Deutschland - Ungarn
Löws erster Anzug sitzt

Der abschließende Test vor der Euro 2016 wurde zum aussagekräftigsten dieser Länderspielsaison. „Die Mannschaft“ zeigt sich punktuell weltmeisterlich. Schon vorab gab es zwei Gewinner – die Veltins-Arena und den DFB.

GelsenkirchenSamstagnachmittag. Eigentlich wäre jetzt Bundesligazeit, doch der Regionalexpress nach Münster ist wegen eines Länderspiels prall gefüllt. Im Zug in Richtung der Schalker Veltins-Arena, wo Weltmeister Deutschland auf Ungarn trifft, drängeln sich die Fans in weißen und schwarzen DFB-Trikots. Das Publikum ist mindestens so multikulturell wie die Nationalmannschaft selbst. Nur wenn in der Arena Betrieb ist, strömen die Massen nach Gelsenkirchen. Mit der Straßenbahn fahren sie durch die vom Strukturwandel gezeichnete Ruhrgebietsstand, deren Farbtupfer an den alten Arbeitersiedlungen meist königsblau sind.

Ein junger Mann erfragt am Telefon den Preis für ein Ticket, ruhrpottet letztlich „das interessiert dem nicht“ ins Handy. „Bist Du Schalke-Fan?“ ist die häufigste Frage. Jahrzehnte nach dem Schalker Kreisel oder dem Gewinn des Uefa-Cups ist wenigstens beim Fußball die Gier in Gelsenkirchen greifbar. Auf der Brücke zum Stadion werden nicht lizensierte Devotionalien und Getränke verkauft. Auf dem Gelände schließlich geht es rechts bei einer Verlosung um EM-Tickets, während links in die Büsche uriniert wird – Pissnes as usual. Das Spiel ist ein Event, das mit Rahmenprogramm, La Ola und Familienfreundlichkeit Lust auf Fußball und ein gutes Geschäft in Einklang bilden soll.

Aber auch der sportliche Wert ist diesmal nicht zu unterschätzen. Wenn Joachim Löw die deutsche Fußballnationalmannschaft ein Testspiel bestreiten lässt, dann ist das in Regel wörtlich zu verstehen. Der Bundestrainer nutzt die spärliche gemeinsame Zeit mit dem Team, um neue Personalien, Abläufe und Varianten zu probieren. Das ist das Gegenteil von ergebnisorientiert und ärgert bisweilen Mannschaftsmanager Oliver Bierhoff, der lieber Spektakel und begeisterte Menschenmassen in den Stadien sähe.

Nicht nur insofern ist der abschließende Test gegen die einstige Fußballgroßmacht Ungarn eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Beim 2:0 (1:0) in Gelsenkirchen sahen 52.104 Zuschauer eine punktuell an 2014 erinnernde Vorstellung des amtierenden Weltmeisters. Die Aufstellung mit Kroos, Khedira, Özil, Mario Götze im Sturm, Antonio Rüdiger als Ersatz für Mats Hummels und Lokalmatador Benedikt Höwedes als Außenverteidiger dürfte der Startelf zum EM-Auftakt gegen die Ukraine sehr nahe kommen. Götze erzwang das Eigentor des Ungarn Adam Lang in der 39. Minute, Thomas Müller besorgte in der 64. Minute den Endstand.

„Der Sieg gibt Stabilität und ein gutes Gefühl. Es war auch wichtig, zu Null zu spielen. Die Mannschaft hat sich ein Stück weit gefunden und sehr konzentriert gearbeitet. Ein paar Dinge müssen wir aber noch nachjustieren“, sagte Bundestrainer Joachim Löw nach der Partie. „Es gibt keine Wunschelf. Wir brauchen alle Spieler während des Turniers. Einige müssen noch etwas nachholen.“.

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