen hatte Hieronymus am Samstag sichtlich Mühe, die Contenance zu wahren. „Wir haben das in erster Linie als kritische Anregung verstanden“, sagte der DFL-Funktionär, „durch Reibung wird schließlich Energie frei.“ Angesichts der Wucht, die ein solcher Vorstoß des Branchenführers mit sich bringt, wird die DFL nun freilich über eine erneute Reform des 1997 institutionalisierten Ligapokals nachdenken.

Für 2007 wird sich der Austragungsmodus dabei nicht ändern; der Zweitliga-Meister ersetzt im nächsten Jahr im Sechser-Teilnehmerfeld einen aus der Bundesliga. Für die Zeit nach 2007, wenn der Vertrag mit dem Partner Premiere endet, brachte Hieronymus aber am Wochenende schon einmal die Aufstockung des Feldes auf 16 Teilnehmer ins Gespräch. „Als Anreiz könnte ein Platz im Uefa-Cup oder im UI-Cup winken – das müsste im Feintuning noch besprochen werden“, schlug Hieronymus vor. Klar sei aber auch, dass sich der Wettbewerb dann in den Herbst hineinziehen müsse: „Dann können wir den Ligapokal aber nicht in ein bis zwei Wochen vor der Saison spielen.“

Diesen Vorschlag zu realisieren, dürfte freilich aus mehreren Gründen schwierig sein. So bietet der internationale Fußballkalender, wie auch Hieronymus weiß, „im Herbst nicht so viele Spieltermine“. Vor allem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat aber sicherlich etwas einzuwenden gegen diese Variante des Ligapokals – weil dieser damit fast identisch wäre mit dem einzigen DFB-Wettbewerb, dem DFB-Pokal.

Bliebe demnach nur eine Änderung im deutschen Spielplan, die, gelinde formuliert, einer Revolution gleichkommen würde: Die Abschaffung der Winterpause. „Das kann man so regeln“, sagte Hieronymus dem Handelsblatt. Eine solche Reform zöge erneut eine Grundsatzdebatte darüber nach sich, wie viel Regenerationspausen die Spieler benötigen. Eintracht Frankfurt schwebte schon vor einiger Zeit Verhältnisse wie in England, wo im Winter durchgespielt wird, und schlug bereits die Aufstockung der Liga auf 20 Klubs vor – mit dem gewichtigen Argument, die Klubs müssten den Spielern zwölf Monate Gehalt zahlen, verfüge jedoch, da die Profis drei Monate nicht spielten, lange Zeit nicht über Einnahmen. „Beide Argumente sind irgendwo stichhaltig“, findet Hieronymus.

Dass hinsichtlich der Auslandsvermarktung etwas getan werden muss, da dort die Einnahmen mit rund 20 Millionen Euro nur etwa zehn Prozent der Erlöse der englischen Premier League betragen, war der DFL schon vor der Bayern-Kritik bewusst. Seit April kümmert sich mit DFL-Mitarbeiter Erik Lorenz jemand hauptsächlich um diesen Geschäftsbereich. Laut Hieronymus besteht in der koreanischen K-League und der japanischen J-League, den beiden wichtigsten asiatischen Märkten, durchaus Interesse an der Bundesliga. „Wir haben vereinbart, uns auszutauschen“, erklärte Hieronymus.

Klar ist freilich, dass die Attraktivität des deutschen Fußballs im Auslands nicht von irgendwelchen Modusänderungen beim Ligapokal abhängig ist. Es geht um Grundsätzlicheres: „Natürlich muss unsere Präsenz im Ausland gesteigert werden“, sagt Werder-Vorsitzender Jürgen L. Born. Aber das gelinge nur dann, wenn sich im Kern etwas ändere: „Das Produkt Bundesliga muss besser werden.“

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