DFB-Team brennt auf Spielbeginn
Gastgeber Deutschland eröffnet den Titelkampf

Heute wird es für die deutsche Nationalmannschaft bei der WM im eigenen Land ernst. Auch ohne Kapitän Michael Ballack soll im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica (18.00 Uhr) der erste Sieg auf dem Weg zum Titel her.

Die langwierige Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im eigenen Land ist zu Ende - heute wird es für die deutsche Nationalmannschaft endlich ernst. Ohne den verletzten Kapitän Michael Ballack kämpft die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im WM-Eröffnungsspiel gegen Costa Rica in München (18 Uhr/live im ZDF und auf Premiere) um den ersten Sieg auf dem erhofften Weg ins Finale. Als Ersatz für Ballack sind Tim Borowski und Sebastian Kehl auserkoren, denen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann vorab ein gutes Zeugnis ausgestellt wurde.

"Tim Borowski, aber auch Sebastian Kehl sind gute Alternativen, die diese Rolle ausfüllen können", erklärte der Bundestrainer, der kurz vor dem Abflug der DFB-Auswahl von ihrem Berliner WM-Quartier in die bayerische Landeshauptstadt trotz seines Dauerlächelns angespannt wirkte. Zugleich bemühte sich Klinsmann, die Aufregung um Ballack herunterzuspielen.

"Er ist unser Kapitän und Leader. Aber sein Ausfall ist kein Beinbruch. Für die Spieler in der zweiten Reihe ist es vielmehr eine zusätzliche Motivation, sie laufen auf Hochtouren", sagte der Weltmeister von 1990 und versuchte, der verfahrenen Situation vor seinem ersten WM-Spiel als Coach noch etwas Positives abzugewinnen.

Ballack, der vor zwei Tagen selbst noch fest von einem Einsatz gegen die "Ticos" ausgegangen war, muss wegen einer hartnäckigen Wadenverletzung passen, die er sich bereits am vergangenen Freitag beim 3:0 gegen Kolumbien zugezogen hat. "Er hat in Berlin noch kein komplettes Mannschaftstraining mitmachen können. Deshalb macht es keinen Sinn, er wird stattdessen intensiv behandelt. Wir hoffen, dass er beim zweiten Spiel zur Verfügung steht", erklärte Klinsmann.

Klinsmann nimmt Ballack in Schutz

Zugleich nahm der Bundestrainer seinen Kapitän ausdrücklich in Schutz und warnte vor vorschnellen Schlussfolgerungen. "Bei uns ist keiner sauer auf Michael, weil er die Verletzung vielleicht unterschätzt hat. Er kennt seinen Körper am besten und war davon ausgegangen, dass die Wadenverhärtung bis Montag abklingt. Er würde doch selbst gerne spielen", meinte Klinsmann.

Ballack wehrte sich nach der Ankunft am Donnerstag in München gegen Vorwürfe, er habe sich nicht rechtzeitig behandeln lassen. Er sei "entgegen allen Spekulationen und Aussagen" nach dem Länderspiel gegen Kolumbien "beschwerdefrei" nach Hause gefahren: "Erstmals habe ich am Sonntagabend leichte Muskelprobleme verspürt. Ich wehre mich gegen alle Unterstellungen, unprofessionell gehandelt zu haben. Solche Behauptungen sind eine absolute Frechheit", sagte er. Der Mittelfeldspieler hatte sich am Montag nach der Ankunft bei der Nationalmannschaft in Berlin in Behandlung begeben.

In München unterzog sich Ballack am Donnerstagnachmittag noch einmal einer Kernspintomographie, die nach Aussage von Teammanager Oliver Bierhoff keine schwerwiegenden Probleme offenbarte. "Der Muskel hat einfach zugemacht", sagte Bierhoff und ergänzte, es sei ein "völlig falsches Bild" der gesamten Entwicklung entstanden: "Die Probleme sind erst Sonntagabend aufgetreten. Ihm ist überhaupt nichts vorzuwerfen, er hat sich absolut professionell verhalten. Diese Anschuldigungen an Michael sind verkehrt und sicherlich zu dieser Zeit auch nicht dienlich."

Klinsmann betonte, dass nur der medizinische Stab des DFB "Michael wieder gesundschreiben kann". Dass sich der 29-Jährige zudem dem Bio-Energetiker Kurt Schweinberger anvertraut hat und sich von dem Therapeuten aus Starnberg am Mittwoch zwei Stunden behandeln ließ, ist für Klinsmann nebensächlich: "Wenn sich jemand außerhalb beraten lassen möchte, haben wir kein Problem damit. Ich kenne den Herrn aber nicht. Klar ist nur, dass bei uns entschieden wird."

Zudem kündigte Klinsmann an, dass Ballack trotz seiner Sonderstellung in den kommenden Tagen keine Sonderbehandlung zu erwarten hat: "Fall er wieder problemlos trainieren kann, wird er das doppelte Arbeitspensum machen müssen. Wenn die Mannschaft einmal am Tag trainiert, wird er zweimal trainieren müssen, um wieder auf das gewünschte Level zu kommen." Ballack absolvierte schon am Donnerstag im Münchner Hilton Hotel ein Sondertraining mit Fitness-Coach Mark Verstegen. Das zweite deutsche Gruppenspiel ist am kommenden Mittwoch (14. Juni/21.00 Uhr) in Dortmund gegen Polen.

Borowski voller Selbstbewusstsein

Wer letztendlich am Freitag für den Kapitän spielen wird, ließ Klinsmann offen. Die besten Chancen hat der Bremer Tim Borowski, der bereits in der Vorbereitung beim 7:0 gegen Luxemburg in der Ballack-Rolle überzeugen konnte. "Ich traue mir diese Position zu und habe auch keine Angst, Verantwortung zu übernehmen", meinte Borowski nach dieser Partie.

"Michael ist sehr wichtig für uns, aber wenn er nicht spielen kann, müssen die anderen Führungsspieler diese Aufgabe übernehmen. Das macht mir keine Sorgen", meinte auch Borowskis Bremer Vereinskollege Miroslav Klose, der am Freitag seinen 28. Geburtstag feiert. "Mein Wunsch für diesen Tag ist klar, ich will drei Punkte einfahren", sagte der beste deutsche WM-Torschütze von 2002 (5 Treffer) und fügte selbstbewusst an: "Ich bin überzeugt davon, dass uns das auch gelingt." Dazu beitragen sollen neben seiner eigenen Person auch so erfahrene Kräfte wie Torsten Frings oder Bernd Schneider, der vermutlich wieder die Kapitänsbinde tragen wird.

Dieser Überzeugung ist auch Klinsmann, der trotz aller Vorfreude und Zuversicht die Zuschauer aber schon einmal darauf hinwies, dass es gegen Costa Rica auch zu einem "Geduldsspiel" kommen könne und das Spiel "alles andere als ein Selbstläufer ist". Der Gegner, der am Mittwochabend der Mannschaft zum wiederholten Male ausführlich vorgestellt wurde, werde dem klaren Favoriten "das Leben wahnsinnig schwer machen".

Der Bundestrainer ist sich aber sicher, dass die deutsche Mannschaft für das heutige Eröffungsspiel bestens gerüstet ist und alles geben wird: "Ich kann versprechen, dass wir uns von der ersten Minute an zerreißen werden."

© SID

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