Deutschland trifft im Achtelfinale auf Schweden
Schweden erkämpft Remis gegen England

Die "Tre Kronors" lieferten den Engländern besonders in der zweiten Halbzeit einen starken Kampf. Nachdem Schweden im ersten Durchgang enttäuscht und England das Spiel dominierte, begann die so oft gelobte englische Abwehr zu schwimmen.

KÖLN. Seit gestern Abend sind vermutlich alle Engländer ihrem schwedischen Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson dankbar, dass er Wayne Rooney trotz seines gerade erst halbwegs auskurierten Mittelfußbruches mit zur Weltmeisterschaft nach Deutschland genommen hat. Keine Nominierung dieser WM hatte für so viele Schlagzeilen und Kritik gesorgt. Keine Nominierung stellte sich im Nachhinein als so wertvoll heraus. Denn seit gestern Abend, 21.02 Uhr ist Rooney von Manchester United vorerst der einzige halbfitte Top-Stürmer in der englischen Mannschaft. In diesem Moment knickte sein Sturmpartner Michael Owen von Newcastle im Spiel gegen Schweden um, kroch auf allen Vieren vom Spielfeld und wälzte sich vor Schmerzen neben der Seitenlinie. Eriksson musste ihn mit Verdacht auf eine schwere Knieverletzung auswechseln. Auch Owen hatte erst kurz vor der WM einen Fußbruch auskuriert. Der 1,98 Meter große Peter Crouch vom FC Liverpool, eigentlich als Ausfallbürgschaft für Rooney nominiert, kam in die Partie und machte damit schon sein drittes Spiel.

Das machte auch Joe Cole vom FC Chelsea, doch im Gegensatz zu Crouch, der in allen drei Spielen bisher kaum überzeugen konnte, war Cole mal wieder der beste Engländer auf dem Platz. Während sich David Beckham von Real Madrid auf der rechten Seite langweilte - man konnte fast den Eindruck bekommen, er stand nur auf dem Platz, um Freistöße zu schießen - wirbelte Cole auf der linken Seite die schwedische Abwehr im Akkord durcheinander. Wunderschöne Dribblings, genaue Flanken und Pässe, viele gewonnene Zweikämpfe und Torschütze zum 1:0: Cole war maßgeblich am Erfolg der Engländer in den ersten 45 Minuten beteiligt. Fast alle Angriffe der Mannschaft von Eriksson gingen über links, über Cole.

In seinem Führungstor in der 34. Minute steckte denn auch Coles ganze Klasse: Die Schweden köpften den Ball aus der Abwehr genau auf Cole. Der 1,75 Meter große Mittelfeldspieler stoppte ihn mit der Brust und schoss den Ball volley ins rechte obere Toreck. Ein Traumtor, ein unhaltbarer Sonntagsschuss aus etwa 22 Metern. Die guten Schweden waren in der ersten Halbzeit nicht nur gegen diesen Schuss machtlos. Sie waren den sehr guten Engländern insgesamt unterlegen. Das Mittelfeld gehörte über weite Strecken den Engländern und vor das Tor von Paul Robinson (Tottenham) schafften es die Schweden nur in den ersten 30 Minuten- danach erhöhten die Engländer so den Druck, dass die Schweden kaum noch aus ihrer eigenen Hälfte heraus kamen. Chancen hatten beide Mannschaften, doch die besseren erarbeiteten sich die Engländer. So stand es am Ende der ersten Hälfte des wie erhofft sehr guten Fußballspiels folgerichtig 1:0 für das "Drei-Löwen-Team".

Doch die Schweden erwischten nach der Pause einen glänzenden Start: Eine Ecke von Tobias Linderoth (Kopenhagen) köpfte der frühere Rostocker Marcus Allbäck (jetzt Kopenhagen) am kurzen Pfosten über Torwart Robinson ins Tor. Es stand plötzlich 1:1 (48.) unentschieden. Der Ausgleich beflügelte die Schweden derart, dass sie die Kräfteverhältnisse im Nu umdrehten. Nun waren sie am Drücker, kesselten die Engländer zeitweise in deren eigenen Abwehr regelrecht ein und hatten die weitaus besseren Chancen.

Nach 70 Minuten war dann auch Schluss für Rooney, der wirkungslos geblieben war. Die Kraft reicht bei ihm jedoch noch nicht für 90 Minuten. Eriksson wechselte Mittelfeldregisseur Steven Gerrard von Liverpool für den Stürmer ein. Eriksson wollte Gerrard für das Achtelfinale schonen und hatte den Münchener Owen Hargreaves in die Startelf beordert. Obwohl die Schweden in der zweiten

Hälfte deutlich überlegen waren, gelang den Engländern erneut der Führungstreffer. Gerrard köpfte unhaltbar für Isaksson ein (86.) Flankengeber war (natürlich) Joe Cole. Doch in der 90. Minute schafften die Schweden den verdienten Ausgleich. Henrik Larsson vom FC Barcelona schoss den Ball nach einem Einwurf aus kurzer Distanz ins Tor.

Grischa Brower-Rabinowitsch
Grischa Brower-Rabinowitsch
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