Deutsche Nummer Eins besteht das Nervenduell
Lehmann wird zum Elfmeter-Held

Vor dem Elfmeterschießen spielten sich auf dem Rasen des Berliner Olympiastadion unglaubliche Szenen ab.Oliver Kahn ging auf seinen langjährigen Rivalen, Jens Lehmann, zu und munterte ihn für das Elfmeterschießen auf. Im Elfmeterschießen machte sich Lehmann dann unsterblich und setzte sich ein Denkmal .

HB BERLIN. In den letzten vier Spielen wurde er bei der WM kaum geprüft - und dann war er der umjubelte Held: Jens Lehmann behielt im Elfmeter- Krimi gegen Argentinien die Nerven und führte die deutsche Mannschaft ins Halbfinale. Um 19.41 Uhr stürmten die deutschen Fußball- Nationalspieler in ungehemmter Freude auf ihre Nummer 1 zu und feierten ihn gemeinsam 72 000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion.

Den Jubel im Trubel seiner Teamkollegen genoss Lehmann aber nur ganz kurz: Er machte sich als erster auf den Weg in die Kabine und wollte im Moment des allergrößten Glücksgefühls nur für sich alleine sein. Um 19.32 Uhr war endlich der große Auftritt des Keepers des FC Arsenal London gekommen, als Julio Cruz zum ersten Elfmeter auf ihn zuschritt - wenngleich der noch traf. Dass er Elfmeter halten kann, hatte Lehmann zuletzt im Halbfinale-Duell der Champions League mit dem FC Villarreal gegen den argentinischen Star Juan Roman Riquelme bewiesen. Diesmal mussten zwei von dessen Mitspielern dran glauben. Erst parierte Lehmann um 19:38 den Elfmeter von Roberto Ayala, um 19:41 Uhr hielt er dann gegen Esteban Cambiasso und rettete den Sieg.

Unmittelbar vor dem Elfmeterschießen hatte er ausgerechnet von seinem Rivalen Oliver Kahn eine Extra-Portion Zuspruch und Schulterklopfen erhalten und danach seine Stärke im Nerven-Krimi "Mann gegen Mann" bewiesen. Dabei hatte der Freitagabend für den deutschen Fußball-Nationaltorhüter alles andere als gut angefangen. Nach 335 Minuten ohne Gegentor kassierte er in der 49. Minute des Viertelfinal-Krimis gegen Argentinien durch Ayala.

In der regulären Spielzeit hatte der Keeper gegen die Südamerikaner zwar leichte Startschwierigkeiten, doch danach mühte er sich neben seiner Torwartarbeit, viele Anweisungen zu geben und von hinten heraus zu dirigieren. Die nervliche Anspannung im K.o.-Duell war ihm von der ersten Minute an deutlich anzumerken. "Jetzt kommt der Zeitpunkt, wo der Druck steigt", hatte Lehmann vor der größten Bewährungsproben der Nationalmannschaftskarriere erklärt.

Lehmanns Situation bei der Heim-WM war bis zum Freitagabend völlig konträr zu der seines Rivalen Kahn vor vier Jahren in Asien. Der als Nummer 1 ausgemusterte Kahn, der durch die Szene mit Lehmann vor dem Elfmeterschießen Größe bewies, führte die deutsche Mannschaft damals als "Titan" mit überragenden Leistungen und nur einem Gegentreffer bis ins Finale. Nun bescherte Lehmann seinem Team zumindest das Halbfinale.

Kahns deutschen WM-Rekord, drei Gegentore in sieben Spielen, kann Lehmann, der außerhalb des Elfmeterschießens drei Mal hinter sich greifen musste, nicht mehr verbessern. Aber er kann noch genauso gut sein wie sein Kontrahent. Dazu müsste er seine weiße Weste behalten - und könnte Deutschland so vielleicht zum WM-Titel führen.

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