Fußball
DFL-Boss Seifert erhält Rückendeckung der Vereine

Der Vorstoß von DFL-Boss Christian Seifert, die Namensrechte an der Bundesliga zu verkaufen, stößt auf breite Zustimmung. Allerdings dürfe "das Image der Liga nicht leiden", so Schalke-Geschäftsführer Peter Peters.

Christian Seifert darf sich der Rückendeckung gewiss sein: Der Vorsitzende der Geschäftsführung der DFL Deutsche Fußball Liga Gmbh erhält bei seinem Versuch, die Namensrechte an der Bundesliga an einen Sponsor zu verkaufen, breite Unterstützung von Seiten der Klubs. "Ich finde das Nachdenken darüber, wie weit man gehen darf, ohne eine Grenzüberschreitung zu betreiben, sehr gut. Christian Seifert versucht diesen Spagat mit Feinfühligkeit und Sorgfalt. Eins ist klar: Es muss ein nennenswertes Ergebnis herausspringen und das Image der Liga darf nicht leiden", sagte Schalkes Geschäftsführer Peter Peters, auch Vorstandsmitglied des Ligaverbandes.

Rund 80 Mill. Euro mehr

Im Klartext heißt das: Die Beate-Uhse-Liga wird es wohl nicht geben. Im Gespräch für den Verkauf der Namensrechte sind nach sid-Recherchen rund drei Mill. Euro pro Erstligaklub und 1,5 Mill. Euro für jeden Verein der 2. Liga. Das würde rund 80 Mill. Euro in die Kassen der 36 Profiklubs spülen.

"Ich bin von Haus aus ein Fußball-Romantiker. Ich lege meinen Namen ja auch nicht ab. Aber wenn ich sehe, wie sich seit Gründung der Bundesliga die medizinische Betreuung radikal geändert hat, muss eben auch die Frage der Namensrechte diskutiert werden dürfen. 1963 durfte in der Halbzeit nichts getrunken werden, weil es Seitenstiche verursachen könnte", äußerte Manager Andreas Rettig vom Aufsteiger 1. FC Köln, der wie Peters dem Aufsichtsrat der DFL angehört.

Holzhäuser verweist auf "kleine Lösung"

Wolfgang Holzhäuser, Sprecher der Geschäftsführung von Bayer Leverkusen und Vizepräsident des Liga-Verbandes, verweist auf eine mögliche "kleine" Lösung: "Es müssen ja nicht zwingend auch die Namensrechte veräußert werden." Wohl wahr: Die Werbung auf den Ärmeln bei allen 36 Teams würde ihren Eindruck auch nicht verfehlen.

Suche nach Generalsponsor nicht leicht

Überhaupt ist es schwierig, einen Generalsponsor zu finden, denn der darf sich nicht mit den bestehenden Hauptsponsoren der Klubs beißen. Damit fallen ganze Sparten und Branchen aus. Insider tippen auf Limonaden- oder Fastfood-Produzenten als ernste Kandidaten. Auch Brotaufstrich/Schokolade ist in der Liga noch nicht vertreten.

Deshalb unterstützt auch Peter Pander (Borussia Mönchengladbach) DFL-Chef Seifert in dessen schwieriger Arbeit: "Der macht seinen Job, die Liga zu vermarkten, optimal." Pander befürchtet auch nicht, dass die drei Mill. pro Verein direkt in die Taschen der Spieler fließen könnten: "Die Bundesliga hat in Stadien, in den Ausbau der Infrastruktur und in die Nachwuchsförderung investiert. Das würde auch mit zusätzlichem Geld so bleiben."

Hauptaugenmerk auf Fernsehrechte gerichtet

Ingo Schiller, Geschäftsführer von Hertha BSC Berlin, verweist in diesem Zusammenhang auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga. Da würden drei Mill. pro Verein, selbst wenn das innerhalb der Bundesliga nur den Geldkreislauf aufpumpen würde, schon einiges ausmachen: "Deshalb dürfen wir uns dem Thema nicht verschließen. Schließlich ist es die Aufgabe von Christian Seifert, die Einnahmen der Liga zu optimieren."

Das Hauptaugemerk der Vereinsführer gilt aber nach wie vor den Fernsehrechten. Die halten sie angesichts des Wertes der Bundesliga in Folge der Kirch-Krise und im Vergleich zu anderen europäischen Märkten für deutlich unterbezahlt. Hier wird eine Steigerung von 300 Mill. Euro auf mindestens 400 Mill. ab 2006 erwartet.

Die Liga wird ihre "Pakete" in den nächsten Wochen ausschreiben. Die Liga hat das Recht, aus sportpolitischen Gründen das jeweilige finanzielle Höchstangebot abzuweisen. Noch aber will sich niemand in die Karten schauen lassen. Peter Peters gibt immerhin einen Fingerzeig: "Wir erwarten schon von den öffentlich-rechtlichen Anstalten, dass sie ihrer Verantwortung gegenüber dem Gebührenzahler in Bezug auf die Free-TV-Rechte und damit den Zusammenfassungen nachkommen."

Der Hintergrund: Für die Champions League hat ab der kommenden Saison der Bezahlsender Premiere auch die Free-TV-Rechte erworben und kann damit die attraktiven Spiele mit deutscher Beteiligung sehr zum Ärger der Sponsoren vom Markt nehmen. Geschähe gleiches mit der Bundesliga, wäre im Extremfall eine Konstruktion wie in Frankreich denkbar, wo im "freien" Fernsehen eine Zusammenfassung der 1. Liga erst zwölf Stunden nach Abpfiff zu sehen ist.

© SID

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