DFB: Zwanziger soll MV den „Kicker“ gestrichen haben

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Zwanziger soll MV den „Kicker“ gestrichen haben

Auf den ersten Blick geht es nur um kostenlose Annehmlichkeiten, auf den zweiten aber wohl um verletzte Eitelkeit - und um Macht: Der Chef des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, hat seinem Vorgänger Gerhard Mayer-Vorfelder die Privilegien gestrichen und damit nachhaltig erzürnt. Doch Zwanziger hat ein Problem: Er braucht „MV“.

HB BERLIN. Wenn sich am Donnerstag in Berlin die Spitze des nationalen Verbandes, das Organisationskomitee der WM und weitere Führungskräfte aus Sport und Politik treffen, wird es offiziell um die Endabrechnung der Weltmeisterschaft 2006 und um die Bewerbung für die Frauen-WM 2011 gehen. In den Gesprächsrunden wird aber auch die Rolle des im DFB ungeliebten „MV“ diskutiert, der durch den späten Aufstieg zum Vizepräsidenten der Europäischen Fußball-Union verlorene Macht überraschend zurück bekam.

Das Tischtuch zwischen Mayer-Vorfelder, das schon in der Zeit der präsendialen Doppelspitzen mit dem jetzigen Chef Theo Zwanziger kräftig zerfasert war, ist inzwischen ganz zerschnitten. Seit Wochen ist der offizielle Kontakt zwischen der DFB-Zentrale in Frankfurt und dem einstigen zweiten Präsidentensitz in Stuttgart abgebrochen. Der Verband entzog „MV“ die Insignien wie Auto, Chauffeur, Referent oder Sekretärin, was den 73-Jährige erboste. Er vertrete ja in Europa weiter die Interessen des deutschen Fußballs, meinte Mayer-Vorfelder, der beim Gipfel in Berlin seit längerem wieder mit seinen einstigen Kollegen an einen Tisch sitzen wird.

Auch die Liga staunte über einige wundersame Äußerungen von Mayer-Vorfelder, der beispielsweise den CDU-Politiker Friedrich Merz für das Amt des Präsidenten der Deutschen Fußball Liga (DFL) vorgeschlagen hatte. Das grundlegende Problem: Als „Vize“ des neuen Uefa-Präsidenten Michel Platini hat Mayer-Vorfelder die kommenden zwei Jahre großen Einfluss auf Entscheidungen, die den DFB und die Bundesliga betreffen. „Mayer-Vorfelder hat gesagt, er sei als deutscher Vertreter in die Uefa gewählt, fühle sich aber nicht weisungsgebunden“, hieß es aus dem DFB.

„MV“, der nicht zum DFB-Ehrenpräsidenten gemacht wurde, hat inzwischen ein kleines Büro beim Württembergischen Fußball-Verband bezogen, „mietfrei“, betonte der DFB. Auf welchem Niveau der Konflikt inzwischen ausgetragen wird, zeigt der Streit um die Büro-Nebenkosten wie Briefmarken, Kleberollen oder Zeitungs-Abos. Der Verband forderte eine Auflistung an, die aber noch nicht eingetroffen sein soll. Nach Informationen von stern.de wurde Mayer-Vorfelder selbst das Abo der Fachzeitschrift „Kicker“ gestrichen, was seine Ehefrau besonders erbost habe. Inzwischen zahle er die Postille aus eigener Tasche.

Zwanziger, der zuletzt auch mit der zunehmenden Gewaltproblematik in deutschen Fußball-Stadien und dem Sponsoren-Streit um die Nationalmannschaft auseinander setzen musste, sitzt zwischen zwei Stühlen: Einerseits will er Mayer-Vorfelder keine Sonder-Privilegien einräumen. „Ich kann nichts dafür, wenn Herr Mayer-Vorfelder oder seine Frau kein Gefühl dafür entwickeln, was Amt ist und was privat“, sagte er in einem „Spiegel“-Interview. Andererseits braucht er seinen einstigen Präsidenten-Kollegen wieder - zum Beispiel für die Bewerbung für die Frauen-WM 2011.

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