DFB-Museum in Dortmund
Im Schatten des Korruptionsverdachts

Die Eröffnung des DFB-Museums wird zur Belastungsprobe. Drei Ehrengäste kommen erst gar nicht. Wolfgang Niersbach ist zwar da – liefert aber keine neuen Erkenntnisse. In die Mangel genommen wird jedoch sein Vorgänger.

DortmundSie hatten alles eindrucksvoll hergerichtet, sich schmuck herausgeputzt. Ein langer knallroter Teppich lag aus. Die Ausstellungsstücke waren noch einmal poliert worden. Und an der Balustrade warteten etliche Fans. Doch die Eröffnung des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund stand am Freitagabend deutlich unter dem Eindruck der Korruptions-Diskussion um die WM-Vergabe von 2006.

Nur wenige Stunden vor der Gala hatte der „Spiegel“ Aussagen von Theo Zwanziger veröffentlicht. Die aktuelle Ausgabe des Nachrichtenmagazins wurde mit scharfen Aussagen Zwanzigers beworben. Der ehemalige DFB-Chef hat im Interview seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach als „Lügner“ bezeichnet und sei sich sicher, dass es 2006 eine „schwarze Kasse“ gegeben habe.

Entsprechend gespannt harrten die Journalisten vor dem Museum aus. Und die Reaktionen der Gäste waren deutlich. Der Teammanager der deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, forderte Aufklärung: „Es darf keine Fragezeichen mehr geben. Wir wollen Klarheit. Man fragt sich schon, warum Theo Zwanziger die nicht schon in seiner Amtszeit geschaffen hat. Wahrscheinlich hatte er andere Interessen zu verfolgen. Wichtig ist, dass wir das Thema von den Füßen kriegen.“

Auch DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock griff vor allem seinen ehemaligen Chef an: „Wir hatten unter Zwanziger eine Angst- und Krisenkultur beim DFB. Man hätte das Thema schon in seiner Amtszeit angehen müssen. Ich verstehe nicht, warum er das nicht gemacht hat. Wir stehen voll hinter Niersbach.“ Auch Bundestrainer Joachim Löw positionierte sich: „Wahnsinn, hier gibt es so viel Geschichte zu bestaunen. Aber die Ereignisse der letzten Tage geben Anlass zum Nachdenken. Ich stehe hundertprozentig zu Wolfgang Niersbach. Aber leider steht heute etwas anderes im Vordergrund.“

Zum eigentlichen Anlass, der Museumseröffnung, schlenderte zu allererst Reinhard Rauball überpünktlich über den roten Teppich am Dortmunder Königswall. Der Ligapräsident und BVB-Boss war dann auch der erste, der sich äußerte. Es müsse alles aufgeklärt werden, detailliert und lückenlos. Eine Aussage, die zum Motto des Abends wurde. „Schade, dass die Eröffnung unter so einem ungünstigen Stern steht, weil dieses Haus doch eigentlich so etwas Schönes ist“, sagte auch die Stuttgarter Ikone Hansi Müller. Der Schütze des Jahrhundert-Tors, Klaus Fischer, könne sich die ganze Korruptionsgeschichte gar nicht vorstellen und hoffe auch, dass da nichts war.

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„Das tut allen weh – auch mir persönlich“

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