Fußball
Deutsche Tugenden und brasilianischer Zauber

Die deutsche Nationalmannschaft will gegen Brasilien die Negativserie gegen die großen Fußballnationen beenden: "Wir sind in einer sehr guten Verfassung und trauen uns zu, die zu schlagen", so Kapitän Ballack.

Das leidige Thema eines lange zurückliegenden Sieges der deutschen Nationalmannschaft gegen eine große Fußballnation soll endlich ad acta gelegt werden. Um dieses Ziel zu realisieren will die deutsche Auswahl im Halbfinale des Konföderationen-Pokals gegen Brasilien mit Leidenschaft und Aggressivität agieren, um die Kicker vom Zuckerhut zu bezwingen und ins Finale einzuziehen. "Wir wollen unbedingt am Mittwoch ins Endspiel. Wir sind in einer sehr guten Verfassung und trauen uns zu, die zu schlagen. Wir wollen diesen Pokal", sagte Kapitän Michael Ballack vor dem Halbfinale am Samstag (18.00 Uhr/live bei ZDF und Premiere) in Nürnberg gegen die Brasilianer bestimmt und wollte dies auch nicht als übliche Floskel verstanden wissen: "Da steckt Überzeugung dahinter, wir sind sehr selbstbewusst, auch wenn der Gegner Brasilien heißt."

Nur Jürgen Klinsmann fiel es am Tag vor dem Klassiker offensichtlich schwer, den von der Mannschaft offen zur Schau getragenen Optimismus zu teilen. Es sei interessant "zu sehen, wie die Spieler mit dem eigenen Erwartungsdruck umgehen und wie sie der Aufgabe gewachsen sind". Immerhin würde man gegen den Weltmeister spielen, "das ist ein gigantischer Brocken, eine riesige Herausforderung. Da müssen alle an die Leitsungsgrenze gehen, da muss alles hundertprozentig passen, um Brasilien zu schlagen. Der Respekt ist groß", meinte der Bundestrainer zurückhaltend. Von seinen Spielern forderte Klinsmann deshalb allerhöchste Konzentration, "denn die Brasilianer sind in der Lage, uns in zwei, drei Zügen schachmatt zu setzen. Die können ganz schnell ein, zwei Gänge höher schalten". Dass die Brasilianer müde seien, wie etwa DFB-Teammanager Oliver Bierhoff gemutmaßt hatte, glaubt Klinsmann nicht: "Die sind nicht müde, sondern eher gereizt. Das macht sie noch einen Schuss gefährlicher. Die werden hoch motiviert sein."

"Wir sind keine Brasilianer. Wir besitzen unsere deutschen Tugenden."

Dies unterstrich auch Brasiliens Nationalcoach Carlos Alberto Parreira, der in Lucio, Ze Roberto, Roque Junior und Gilberto gleich vier Bundesliga-Legionäre aufbietet, in aller Deutlichkeit. "Die Stunde der Entscheidung ist gekommen. Wir haben es bis hierher geschafft. Jetzt wollen wir auch den Titel. Wir werden das beste Team auf den Platz schicken." Die "Selecao", die zuletzt am 17. November 1993 (1:3 in Köln) gegen Deutschland verloren hat und am 30. Juni 2002 im WM-Finale 2:0 von Yokohama triumphierte, werde "alles bis zum letzten Tropfen geben". Der spielerischen Klasse der Ballzauberer vom Zuckerhut will das deutsche Team vor 41 926 Zuschauern im ausverkauften Nürnberger Frankenstadion laut Ballack "Leidenschaft, Siegeswille und Aggressivität" entgegensetzen. "Kaka, Ronaldinho, Robinho, Adriano - das ist die absolute Weltklasse. Damit können wir uns nicht vergleichen. Wir sind keine Brasilianer. Wir besitzen unsere deutschen Tugenden. Und die werden wir ins Spiel hineinwerfen", sagte Ballack im Bild-Interview.

Der DFB-Auswahl müsse, so Ballack, "der Spagat zwischen Offensive und Defensive gelingen, wir müssen am Ball in Überzahl kommen". Damit das wie zuletzt am 8. September 2004 beim 1:1 gegen die Brasilianer in Berlin gelingt, setzt Klinsmann vor allem auf seinen "Leader", der am Dienstag beim 2:2 gegen Argentinien geschont worden war: "Ich bin froh, dass er wieder eingreift. Wir versprechen uns, dass Michael wie gewohnt das Zepter in der Hand hält, den Rhythmus bestimmt und vor allem für das Gleichgewicht zwischen Defensive und Offensive sorgt." Ballack ist nicht der Einzige, der ins deutsche Team zurückkehrt, in dem der gelbgesperrte Bastian Schweinsteiger fehlt. So hat Arne Friedrich seine Sperre abgesessen und wird auf der rechten Seite die Abwehr um Per Mertesacker, Robert Huth und Thomas Hitzlsperger verstärken. Neben Ballack läuft im Mittelfeld auch Torsten Frings wieder in der Anfangsformation auf. Dort ist zudem Bernd Schneider gesetzt. Gute Chancen auf einen Einsatz hat auch Sebastian Deisler. Für die defensivere Variante wäre Fabian Ernst der Kandidat.

Podolski wieder fit - Lehmann zwischen den Pfosten

Im Angriff soll der gebürtige Brasilianer Kevin Kuranyi ("Für mich ist das ein ganz besonderes Spiel") für die nötigen Furore sorgen. Als Sturmpartner steht Lukas Podolski wieder zur Verfügung, der seine Wadenverletzung auskuriert hat. "Er ist gesund und fit und freut sich auf das Spiel", sagte Klinsmann, wollte dem Jungstar aber am Freitag noch nicht garantieren, dass er von Beginn an spielt. Die Alternative zu "Prinz Poldi" wäre Gerald Asamoah. Sicher ist zumindest, dass Jens Lehmann gegen den Rekordweltmeister im deutschen Tor stehen wird. Der Keeper von Arsenal London erhält im Zuge der Rotation den Vorzug vor Oliver Kahn.

Die voraussichtliche deutsche Mannschaftsaufstellung:

Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Huth, Hitzlsperger - Deisler, Frings, Ballack, Schneider - Kuranyi, Podolski (Asamoah)

© Sport-Informations-Dienst, Neuss

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