Fußball
DFB-Team nach 2:3 gegen Brasilien ausgeschieden

Die deutsche Nationalmannschaft ist trotz starker Leistung im Halbfinale des Confederations Cup ausgeschieden. Das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann unterlag Weltmeister Brasilien in Nürnberg mit 2:3 (2:2).

Der Traum vom Finaleinzug beim Confederations Cup und dem ersten Sieg gegen einen "Großen" des Weltfußballs seit fast fünf Jahren hat sich für die deutsche Nationalmannschaft nicht erfüllt. Das leidenschaftlich kämpfende Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann verlor das Halbfinale gegen Weltmeister Brasilien in Nürnberg 2:3 (2:2) und muss sich trotz einer starken Leistung mit einem Platz im "kleinen" Endspiel am Mittwoch in Leipzig (17.45 Uhr) gegen Argentinien oder Mexiko begnügen.

In einer turbulenten ersten Halbzeit glichen Lukas Podolski (22.) und Kapitän Michael Ballack (45.) mit seinem dritten verwandelten Foulelfmeter im Turnierverlauf die zweimalige Führung der Brasilianer durch Adriano (21.) und Ronaldinho (43., Foulelfmeter) aus. Doch erneut Adriano (76.) sorgte für den letzlich verdienten Siegtreffer der "Selecao", die in den entscheidenden Momenten immer wieder ihre Extraklasse unter Beweis stellte.

Klinsmann: "Die Großen wissen, dass wir kommen"

"Wir waren spielerisch absolut ebenbürtig. Dann entscheiden halt kleine Dinge über den Sieg. Ich denke aber, wir werden jetzt wahrgenommen. Die Großen wissen, dass wir kommen. Wir sind noch nicht da wo wir hinwollen, aber wir sind ungemein stolz auf die Mannschaft", meinte Klinsmann: "Heute hat ein Stück Cleverness gefehlt, und das Umschalten auf die Defensive war etwas zu langsam. Das haben die Brasilianer dann eiskalt ausgenutzt." Der brasilianische Coach Carlos Alberto Parreira zeigte sich zufrieden: "Es war wundervoll, gegen Deutschland zu spielen. Die Deutschen haben ihre beste Mannschaft aufgeboten, um Brasilien zu schlagen. Ich bin sehr glücklich mit der Leistung meiner Mannschaft. Wir haben unsere technischen und spielerischen Fähigkeiten gezeigt und mit viel Engagement gespielt. Wir sind glücklich, im Finale zu sein und wollen jetzt auch den Titel."

Durch die erste Heimniederlage seit Klinsmanns Amtsantritt im Vorjahr misslang dem deutschen Team 349 Tage vor dem Eröffnungsspiel der WM im eigenen Land die Revanche für das letzte WM-Finale am 30. Juni 2002 (0:2) in Yokohama. Die Bilanz gegen den WM-Rekordchampion (3 Siege, fünf Unentschieden und zwölf Niederlagen) konnte die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auch im 20. Duell nicht freundlicher gestalten. Der letzte Sieg gegen eine Topnation gelang Deutschland am 7. Oktober 2000 (1:0 in England), danach folgten 13 Partien ohne Erfolg. Nach dem 1:3 gegen Südkorea ging die deutsche Elf zum zweiten Mal als Verlierer vom Platz.

Hart umkämpftes Match

42 187 Zuschauer in Nürnbergs ausverkaufter Nürnberger WM-Arena sahen ein hart umkämpftes Spiel, in dem über weite Strecken kein Team dem anderen Raum für Kombinationen ließ. Auch die Brasilianer konnten nicht ihr gefürchtetes Kurzpassspiel aufziehen, weil Klinsmanns Spieler hart, früh und geschickt attackierten.

Entsprechend resultierte die erste Chance des Spiels aus einer Standardsituation: Eine Freistoß-Flanke von Ronaldinho verfehlte das Tor der Deutschen nur knapp. Die erste Möglichkeit für das junge DFB-Team (Schnitt: 25,1 Jahre) hatte der vor der Pause starke Bernd Schneider, dessen Schuss aus 16 Metern nur knapp über den Torwinkel strich (17.). Vier Minuten später hatte das deutsche Team Pech. Einen Freistoß von Adriano aus knapp 30 Metern fälschte Sebastian Deisler unhaltbar für Jens Lehmann ins eigene Tor ab.

Huth mit Schubser gegen Adriano

Doch wie schon so oft unter Klinsmann schlug die DFB-Elf schnell zurück. Nach einer Ecke von Deisler gelang Podolski per Kopf sein sechstes Tor im 14. Länderspiel. Nach dem 1:1 blieb das Spiel weiter ausgeglichen. Beide Mannschaften spielten hochkonzentriert und ließen kaum Chancen des Gegners zu. Dennoch fiel die erneute Führung für Brasilien. Robert Huth schubste Adriano im Strafraum, und den fälligen Foulelfmeter verwandelte Ronaldinho (43.) sicher.

Erneut aber konterten die Platzherren fast postwendend: Ballack verwandelte in der Nachspielzeit einen angeblich von Emerson an ihm selbst verschuldeten Foulelfmeter zum 2:2.

Klinsmann hatte mit einer Überraschung in seiner Startaufstellung aufgewartet. Der Bundestrainer, der beim letzten deutschen Sieg gegen die Brasilianer noch als Spieler dabei war, nahm Thomas Hitzlsperger aus der Viererkette und ließ dafür Allrounder Schneider auf der Position des linken Außenverteidigers antreten. Im Vergleich zum 2:2 gegen Argentinien im letzten Gruppenspiel am vergangenen Dienstag kehrten wie erwartet Ballack, Torsten Fings, Arne Friedrich, Podolski und Lehmann in die Startelf zurück. Aus der ersten Elf im WM-Finale 2002 waren zunächst nur fünf Spieler auf dem Feld (Schneider, Frings - Lucio, Roque Junior, Ronaldinho).

Kuranyi vergibt frei vor Dida

Nach der Pause bot die Partie zunächst nur wenige Höhepunkte. Die Brasilianer zeigten wenig Entschlossenheit im Spiel nach vorne, Deutschland konnte trotz viel Ballbesitz wenig Gefahr heraufbeschwören. Der Berliner Gilberto (57.) schoss zunächst ans Außennetz, auf der Gegenseite stand der gebürtige Brasilianer Kevin Kuranyi nach einem Ballack-Pass zwar völlig frei vor Dida, konnte den Ball aber nicht richtig verarbeiten.

Beim 2:3 unterlief der zuletzt wieder sicheren deutschen Innenverteidigung der erste Fehler seit langem. Per Mertesacker und Huth kamen beim Zusammenspiel zwischen Jungstar Robinho und Adriano zu spät, und der Angreifer von Inter Mailand überwand Lehmann aus kurzer Distanz.

© Sport-Informations-Dienst, Neuss

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