DFL
Profiklubs drohen Kartellamt mit höchster Instanz

Die Deutsche Fußball Liga will für die Durchsetzung der zentralen Fernsehrechte-Vermarktung notfalls bis zum Bundesgerichtshof ziehen. Das Verhältnis zwischen Kartellamt und Fußballverbänden gilt als zerrüttet. Ein Gang zum BGH in Karlsruhe könnte eine Klärung der komplizierten TV-Verwertung um Jahre hinaus verzögern.

KÖLN. Im Duell mit der Bundeskartellamt geben die Profiklubs nicht auf. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) plant, bis zum Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe zu gehen, um eine größere Freiheit bei der Verwertung der Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga durchzusetzen. "Ohne die Klagen bleibt eine willkürlich gezogene Demarkationslinie bestehen, die für uns völlig inakzeptabel ist", sagte ein Verantwortlicher. "Wir haben nichts zu verlieren und werden bis zur letzten Instanz klagen."

Die Organisation der 36 deutschen Fußball-Profiklubs hatte vor wenigen Tagen angekündigt, zunächst beim Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf Beschwerde einzulegen. Die DFL will den Widerstand des Kartellamts gegen die ursprünglich mit der Sportrechte-Agentur Sirius des Medienunternehmers Leo Kirch geplante TV-Rechteverwertung mit allen Mitteln brechen. Im vergangenen Herbst hatte die Bonner Wettbewerbsbehörde eine zentrale Vermarktung der Fernsehrechte indirekt verboten. Das Kartellamt hatte so viele Hürden aufgebaut, dass die DFL einen Vertrag mit Kirch wieder auflösen musste.

Damit fehlen den Bundesligisten nun hohe Einnahmen. Kirch hatte ab der Saison 2009/10 pro Spielzeit rund 500 Mio. Euro geboten. Am Ende erzielte die DFL mit der Vergabe der TV-Rechte an die alten Partner Premiere, ARD, ZDF und Deutsches Sport-Fernsehen in den kommenden vier Spielzeiten lediglich durchschnittlich 412 Mio. Euro pro Saison.

Das Verhältnis zwischen Kartellamt und Fußballverbänden gilt als zerrüttet. Auch die Gespräche von DFL-Geschäftsführer Christian Seifert mit dem Kartellwächter Ralph Langhoff waren offenbar nicht gerade von gegenseitigem Verständnis geprägt. Langhoff ist Vorsitzender der 6. Beschlussabteilung und verantwortet damit die Bereiche Sport und Medien. Der promovierte Wettbewerbshüter gab sich von Anfang an kompromisslos. "Die Zentralvermarktung von Medienrechten hat dieselbe Wirkung wie ein Preiskartell", sagte er bereits im vergangenen Jahr dem Branchenmagazin "Kicker".

Mit welchen Argumenten das Kartellamt vor dem OLG Düsseldorf auftreten wird, ist noch unklar. Eine Behördensprecherin in Bonn wollte sich gestern dazu nicht näher äußern.

Der Rechtsstreit könnte sich nun über lange Zeit hinziehen. Das OLG Düsseldorf bestätigte gestern nur den Eingang der Beschwerde. Die Begründungsfrist laufe noch, sagte das Gericht. Ein Gang zum BGH in Karlsruhe könnte eine Klärung der komplizierten TV-Verwertung um Jahre hinaus verzögern. "Das braucht mindestens zwei Jahre Zeit", sagte ein Beteiligter.

Die Liga will trotz des langwierigen Rechtswegs die Haltung der Bonner Behörde nicht länger hinnehmen. Die Klage vor dem Oberlandesgericht gilt juristisch als Kuriosum. Denn rein formell gab es gar keine Untersagung der Behörde. In DFL-Krisen ist daher nur von einer "faktischen Untersagung" der Zentralvermarktung die Rede. "Wir brauchen für die Zukunft Planungs- und Rechtssicherheit", sagte Ligaverbandspräsident Reinhard Rauball, der das Kartellamt über Gespräche in Bonn gut kennt.

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