DFB-Pokal
Härtetest für das Modell Hoffenheim

Die Investitionen von SAP-Gründer Hopp zahlen sich aus: Heute tritt sein Provinzclub im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund an, und in der zweiten Liga gab es für den Aufsteiger zuletzt vier Siege in Serie. Doch der Erfolg löst auch einigen Unmut bei der Konkurrenz aus.

BERLIN. Es sei kein unwesentlicher Unterschied, vor 5 500 Zuschauern zu spielen oder vor 70 700, hat Ralf Rangnick gestern erklärt. Ralf Rangnick ist Trainer des Zweitligisten 1899 Hoffenheim, er hat die Zahlen des Dietmar-Hopp-Stadions, in dem seine Elf spielt, neben die des Signal-Iduna-Parks gestellt, in dem der BV Borussia Dortmund seine Heimspiele austrägt, heute Gegner im DFB-Pokal. 5 500 Zuschauer waren es am Freitag in Hoffenheim bei der Partie gegen den SC Freiburg, 70 700 in Dortmund bei der gegen Hansa Rostock, nebeneinander betrachtet sind das 65 200 Zuschauer Unterschied. Deshalb, so Rangnick, habe sein Spezialist „ein psychologisches Drehbuch erstellen und den Kader mental vorbereiten“ lassen.

Schade, dass Rangnick nicht verraten hat, wie sein Körper-und-Geist-Spezialist 70 700 singende und brüllende BVB-Fans simulieren und Rangnicks Männern die vielzitierte „szenische Angst“ nehmen will. Denn jeder Einblick in die Arbeit beim badischen Gemeindeklub ist vielleicht ein Einblick in die Zukunft des deutschen Provinz-Profifußballs. Und jedes gelüftete Geheimnis eine Erkenntnis mehr bei der Frage: Was braucht es, um einen Dorfverein in 18 Jahren sechs mal aufsteigen zu lassen, von der Kreisliga bis in die zweite.

Neben dem Mental-Mann, dem glühenden Vertreter offensiven Fußballs (Rangnick) und einem Sportdirektor, dessen Fähigkeiten auf dem Gebiet der Trainingslehre Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann seinerzeit in den hellsten Tönen pries (Hockey-Bundestrainer a.D. Bernhard Peters), braucht es Geld. Seit 1990 steckt der Milliardär Dietmar Hopp (67), einer der Gründer der Software-Firma SAP, Geld in den Verein seiner Kinderträume. Wieviel insgesamt, ist nicht bekannt, nur diese Zahlen sind es: Als zu Beginn der Saison der Aufsteiger auch wie einer spielte (drei Niederlagen, ein Remis), witterte Hopp Gefahr für das Projekt und zahlte für den Zukauf der brasilianischen Jugendstars Eduardo und Gustavo, sowie des Nigerianers Chinedu Obasi Ogbuke und des Senegalesen Demba Ba 15 Millionen Euro, mal eben so.

Mal eben so, sagen die Gegner Hoffenheims, Puristen, Traditionalisten und gedanklich ein wenig Verirrte. So wie Mainz’ Manager Christian Heidel, der krakeelte: „Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36 Plätze im Profifußball wegnimmt.“

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