DFB-Affäre

Präsident Wolfgang Niersbach tritt zurück

Eine mysteriöse Millionenzahlung des DFB kostet Wolfgang Niersbach das Amt. Bis heute kann der Präsident die Überweisung an die Fifa nicht stimmig erklären – nun ist der 64-Jährige als DFB-Präsident zurückgetreten.
Update: 09.11.2015 - 19:35 Uhr 15 Kommentare

Niersbach: „Entscheidung ist mir ungeheuer schwer gefallen“

FrankfurtDie Affäre um die WM 2006 in Deutschland hat den bislang mächtigsten Mann des deutschen Fußballs sein Amt gekostet. Wolfgang Niersbach trat am Montag als DFB-Präsident zurück. Er übernehme die „politische Verantwortung“ in diesem Skandal, ohne sich nach wie vor selbst für etwas verantwortlich zu fühlen, erklärte der 64-Jährige nach einer mit Spannung erwarteten Präsidiumssitzung in Frankfurt am Main. „Das Amt des DFB-Präsidenten darf damit nicht belastet werden. Das Amt steht über meiner Person“, sagte er.

Die Nachfolge von Niersbach an der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) übernehmen satzungsgemäß zunächst einmal die beiden bisherigen Vizepräsidenten: der bayerische Landesverbands-Chef Rainer Koch und Ligapräsident Reinhard Rauball. Vor allem Koch deutete am Montag in seiner Stellungnahme an, dass es in der Affäre um dubiose und vor allem noch immer nicht geklärte Geldflüsse rund um die Vergabe der WM 2006 neue Erkenntnisse gibt.

„Wir müssen feststellen, dass die Kanzlei Freshfields eine Reihe von Punkten zu Tage gefördert hat, die weiterer Aufklärung bedürfen“, sagte er mit Bezug auf die vom DFB selbst eingeschalteten externen Ermittler. Der Verband müsse sich „mit der Frage, unter welchen Umständen die WM 2006 vergeben worden ist, näher befassen.“

Niersbach scheiterte vor allem daran, dass er sich schon bei den bisherigen Erkenntnissen der Affäre ständig in Widersprüche verstrickte und zur Klärung der vielen offenen Fragen kaum etwas beitragen konnte. Persönlich ging für ihn damit in den vergangenen Wochen vieles von dem kaputt, was ihm immer wichtig war: seine Präsidentschaft, seine Reputation, auch seine Freundschaft zu der Schlüsselfigur der gesamten Affäre, Franz Beckenbauer.

Trotzdem, oder vielleicht um ihn nicht noch tiefer fallen zu lassen, wird Niersbach seine Ämter in den Exekutivkomitees des Weltverbandes FIFA und der Europäischen Fußball-Union UEFA behalten. Dafür sprachen sich seine bisherigen Präsidiumskollegen beim DFB aus. „Er hat eine sportpolitische Verantwortung zugunsten des deutschen Fußballs wahrgenommen. Dafür gebührt ihm eine Menge Respekt“, meinte Rauball.

Auch Bundestrainer Joachim Löw reagierte „sehr betroffen“ auf den Rücktritt seines engen Vertrauten. Er sei „überrascht und sehr traurig“, sagte er vor dem Teamhotel der deutschen Nationalmannschaft, die sich gerade in München auf ihre beiden Länderspiele gegen Frankreich und die Niederlande vorbereitet.

Am Ende half Niersbach aber auch sein gutes persönliches Verhältnis zu Löw und vielen anderen Protagonisten des deutschen Fußballs nicht mehr. Sein miserables Krisenmanagement im Sommermärchen-Skandal, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und die Durchsuchungen sogar bei ihm zu Hause in Dreieich: Das war am Ende eindeutig zu viel, um eine bemerkenswerte sportpolitische Karriere fortsetzen zu können.

Niersbach bleibt bei seiner Version
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15 Kommentare zu "DFB-Affäre: Präsident Wolfgang Niersbach tritt zurück"

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  • Schönes Zitat, aber wer betrügt der fliegt ist hier wohl passender.

  • Im übringen VW ist selbst Schuld, wenn ein Konzern meint er müsste in den USA betrügen, ein Land das für saftige Straf- und Schadenersatzzahlungen bekannt ist, dem kann meines Erachtens auch nicht mehr geholfen werden. Das einzigste dumme ist nur, dass es die Mitarbeiter ausbaden müssen und nicht das Top-Management. Diese verabschieden sich mit Millionen-Zahlungen und haben ruck-zuck ein anderen Posten. Falls es soweit kommt haben es die Arbeiter nicht so einfach.

  • "wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den 1. Stein".

  • Interessant, jetzt ist der Ami Schuld? Lach, wenn deutscheManager der Macht und Gier verfallen und gegen DEUTSCHES RECHT verstoßen dann müssen diese auch bestaft werden. Aber offensichtlich wünschen sich einige das nicht alle gleich vor dem Gesetz sind. Fairplay gilt wohl nur auf dem Fußballplatz, die Funktionäre können ruhig gegen Gesetze verstoßen oder wie? Hauptsache der Ball und Rubbel rollt....

  • geil, hier wird ein deutsches "Lieblingskind" nach dem anderen von unseren Freunden zerschossen und das niedere Volk jubelt noch.

    Ja, die Deutsche Elite hat vollkommen richtig gehandelt. Flüchtlinge über Flüchtlinge. Egal, woher sie kommen, Hauptsache jung und kämpferisch und mit einem abgrundtiefen Hass gegen unsere Feinde. Die Ur-Deutschen sind leider verloren, die denken nurr noch an ihre persönliche Unterhaltung (H4-TV,...) und jubeln noch, wenn der ami mal wieder ins Schwarze getroffen hat.

    Aber was solls, ich freue mich jetzt besser über die Flüchtlinge und darauf, was aus Deutschland wird. Meckert doch weiter, freut euch darüber, wenn man unser Vaterland zerschießt. Die Geschichte nimmt ihren Lauf, auch ohne euch Pessimisten.

    Danke Frau Merkel.

  • Danke OTTO

    deutsche manager sind nicht deutsch sondern internationalisten
    wirtschaften zuerst in die eigene tasche mit "gehälter" boni abfindungen und hinterlassen nach ihrem abtreten so garkein nachhaltiges wachstum
    eher kaos und niedergang für kurzfristige kursgewinne während ihrer herrschaft
    ideutsche bank , vw, usw.usw

    ch kenne auch ausnahmen aber

  • wow, wieder ein gezielter Todesschuss aus den USA.

    Gratulation, wie die Amis, 70 Jahre nach Kriegsende, noch immer deutsche Manganer und deutschen Unternehmen zerschießen dürfen. Gratulation an die Leser aus den niederen Schichten des Volkes, die so fleißig Stimmung gegen Deutschland und seine Führungskräfte machen.

  • In Landsberg am Lech wohl eher nicht, weil er in Hessen einsitzen wird. Aber er wird hoffentlich einfahren!

  • Und jetzt denkt der Magistrat von Frankfurt hoffentlich mal gründlich über den sehr sonderbaren Vertrag über den Verkauf der Rennbahn nach.

  • >> Eine Haltung in gesellschaftlichen oder politischen Fragen hat er nie gezeigt >>

    Doch !

    Er hat die "Politische Verantwortung" übernommen, hieß es.

    Die Juristische Verantwortung wird ihn wohl noch einholen, wenn alles mit "RECHTEN" Dingen zugeht . Und dann muss er Uli Gesellschaft leisten....in Landsberg am Lech !

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