DFB-Pokal
"Fußball-Zwerg" Neuruppin will die Bayern ärgern

Wohl jeder zweite der 32 000 Einwohner der brandenburgischen Stadt Neuruppin macht sich am Sonntag auf ins 80 Kilometer entfernte Berlin. Im dortigen Olympiastadion tritt der MSV Neuruppin im DFB-Pokal gegen Bayern München an. 20 000 Karten sind schon verkauft worden.

HB NEURUPPIN. "Das Spiel ist Gesprächsthema Nummer eins in Neuruppin“, sagt Bürgermeister Jens-Peter Glode stolz und freut sich über die Positiv-Schlagzeilen durch das Traumlos im Pokal. "Wir haben alles junge, hungrige Burschen, die noch etwas erreichen wollen“, schwärmt Trainer Christian Schreier (46), der in den 80er Jahren als Profi beim VfL Bochum, Bayer Leverkusen und Fortuna Düsseldorf 331 Bundesligaspiele bestritt und 106 Tore erzielte.

An eine Pokal-Sensation glaubt der Trainer dennoch nicht. "Das wird wohl nicht gehen. Momentan sind die Bayern sehr gut drauf." Schreier hofft, dass es kein Debakel gibt, im kleinen Kreis nennt er ein 1:5 als akzeptables Resultat. "Ein Tor - das wäre schon ein Traum. Die Jungs sollen rausgehen, die Atmosphäre genießen. Aber sie dürfen keine Angst haben", fordert er.

Schreier und Dietmar Lenz, der Vizepräsident des Oberligisten, gelten beim MSV als Väter des Erfolges. "Wir haben in den letzten Jahren viel investiert", sagt Lenz. Das Volksparkstadion, in dem der 1919 gegründete Verein im Schnitt vor 500 Zuschauern seine Heimspiele austrägt, erhielt eine neue Tribüne. Dem Sponsorenpool gehören neben den Stadtwerken, bei denen Lenz als Geschäftsführer arbeitet, viele Unternehmen aus der Umgebung an.

Die Höhe des Etats wird wie ein Staatsgeheimnis gehütet, dürfte aber bei 350 000 Euro liegen. Viele Spieler sind bei den Stadtwerken quasi als Halbprofis angestellt, zudem komplettieren Studenten und Zivildienstleistende das Amateur- Team, das nun die Bayern gehörig ärgern möchte.

Seit dem Oberliga-Aufstieg im Jahr 2001 hat sich der MSV, der zu DDR-Zeiten zuletzt unter dem Namen Elektronik Neuruppin in der Bezirksliga Potsdam spielte, Schritt für Schritt nach oben gearbeitet. Der Durchbruch gelang unter Trainer Schreier, den Lenz im Januar 2004 vom damaligen Liga-Kontrahenten FC Schönberg nach Neuruppin lotste. Nach dem zweiten Platz in der Nordstaffel, der zur Relegation um den Aufstieg zur Regionalliga gegen den FC Carl Zeiss Jena berechtigte, gewannen die Schreier-Schützlinge im Mai durch einen 2:1-Erfolg gegen den SV Babelsberg 03 erstmals den Landespokal.

Das Ausweichen ins Olympiastadion ist der fehlenden Größe des 5500 Zuschauer fassenden Volksparkstadions geschuldet. Selbst mit einer Tribünen-Aufstockung wären kaum 12 000 Fans unterzubringen, zudem wären über 100 000 Euro für Sicherheitsmaßnahmen fällig geworden. Im Olympiastadion werden die Neuruppiner gutes Geld verdienen. "Schon bei 20 000 Zuschauern frohlockt für uns was übrig“, sagt Lenz. Er hofft, dass sogar 30 000 Neugierige zum Duell David gegen Goliath strömen. "Wenn das Wetter mitspielt, werden uns auch viele Hertha-Fans unterstützen. Schließlich haben wir dieselben Vereinsfarben: Blau-Weiß."

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