DFB-Ehrenpräsident Egidius Braun
Vodenker der WM-Bewerbung

Egidius Braun war fast zehn Jahre an der Spitze des DFB. Experten nennen oft seinen Namen, wenn es um die erfolgreiche deutsche WM-Bewerbung geht. Für ihn geht jetzt ein Traum in Erfüllung.

HB MÜNCHEN. Franz Beckenbauer ist oftmals die Leit- und Kultfigur in der deutschen WM-Organisation. Zwei maßgebliche Architekten der gelungenen Bewerbung stehen dagegen im Hintergrund: Horst R. Schmidt, der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes, und vor allem DFB-Ehrenpräsident Egidius Braun. "Ohne ihn hätte es die WM in Deutschland nicht gegeben", sagte Theo Zwanziger, Geschäftsführender DFB-Präsident, "und auch ohne Schmidt nicht, der die administrative Arbeit geleistet hat." Beckenbauer sei am Ende das "Tüpfelchen auf dem i gewesen".

Für Braun ist der WM-Anpfiff am Freitag in München die Erfüllung am Ende eine langen Weges. "Ja, es ist ein Traum", sagte der frühere DFB-Präsident (1992 bis 2001), der nach einer Herzoperation und einer Durchblutungsstörung im Gehirn gesundheitlich eingeschränkt ist. Das Abschneiden der deutschen Mannschaft hält er dabei für zweitrangig: "Sie sollen nur wunderbar spielen." Für sein Lebenswerk und sein soziales Engagement wurde "Pater" Braun ("Fußball ist mehr als ein 1:0") beim Kongress der FIFA am vergangenen Mittwoch in München mit dem Verdienstorden des Weltverbandes ausgezeichnet.

Der heutige 81-Jährige gilt als Vordenker und Wegbereiter der Anfang der 90er Jahre initiierten WM-Bewerbung, die er als optimale Chance ansah, ein "neues Deutschland im Herzen Europas" darzustellen. "Er hat die Bewerbung gesellschaftlich begründet", sagte Zwanziger. Schmidt habe die exzellenten Bewerbungsunterlagen erarbeitet. Danach begann der sportpolitische Kraftakt. Erst musste England als damaliger europäischer Rivale zum Rückzug bewegt, dann das Exekutivkomitee der FIFA überzeugt werden, Deutschland statt Südafrika als Schauplatz für die WM 2006 zu wählen - was mit 12:11 Stimmen geschah.



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"Egidius Braun hat Europa zusammengehalten", berichtete Horst R. Schmidt. Die Verbandsvertreter hätten zwar immer gesagt, für Deutschland zu stimmen, "dennoch musste er in den letzten sechs Monaten vor der Entscheidung sie zehn Mal daran erinnern". Der in Aachen lebende Kunstliebhaber hatte aber auch erkannt, dass er für die WM-Kampagne eine weltweite Vorzeigefigur haben musste. "Er hat gespürt, jetzt brauchen wir eine weltumspannende Figur wie Beckenbauer", sagte Zwanziger.

Tragisch war, dass Braun fünf Tage vor der WM-Vergabe am 6. Juli 2000 beim Kongress der Europäischen Fußball-Union (UEFA) in Luxemburg einen Schwächeanfall erlitt. "Ich konnte kaum noch sprechen, habe es aber dennoch gemacht", erinnert sich Braun. Seit der daraufhin notwendigen Bypass-Operation und aufgetretener Durchblutungsstörungen im Gehirn ist er sprachlich eingeschränkt. "Mir hat es wehgetan, dass Egidius Brauns Rolle nicht ausreichend gewürdigt wurde", meinte Zwanziger, "wäre er gesund, würde der Eindruck ein anderer sein."

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