Fußball
Deutsche WM-Macher mit Lob überhäuft

Joseph Blatter und Franz Beckenbauer im perfektem Doppelpass, ein Politiker-Duo im peinlichen Streitgespräch und vorab großes Lob für die Organisatoren: Ein Jahr vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-WM deutet sich langsam die Bedeutung der Großveranstaltung an.

dpa MÜNCHEN. Joseph Blatter und Franz Beckenbauer im perfektem Doppelpass, ein Politiker-Duo im peinlichen Streitgespräch und vorab großes Lob für die Organisatoren: Ein Jahr vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-WM deutet sich langsam die Bedeutung der Großveranstaltung an.

Für Fifa-Chef Blatter könnte die WM sogar schon jetzt beginnen. "Die Organisation ist hervorragend. Deutschland ist eine sichere Bank. Immer, wenn bei uns eine Frage auftaucht, liegt die Antwort bereit", sagte der Weltverbandspräsident beim Festakt ein Jahr vor dem ersten Anpfiff im Münchner WM-Stadion.

Beckenbauer nahm das Kompliment gerne entgegen und versprach, bis zum Anstoß am 9. Juni 2006 "nicht nachzulassen". Der WM-Organisationschef war jedoch auch froh, dass von der kommenden Woche an noch der Confederations Cup als Testlauf ansteht. "Wir werden sicherlich einige Fehler machen, aber besser jetzt, als im kommenden Jahr", sagte Beckenbauer mit Blick auf das Acht-Nationen-Turnier.

In steriler Atmosphäre hatte das Funktionärs-Duo pünktlich zum Jahres-Countdown im Mittelkreis des WM-Stadions einen symbolischen Anstoß vollführt. Beobachtet wurden sie in der riesigen Arena dabei nur von Fußball- und Politikprominenz um DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff, Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). Zudem waren einige hundert Gäste in den verglasten VIP-Bereich geladen.

Außer der Präsentation von 14 Art-Postern und der Tatsache, dass genau in einem Jahr an gleicher Stelle die WM beginnt, gab es für die Veranstaltung keine rechte Legitimation. So passte es ins Bild, dass ausgerechnet die Politik-Profis Stoiber und Schily per Posse mit Kabarett-Charakter unfreiwillig für den Unterhaltungs-Höhepunkt sorgten und bei einer Podiumsdiskussion den bevorstehenden Bundestagswahlkampf nicht ausblenden konnten.

Im Vorgriff auf die offizielle Eröffnungsfeier am 9. Juni 2006 in seiner Landeshauptstadt freute sich Stoiber auf drei Mrd. Fernseh-Zuschauer. Von Schily süffisant und OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach freundlich korrigiert, dass es sich wohl nur um eine Milliarde Menschen vor dem TV handeln werde, wollte Stoiber seinen Fehler partout nicht einsehen und zettelte zur Freude der bis dahin eher auf das Buffett konzentrierten Gäste ein Wortgefecht mit dem politischen Kontrahenten an.

Als Gipfel des verbalen Schlagabtausches verkündete Stoiber mit Blick auf die Vergabe der Ehrenplätze in den WM-Stadien im kommenden Jahr: "Lieber Herr Schily, ich habe vor allem die größeren Chancen, offiziell dabei zu sein, als sie." Der auch für den Sport zuständige Innenminister nahm den Vorgriff auf einen möglichen politischen Machtwechsels im Herbst gerne auf und antwortete: "Schaun 'mer mal, in der Champions League haben die Schwarzen 3:0 geführt und am Ende haben die Roten im Elfmeterschießen gewonnen."

Das Duo Blatter/Beckenbauer zeigte sich im Zusammenspiel deutlich harmonischer und tauschte gegenseitige Wertschätzungen aus. Echte Problemzonen seien für das WM-Turnier 2006 nicht zu erkennen. Auch in ihrer einzigen Sorge waren sich beide einig - und knüpften damit indirekt an den Politiker-Disput an. "Wir werden letztlich für die große Nachfrage zu wenig Eintrittskarten haben", sagte Beckenbauer. Laut Blatter sei dies aber nicht zu ändern: "Der Fußball ist einfach so beliebt."

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