DFB enthüllt seine Geschichte – verschweigt aber das Wichtigste
Nach dem Buch ist vor dem Buch

Der Deutsche Fußball-Bund veröffentlicht die Studie „Fußball unterm Hakenkreuz – Der DFB zwischen Sport, Politik und Kommerz“ und versucht damit, die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten.

Im Nachhinein scheint es fast so, als ob es erst eines Machtwortes des Kanzlers bedurft hätte. Auf den Feierlichkeiten zum 100. Jubiläum des Deutschen Fußball-Bundes am 28. Januar 2000 in Leipzig mahnte Gerhard Schröder in seiner Festrede, der größte Sportverband der Welt solle doch endlich seine Vergangenheit aufarbeiten.

Gestern, fünfeinhalb Jahre später hat der DFB ein 473 Seiten dickes Buch veröffentlicht, das eben dieses zur Aufgabe haben soll. Das Werk von Autor Nils Havemann trägt den Namen „Fußball unterm Hakenkreuz – Der DFB zwischen Sport, Politik und Kommerz“ und soll Licht in die dunklen Jahre zwischen 1933 und 1945 bringen. „Es hat uns getroffen, dass uns anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten in mehreren Publikationen vorgeworfen wurde, diese Thema zu verschweigen“, sagt DFB-Präsident Theo Zwanziger. Jetzt gehe man deshalb in die Offensive.

Kontrollierte Offensive sei der treffendere Terminus, sagt Wolfgang Wippermann, Professor für neuere Geschichte an der Freien Universität in Berlin, angesichts der späten Einsicht. Schließlich hoffen die Verbandsoberen mit ihrer neuen Offenheit bei der WM im kommenden Jahr ihr Image zu polieren. „Die haben gewartet, bis alle tot sind. Für Historiker ist das ein Graus“, sagt Wippermann.

Andere Sportverbände und die deutschen Unternehmen haben diesen Schritt längst hinter sich gebracht. So erarbeitete Volkswagen eine tausend Seiten starke Studie über Zwangsarbeiter. Die Deutsche Bank veröffentlichte Quellen, die belegen, dass das Geldinstitut mit ihren Krediten an der Finanzierung des Vernichtungslagers Auschwitz mitbeteiligt war. Bertelsmann legte offen, Propaganda-Lesestoff für die Frontsoldaten produziert zu haben. Und die Verbände von Ruderern und Leichtathleten haben schon Mitte der Achtziger Jahre umfassend ihre NS-Vergangenheit dargestellt.

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