Fußball
DFB-Schiedsrichter auf Konfrontationskurs mit Fifa

Die Bundesliga-Schiedsrichter wollen sich der neuen Abseits-Regelung der Fifa widersetzen und in der kommenden Saison weiter nach dem früheren Regelwerk pfeifen. Das gab der Ausschuss-Vorsitzende Volker Roth bekannt.

Die neue Abseits-Auslegung wird in dieser Bundesliga-Saison vorerst keine Anwendung finden. Die deutschen Schiedsrichter gehen mit ihrer Weigerung auf Konfrontations-Kurs zum Weltverband Fifa, der für die Einführung der veränderten Interpretation des Abseits während des Konföderationen-Pokals fast ausnahmslos Kritik geerntet hat. Die Referees wollen das Regelwerk weiter in bisheriger Manier auslegen.

Roth hofft auf schnellen Konsens

"Die Interpretation der Regel beim Konföderationen-Cup sorgte für Konfusion. Das kann es nicht sein. Diese Auslegung kann keinen Bestand haben", erklärte Volker Roth als Vorsitzender des Schiedsrichter-Ausschusses im Deutschen Fußball-Bund (DFB) beim Vorbereitungs-Lehrgang der Erst- und Zweitliga-Referees am Freitag in Altensteig-Wart (Nordschwarzwald).

Der frühere Spitzen-Schiedsrichter hofft allerdings auf baldige Einsicht bei der Fifa. "Da sind wir zuversichtlich. Die Fifa ist doch ein intelligenter Verein. Es muss schnell ein Konsens gefunden werden", meinte der deutsche Schiedsrichter-Chef, räumte allerdings gleichzeitig ein: "Der ist noch nicht gefunden."

Umdenken in internationalen Partien

Besonders heikel wird die Aufgabe für die international tätigen Unparteiischen wie "Weltschiedsrichter" Markus Merk. "Wir sind darauf angewiesen, ein einheitliches Regelwerk zu haben. Aber wenn die Fifa dabei bleibt, wird auch mir nichts anderes übrig bleiben, als bei internationalen Spielen anders zu pfeifen", meinte der frühere Zahnarzt und hofft auf eine Angleichung der Auslegungen bis zu den anstehenden WM-Qualifikationsspielen am 3. September.

Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel machte allerdings deutlich, dass die Fifa-Auslegung auch die 42 Referees der ersten und zweiten Liga erreichen könnte. "Wir sind davor nicht sicher. Es kann sein, dass die Fifa eine Regel nachschiebt. Dann müssten auch wir uns daran halten", erklärte Roths Stellvertreter.

Schmuck darf nicht mehr überklebt werden

Strigel stellte auch die Regel-Neuerungen für die kommende Saison vor. So wird den Spielern das Tragen von Schmuck verboten. Auch ein Überkleben mit Tape ist nicht mehr erlaubt. Zudem muss beim Einwurf ein Mindestabstand von zwei Metern eingehalten werden, und die Schiedsrichter dürfen auch noch nach Schlusspfiff bis zum Verlassen des Spielfeldes Strafen aussprechen.

Auch der Wett- und Manipulationsskandal um Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer stand im Schwarzwald noch einmal auf der Tagesordnung. "Wir wollen die Sache abhaken. Mann kann nicht hinter jedem Busch einen Verbrecher vermuten", sagte Roth und wurde in dieser Einschätzung von Merk unterstützt: "Das ist kein Thema mehr für uns. Wir konzentrieren uns auf die Saison."

Aus dem "Fall Hoyzer" haben die Schiedsrichter-Verantwortlichen aber ihre Lehren gezogen. So werden ehemalige Unparteiische zukünftig die Nachwuchskräfte nicht nur rund um eine Partie, sondern auch im privaten Bereich betreuen. "Wir wollen wissen, was im sozialen Umfeld los ist und ob der noch in der Spur läuft. Wir wollen ständig am Puls der Leute sein. Vor allem auf die fünf neuen Männer in der zweiten Liga werden wir unser besonderes Augenmerk richten", erläuterte Schiedsrichter-Ausschussmitglied Manfred Amerell.

© SID

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