DFB-Team
Zurück im elterlichen Schoß

Lukas Podolski ist zurück: Mit zwei Toren gegen Polen hat sich der Stürmer in den Vordergrund gespielt. Bei der Nationalmannschaft kann Podolski so sein wie er ist. Beim FC Bayern dagegen ist er bisher nicht angekommen.

TENERO. Auf der Homepage des FC Bayern München hat Lukas Podolski unter der Rubrik "Hobby" das Wort "Familie" angegeben. Am Sonntagabend im Wörthersee-Stadion zu Klagenfurt hatte er vielleicht eine der wenigen Gelegenheiten bei dieser EM, seinem Hobby nachzugehen. Nach dem Spiel kletterte er auf die Tribüne, umarmte seinen Vater, seinen Onkel, Verwandte und Freunde, die mit nach Österreich gekommen waren. Alle waren sie in rot-weiße Schals gehüllt, hatten die polnische Mannschaft angefeuert und "sich trotzdem für mich gefreut", sagte Podolski.

Er selbst konnte sich nicht freuen, still feierte er seine zwei Tore gegen das Land, in dem er geboren ist. Er sagt, dass noch immer polnisches Blut durch seine Adern fließe. Und damit ist der Konflikt, den Lukas Podolski bei diesem Spiel mit sich auszutragen hatte, auch schon beschrieben.

Wer mit ihm am Dienstag darüber reden wollte, musste mit einem holzschnittartigen Interview vorlieb nehmen, dass DFB-Mediendompteur Harald Stenger angeblich am Vormittag mit ihm geführt hatte. Darin durfte Podolski Sätze sagen wie: "Es ist egal, wer die Tore schießt, entscheidend ist, dass wir ein Team sind, in dem jeder für den anderen kämpft." Oder: "Wir freuen uns über diesen Sieg, aber wir müssen dieses Spiel gleich wieder abhaken. Schon am Donnerstag sind wir gegen Kroatien wieder gefordert. Heute beginnt dafür bereits die Vorbereitung". Dabei hatte Bundestrainer Joachim Löw seinen Stammkräften gestern frei gegeben.

Es sind jene gestanzten Sätze, mit denen Lukas Podolski auch nach dem Spiel schon versuchte, Mikrofonen und Kameras möglichst schnell zu entkommen. Vorgetragen mit diesem antrainierten Stakkato, hinter das er sich immer flüchtet, seit er vom Boulevard belagert wird beim FC Bayern München.

Seine Worte gießt er in Hülsen, die so einfach sind wie kurz. Dabei hätte er ausgiebig über seine Leistung reden können, auf einer für ihn ungewöhnlichen Position im linken Mittelfeld. Nur kann sich Lukas Podolski eigentlich nicht verstellen. Seine Gefühle und Gedanken werden aber nur noch auf dem Platz sichtbar, der Respekt gegenüber seiner Herkunft ebenso wie die Leistung der deutschen Elf. Bei jeder halbwegs gelungenen Aktion schmetterte er eine Becker-Faust oder klatschte seine Mitspieler ab.

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