DFB gegen Türkei
Für die Gruppenfavoriten zählt nur der Sieg

Das Länderspiel Deutschland gegen die Türkei ist nicht nur aus kultureller Hinsicht überaus interessant. In erster Linie treffen die sportlichen Favoriten der EM-Qualifikationsgruppe A. Für beide Teams ist es ein vorentscheidens Duell - mit erheblichen Personalsorgen.

Für Guus Hiddink ist es ein "Duell der Gruppenfavoriten, auf das ganz Europa schaut", und auch für Türkei-Spezialist Joachim Löw ist es ein ganz besonderes Spiel - doch von einem Finale um den Gruppensieg will der Bundestrainer nichts wissen. "Das ist natürlich ein sehr wichtiges Spiel, aber kein Endspiel. Es ist erst das dritte Spiel der Gruppe und deshalb noch nicht alles entscheidend", sagte Löw vor dem Schlager der Gruppe A heute (20.45 Uhr/ZDF) in Berlin gegen die Türkei.

Dennoch machte der Bundestrainer unmissverständlich klar, dass für ihn gegen den härtesten Konkurrenten um das Ticket für die Euro 2012 in Polen und der Ukraine nur ein Sieg zählt. Trotz der Formkrise einiger Leistungsträger und des Ausfalls von Bastian Schweinsteiger ist Löw "sehr, sehr zuversichtlich", den geforderten Dreier einzufahren: "Die Mannschaft ist seit Wochen und Monaten sehr selbstbewusst."

Wurde im Vorfeld der Partie viel über Integration, Bundesverdienstkreuz und Sympathiewerte geredet, richtete Löw den Fokus am Donnerstag nur noch auf die sportlichen Aspekte. Bei aller Zuversicht warnte er jedoch vor dem Team von Guus Hiddink.

Turan-Ausfall keine Schwächung

"Die Türkei gehört zur europäischen Spitze. Die sind vor allem in der Offensive extrem gefährlich und stark. Da müssen wir schon eine sehr gute Leistung abliefern, um sie zu schlagen", sagte Löw. Schon beim EM-Halbfinale 2008 sei die Türkei trotz des deutschen Siegs "die bessere Mannschaft" gewesen. Zudem sei Hiddink in der Lage, "der Mannschaft schnell eine Handschrift zu geben". Dass Spielmacher Arda Turan ausfällt, "darf uns nicht verleiten. Die Türken sind deshalb nicht schwächer".

Wie die DFB-Auswahl ist auch die Türkei mit sechs Punkten aus zwei Spielen in die Qualifikation gestartet. "Das gibt ihnen zusätzliches Selbstvertrauen." Auch die erwarteten rund "35 000 bis 40 000 türkischen Zuschauer werden bei den Spielern für zusätzliche Motivation sorgen. Ich kenne diese Mentalität", führte Löw weiter aus.

Der Bundestrainer hat in der Tat eine besondere Beziehung zur Türkei. 1998/99 war er Trainer bei Fenerbahce Istanbul, 2001 bei Adanaspor. Immer wieder wird er auch als Wunschtrainer des türkischen Verbandes genannt. In Harun Arslan hat er zudem einen türkischen Berater.

Positiver Fanatismus

Deshalb sei es auch für ihn ein Spiel, "auf das ich mich persönlich sehr freue. Ich habe viel gelernt in der Türkei und schätze die Gastfreundschaft, die Herzlichkeit, die Mentalität und diesen positiven Fanatismus beim Fußball", sagte Löw, fügte aber auch an: "Ich werde trotzdem alles daransetzen, dass wir gewinnen."

Dass vor allem seine Fraktion von Bayern München mit Kapitän Philipp Lahm, Miroslav Klose, Holger Badstuber, Thomas Müller, Toni Kroos und Mario Gomez derzeit in einer echten Krise steckt, sieht der Bundestrainer gelassen: "Ich mache mir keine Sorgen, da die Mannschaft in der Lage ist, sich auf den Punkt zu konzentrieren."

Die wichtigste Frage in Bezug auf die Aufstellung ließ Löw am Donnerstag offen. Als Schweinsteiger-Ersatz hat aber Toni Kroos neben dem gesetzten Sami Khedira von Real Madrid die besten Karten. Als Alternative für die "Doppelsechs" hinter den offensiven Thomas Müller, Mesut Özil und Lukas Podolski nannte Löw noch den Stuttgarter Christian Träsch, der sich aber ebenfalls in einem Tief befindet.

Boateng Favorit auf letzten Platz in der Abwehr

Offen ist zudem noch, wer in der Viererkette mit Lahm, Per Mertesacker und Badstuber links verteidigt. Als Favorit gilt Jerome Boateng von Manchester City, der zuletzt gegen Belgien (1:0) und Aserbaidschan (6:1) verletzt gefehlt, die Position aber schon bei der WM in Südafrika einige Male ausgefüllt hatte. Löw brachte aber auch den Hamburger Heiko Westermann ins Gespräch. Beide Spieler hätten "das nicht gelernt. Sie sollen dort auch nicht dauerhaft spielen. Aber sie haben bewiesen, dass sie das können".

Sicher ist, dass Löw das zuletzt bewährte 4-2-3-1-System mit Klose als einziger echter Spitze "nicht gravierend" verändern wird. Viel wichtiger als Diskussionen um die Taktik ist dem 50-Jährigen aber ohnehin, "dass wir die Vorgaben gut umsetzen und dass wir wie bei der WM offensiv und defensiv eine gute Raumaufteilung haben". Darauf komme es an, um die Türkei mit "ihrer Raffinesse und Technik" in Schach zu halten.

Dass vermutlich mehr türkische als deutsche Fans im ausverkauften Berliner Olympiastadion sein werden, sieht Löw eher als Ansporn für den WM-Dritten: "Wir freuen uns auf diese tolle Atmosphäre und werden uns darauf einstellen. Wir müssen dominant auftreten und fußballerisch glänzen."

© SID

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