Die bisherige WM-Bilanz
Zufriedene Europäer spielen den Weltmeister aus

Die WM-Bilanz ist nach 60 von 64 Spielen positiv: Viele Zuschauer und wenig Platzverweise stehen zu Buche. Nach der von Taktik geprägten Viertelfinalrunde stehen nur noch europäische Teams in der Runde der letzten Vier.

Nach wenigen Toren und zwei Elfmeterschießen sind nur noch Europäer im WM-Rennen übrig geblieben. "Dass keine südamerikanische Mannschaft im Halbfinale steht, kann es eigentlich nicht geben. Das ist eine Schande", sagte Brasiliens Trainer Carlos Alberto Parreira nach dem 0:1-K.o. des Titelverteidigers gegen Frankreich mit Blick auf die nun folgende "Europameisterschaft".

Vorher war bereits der zweimalige Weltmeister Argentinien ausgeschieden. Erstmals seit 24 Jahren machen die Europäer in der Runde der letzten Vier den WM-Titel unter sich aus. Italien, Deutschland und Frankreich hatten bereits 1982 allen Teams von anderen Kontinenten den Weg ins Halbfinale versperrt - zusammen mit Polen.

Diesmal komplettiert Vize-Europameister Portugal die Vorschlussrunde, der 1966 zum letzten Mal bei einer WM so weit gekommen war. Auch damals war kein Platz für Nicht-Europäer unter den ersten Vier: England, Deutschland und die Sowjetunion spielten mit Eusebio und Co. um die ersten Plätze. Ebenso 1934, als Italien, die Tschechoslowakei, Deutschland und Österreich den Kampf um die WM-Krone zu einer europäischen Angelegenheit machten.

"Das ist jetzt eine Europameisterschaft, aber wenn wir gewinnen, sind wir trotzdem Weltmeister", meinte Peter Lohmeyer, Schauspieler im "Wunder von Bern" und bekennender Schalke-Fan, und brachte damit die Konstellation auf den Punkt.

Um Weltmeister zu werden, sollte man zudem gute Nerven im Elfmeterschießen haben, denn die Entscheidung vom ominösen Punkt wird bei der 18. WM von Runde zu Runde wichtiger. Nach einem Shootout im Achtelfinale zwischen der Ukraine und der Schweiz (3:0) musste im Viertelfinale zweimal das Duell zwischen Torhüter und Schützen entscheiden - mit dem gewohnten Ausgang.

Die Deutschen siegten auch in ihrem vierten WM-Elfmeterschießen, diesmal mit 4:2 gegen Argentinien. Und die Engländer erlebten erneut einen Albtraum, den sie nur zu gut kennen: Zum fünften Mal versagten ihnen bei einer WM oder EM im entscheidenden Moment die Nerven - 1:3 gegen Portugal.

Ein Elfmeterschießen fehlt in den verbleibenden vier Spielen noch, um den Rekord von 1990 einzustellen. Damals musste viermal der Shootout über Sieger und Verlierer entscheiden, bei den Weltmeisterschaften 1986, 1994 und 1998 kam es je dreimal zum "russischen Roulette", wie der ukrainische Trainer Oleg Blochin es nannte.

Die Elfmeterschießen wurden nötig, weil vorher wenig oder gar keine Tore gefallen waren. Nur 138 Treffer stehen nach 60 von 64 Spielen zu Buche, der Schnitt von 2,3 Toren pro Partie liegt nur knapp über dem Minusrekord von 1990 (2,21). Sollten in den verbleibenden vier WM-Spielen nur noch insgesamt drei Tore erzielt werden, würde dieser Negativrekord unterboten (2,20).

Den höchsten Trefferschnitt mit 5,38 Toren pro Spiel gab es beim WM-Finalturnier 1954 in der Schweiz. Sogar noch darüber lagen damals die Ungarn mit 5,4 Toren pro Partie. Der Titel ging an Fritz die in sechs Begegnungen im Schnitt auf 4,2 Treffer kamen. Mindestens vier Tore pro Spiel gab es bei drei WM-Endrunden, 1950 in Brasilien (4,00), 1934 in Italien (4,12) und 1938 in Frankreich (4,67).

Die achte Rote Karte des Turniers sah der Engländer Wayne Rooney nach einer Tätlichkeit gegen Ricardo Carvalho. Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea wurden insgeamt 16 Rote Karten gezeigt. Der Negativ-Rekord stammt von der WM 1998 in Frankreich mit 18-mal "Rot".

Die ersten 60 Spiele sahen insgesamt 3,115 Mill. Zuschauer live. 51,917 Fans kamen somit im Durchschnitt in die Stadien, die offiziell zu 100 Prozent ausgelastet waren. Damit wurde die Resonanz von 2002 in Südkorea und Japan (2,7 Millionen) und 1998 in Frankreich (2,8 Millionen) schon lange vor dem Finale übertroffen. Der Rekord von 1994 in den USA ist allerdings unerreichbar: 68 604 Besucher pro Spiel sorgten für eine Gesamtzahl von 3,6 Mill. Zuschauern.

© SID

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