DFB vor Krisensitzung
Runter mit der Maske des Anstands

Wolfgang Niersbach muss heute dem DFB-Präsidium Rede und Antwort stehen. Der Verbandschef ist zuversichtlich, dass er Unklarheiten in der Steueraffäre um die WM 2006 ausräumen kann. Doch das Grundproblem des DFB bleibt.

FrankfurtAuf dem Weg zu den Krisensitzungen von DFB-Präsidium und Fußball-Landesfürsten landeten Deutschlands Top-Funktionäre um den angeschlagenen Verbandschef Wolfgang Niersbach in einer Sackgasse. Die geografische Lage der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes am Ende einer Stichstraße im Frankfurter Stadtwald ist in der durch den WM-Skandal ausgelösten Krise ein Sinnbild der diffizilen Situation des größten Sportfachverbandes der Welt.

Unabhängig vom Ausgang der außerordentlichen Treffen am Montag und unabhängig von Position oder Posten von Niersbach: Der DFB muss seine Strukturen und gerade seine Kontrollmechanismen überdenken, will er dem mit Verve zelebrierten Selbstbild als gesellschaftlich relevante Kraft wieder gerecht werden.

Niersbach will sich in der wichtigen Präsidiumssitzung am Montagnachmittag allen offenen Fragen in der WM-Affäre stellen. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich den Kollegen im Präsidium und anschließend auch den Präsidenten der Landesverbände alle Fragen beantworten kann, Antworten geben kann, die jetzt erwartet werden und die auch die Öffentlichkeit erwartet“, sagte Niersbach am Montag dem TV-Sender N24.

Doch das könnte bereits zu spät sein. „Vor drei Wochen war der DFB noch eine Art Leuchtturm. Es gab die Hoffnung, dass man Reformen im Weltfußball über den DFB und seine Standards würde etablieren können“, sagte der Philosoph Wolfram Eilenberger bei Sport1. „Dieses Kartenhaus ist nun natürlich vollkommen in sich zusammengebrochen. Wir bewegen uns seit drei Wochen zwischen Tragik und Farce.“

Tragik und Farce: Gerade Niersbach verkörpert diese Begrifflichkeiten - auch mit seinem für einen Medienprofi erschreckend schwachen Krisenmanagement. „Der Fußball ist in Deutschland so beliebt wie nie“, sagte er noch voller Stolz bei der Präsentation der neuen Mitgliederstatistik im August. 6.889.115 Menschen in 25.324 Vereinen. Diese Zahlen belegen die ungebrochene Beliebtheit des Fußballs in Deutschland. Und vermutlich werden auch die Einblicke in die Geschäftskultur rund um das WM-Sommermärchen daran nichts ändern.

Einer hat sich bereits abgewendet: Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger ist im WM-Skandal nicht mehr zu einer Zusammenarbeit mit den vom Deutschen Fußball-Bund beauftragten externen Ermittlern bereit. Wie Zwanzigers Anwalt am Montag in einem Brief an den DFB mitteilte, begründet der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bunds dies mit den angeblichen Verbindungen der Kanzlei Freshfields zum ehemaligen FIFA-Funktionär Mohamed bin Hammam und zum Staat Katar.

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