DFB-Affäre
Die Luft für Niersbach wird dünner

Der DFB brachte keine neuen wesentlichen Erkenntnisse. Im Gegenteil: Niersbach blieb viele Antworten schuldig. Seine Kandidatur für den UEFA-Vorsitz dürfte sich erledigt haben – auch innerhalb des DFB gerät er unter Druck.

DüsseldorfEigentlich, ja, eigentlich sollte es eine PR-Offensive sein, die alle Diskussionen beendet. Doch Wolfgang Niersbachs Versuch, mit einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz einen Befreiungsschlag zu landen, ist vorerst gescheitert. Es ist nicht neu, dass der DFB-Präsident einen Zusammenhang zwischen der Zahlung an die Fifa und der mögliche Bestechung der vier asiatischen Funktionäre energisch bestreit. „Das Fußballmärchen ist und bleibt ein Fußballmärchen“, lautet Niersbachs Credo, welches er auch am Donnerstag schon zum Mantra erhob.

Doch die wirklich heiklen Fragen konnte der Präsident auch auf der Pressekonferenz nicht beantworten: Angeblich verlangte die Fifa die 6,7 Millionen Euro, um einen Zuschuss in Höhe von 170 Millionen Euro abzusichern. Der Vorgang an sich ist schon dubios, aber warum besorgte sich das Organisationskomitee das Geld nicht wenigstens beim DFB selbst oder lieh es sich bei einer privaten Bank? Dass ausgerechnet der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus dafür in seine Privatschatulle griff, ist bislang überhaupt nicht schlüssig zu erklären. Eine Erklärung ist auch nicht, dass der Berater von Franz Beckenbauer, damals Leiter des WM-Organisationskomitees, den Namen ins Spiel gebracht haben soll.

Die Fifa tritt der Darstellung inzwischen in aller Schärfe entgegen. Nach heutigem Kenntnisstand wurde keine derartige Zahlung von zehn Millionen Franken bei der Fifa 2002 registriert“, erklärte eine Sprecherin des Weltverbands. Es entspreche „in keinster Weise den Fifa-Standardprozessen und Richtlinien dass die finanzielle Unterstützung von WM-OKs an irgendwelche finanziellen Vorleistungen seitens des jeweiligen OKs oder seines Verbandes gekoppelt ist“, hieß es weiter. Im Übrigen dürfe die Finanzkommission auch gar keine Gelder in Empfang nehmen, verfüge nicht einmal über ein eigenes Konto. Nur eine Variante der Geschichte kann richtig sein.

Niersbach kann die Rückzahlung des Darlehens 2004/05 über ein Konto der Fifa – angeblich, um die schließlich abgesagte Eröffnungsgala zu finanzieren – ohnehin nicht zufriedenstellend erörtern. „Ich habe davon nichts gewusst“, sagte Niersbach. Sein vom Spiegel zitierter persönlicher Vermerk „Das vereinbarte Honorar für RLD“? „Ich kann mich daran nicht erinnern, kann es aber auch nicht ausschließen.“

Immer wieder verwies Niersbach auf die noch laufenden Untersuchungen des Kontrollausschusses beim DFB und der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, deren Ergebnisse man abwarten müsse. Niersbach räumt immerhin ein, die Präsidiumsmitglieder nicht rechtzeitig informiert zu haben. Zunächst hatte er noch erklärt, sofort im Juni 2015 die Ermittlungen eingeleitet zu haben.

Seite 1:

Die Luft für Niersbach wird dünner

Seite 2:

Unkluger Alleingang

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%