Deutschland mit Blitz-Toren
Klinsis Psycho-Tricks zeigen Wirkung

Langatmige Spielersitzungen gibt es unter Bundestrainer Jürgen Klinsmann nicht. Klinsi und sein Team nutzen spezielle Methoden um seine Jungs besonders heiß auf das Spiel zu machen. Dies scheint nach dem erneuten Blitz-Start der deutschen Elf zu funktionieren.

HB MÜNCHEN. Durch die Blitz-Tore von Lukas Podolski beim 2:0-Erfolg gegen Schweden sind die deutschen Fußballer schon nach dem Achtelfinale - Start-Weltmeister. Diese Traumstarts der DFB-Elf sind kein Zufall mehr, sondern haben Methode. "Es ist die Art und Weise, wie wir die Emotionen schüren", begründete Christoph Metzelder die unheimliche Wucht, mit der die deutsche Mannschaft die Gegner in den ersten Spielminuten förmlich überrollt.

Beim 4:2 im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica traf Philipp Lahm in der 6. Minute. Beim 3:0 gegen Ecuador eröffnete Miroslav Klose nach vier Minuten den umjubelten Torreigen. Und gegen Schweden sorgte Podolski mit seinem Doppelschlag (4./12.) sogar für die schnellste 2:0-Führung seit dem 4:1 im alles entscheidenden WM-Relegationsspiel gegen die Ukraine im November 2001. "Jeder ist heiß, wir wollen gleich loslegen", bemerkte Lahm zum explosionsartigen Start in drei der bislang vier WM-Spiele. "Das frühe Tor passt in unseren Plan." Jürgen Klinsmanns Masterplan sieht einen Überfall-Effekt vor, mit dem der Gegner eingeschüchtert und der Publikums-Joker gleich mit dem Anpfiff gezogen wird.

"Wir wollen die Zuschauer ganz schnell auf unsere Seite bekommen, indem wir furios starten. Das ist uns bislang bis auf das Spiel gegen Polen jedes Mal gut gelungen. Der Gegner bekommt dann noch mehr Respekt vor uns", bemerkte Torwart Jens Lehmann. "Wir wollen keine Sekunde verschenken", ergänzte Arne Friedrich.

Beim Heißmachen am Spieltag spielen Klinsmanns Psycho-Tricks eine große Rolle. Lehmann sprach nach dem Einzug ins Viertelfinale geheimnisvoll von "ein paar Maßnahmen, die vor dem Spiel gemacht werden". Dieses Mal war es ein Kurzfilm, der Michael Ballack & Co. den letzten Kick gab. Der Filmemacher Sönke Wortmann ("Das Wunder von Bern"), der die Erben von Fritz Walter auf Schritt und Tritt mit seiner Kamera begleitet und nach der WM 2006 das "Wunder von Berlin" in die Kinos bringen will, hatte einen Kurzfilm von 2:30 Minuten mit Spielszenen aus der Vorrunde und eigenen Aufnahmen hinter den Kulissen zusammengeschnitten. "Den haben wir uns kurz vor der Abfahrt ins Stadion reingezogen, verriet Metzelder.

Klinsmann hat von seinem einstigen Trainer bei Tottenham Hotspur, dem Argentinier Osvaldo Ardiles, gelernt, dass die Akteure am Spieltag nicht mehr mit langatmigen Spielersitzungen eingestellt werden sollten, sondern mit kurzen, knackigen Ansagen in der Kabine und mit emotionalen Mitteln. "Wir gehen voll konzentriert raus, von der ersten Sekunde an", sagte der Bundestrainer. Beim WM-Heimspiel bezieht er dabei den schwarz-rot-goldenen Fan-Faktor ganz bewusst mit ein: "Die Zuschauer pushen uns vom ersten Moment an noch mehr nach vorne."

Klinsmann hat sein junges Team nicht nur körperlich gedrillt, er hat es auch wie kein Bundestrainer vor ihm mental trainiert. Immerhin gehört erstmals bei einem großen Turnier in Hans-Dieter Hermann ein Sportpsychologe zum Betreuerstab der Nationalmannschaft. Mit Ritualen wie dem Schulterschluss von Spielern und Betreuern beim Abspielen der Nationalhymne wird nicht nur nach außen Teamgeist demonstriert, sondern auch eine Einheit mit den Anhängern hergestellt. "Jeder muss für sich selbst eine Vorbereitungsstrategie haben", erläuterte Hermann. Die der deutschen Mannschaft ist bislang weltmeisterlich.

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