DFB-Akademie in Frankfurt
Am Ende geht es doch um Blatter

Der DFB plant mit einer eigenen Akademie das größte Bauprojekt seiner Geschichte. Für DFB-Boss Wolfgang Niersbach gibt es dabei reichlich Gegenwind. Gegner des Projekts vergleichen ihn bereits mit Joseph Blatter.
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FrankfurtDas Plakat leuchtet DFB-Präsident Wolfgang Niersbach jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit entgegen. „Bürgerentscheid statt Klüngel“, steht darauf. Und ausgerechnet Niersbach ist dort mit FIFA-Präsident Sepp Blatter zu sehen. Klüngel zwischen der Spitze von DFB und Fifa? Gerade die Vorkommnisse der vergangenen Woche, als Niersbach bei vielen Gelegenheiten das Geschäftsgebaren des mächtigen FIFA-Bosses rügte, stellen einen solchen Vergleich beinahe ins Reich der Fantasie.

Fünf Tage, nachdem in Zürich mächtige FIFA-Funktionäre vor den Augen der Weltöffentlichkeit abgeführt wurden, will Niersbach jedenfalls nicht auf diese Ereignisse eingehen. Am Montag soll schließlich der siegreiche Architektenentwurf präsentiert werden. Dafür soll in den nächsten drei Jahren ein „Jahrhundertprojekt“ (O-Ton Niersbach) umgesetzt werden. Die DFB-Akademie als Zentrale für den Verband und gleichzeitig Anlaufpunkt für die Ausbildung von Spielern, Trainern und Schiedsrichtern. 89 Millionen Euro werden dafür investiert. Soviel Geld auf einmal gab der Verband noch nie aus.

Genau hier liegt der Kern des Anstoßes. Das Gelände der Galopprennbahn in direkter Nähe zur bisherigen Zentrale und zum Stadion des Bundesligisten Eintracht Frankfurt soll dafür genutzt werden. Das passt vielen Bürgern nicht, der DFB bekomme so ein Steuergeschenk von 84 Millionen Euro. Deshalb kommt es in drei Wochen zum ersten Bürgerentscheid in der Bankenstadt. Ausgang ungewiss.

Beim DFB treten sie deshalb die Flucht nach vorne an. Am Montag war alles angereist, was im Verband Rang und Namen hat, um den Architektenentwurf des siegreichen Aachener Büros Kada Wittfeld die nötige mediale Unterstützung zu geben. Bundestrainer Jogi Löw war da samt Torwarttrainer Andy Köpke, Sportdirektor Hans Flick und Teammanager Oliver Bierhoff. Sie alle mit dem Credo: „Wir sind Weltmeister. Gerade deswegen dürfen wir uns nicht darauf ausruhen“. Diesen Eindruck befürchten viele beim Blick ins Ausland. Große Akademien eines nationalen Verbandes gibt es dort in England, Frankreich und Italien. In Deutschland spielt sich das bislang auf Länderebene ab.

Nun geht es also Naherholung, Geld und womöglich sogar Klüngel. Die Stadt Frankfurt hat sich von Anfang an auf die Seite des mächtigen Fußballverbandes gestellt. Zumal dessen Verbleib in der Bankenstadt schon zu Wendezeiten in Deutschland mal auf der Kippe stand. Ein Erbbauvertrag über 99 Jahre ist schon seit dem vergangenen Jahr zwischen Stadt und Verband über das Gelände der Galopprennbahn geschlossen.

Und Oberbürgermeister Peter Feldmann versichert, dass kein Cent an Steuergeldern für das Projekt fließen würde. Aber er will die Stadt auch breiter aufstellen. „Frankfurt ist nicht nur eine Bankenstadt“, sagt er und will mehr Unabhängigkeit von der dauerkriselnden Branche. Wer in der Welt künftig etwas über Fußball lernen will, der muss nach Frankfurt kommen“, sagt der gebürtige Düsseldorfer Niersbach.

2018 soll die DFB-Akademie stehen. Drei Viertel des Geländes sollen Grünfläche und Rasenplätze sein. Dazu ein offener Park mit Freizeitmöglichkeiten und Fan-Shop. Ein DFB zum Anfassen beinahe. Ganz anders als das Bild, das der Weltverband des Fußballs, die FIFA, im Moment abgibt.

DFB-Chef Niersbach muss trotzdem jeden Tag am Plakat der Gegner vorbeifahren, das in mit seinen Akademie-Plänen in die Nähe von FIFA-Boss Sepp Blatter setzt. Gut möglich, dass er nach dem Bürgerentscheid in drei Wochen darüber zumindest milde lächeln kann. Dann nämlich, wenn sich die Frankfurter für die neue DFB-Zentrale entschieden haben.

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  • Die im letzten Absatz geäußerte Vermutung, daß sich die Frankfurter für den DFB und gegen die Rennbahn entscheiden, ist doch ziemlich abwegig. Sie sollten einfach mal die Stimmung erleben, wenn es Diskussionsrunden zum Projekt gibt. Quer durch alle Bevölkerungsgruppen spricht man sich für den Erhalt der Rennbahn aus.

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