Die dunklen Machenschaften des Sepp Blatter
„Es muss Böses im Herzen der Fifa geben“

Der Fußball-Weltverband Fifa gilt als Brutstätte der Korruption. Präsident Sepp Blatter gibt sich mittlerweile eher als Staatsmann denn als Funktionär. Eine ARD-Doku beweist nun: Er hat ordentlich Dreck am Stecken.
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DüsseldorfFür viele Fans hat der Fußball-Weltverband Fifa schon lange nichts mehr mit Sport zu tun. Stattdessen wird auch der Präsident Sepp Blatter immer wieder mit Korruption und anderen illegalen Machenschaften in Verbindung gebracht. Die ARD-Doku „Der verkaufte Fußball“, die am Montagabend gesendet wurde, liefert nun die Beweise für das, was eigentlich schon lange klar war: Die Fifa ist eine Ausgeburt des Bösen.

In drei Wochen will sich der Präsident und Alleinherrscher Sepp Blatter zum fünften Mal wiederwählen lassen. Allein seine Kandidatur ist bereits ein Wortbruch: Bei seiner letzten Wahl vor vier Jahren kündigte der 79-Jährige an, nicht noch einmal antreten zu wollen.

Nun tut er es doch, und seine Wahl ist schon jetzt reine Formsache. Denn Blatter ist gut vernetzt, weltweit schulden ihm Verbandschefs Gefälligkeiten für hohe Spendengelder. So haben bereits alle 54 Vertreter der afrikanischen Verbände Sepp Blatter ihre Stimme versprochen – allein diese sind schon mehr, als er überhaupt zur Wiederwahl benötigen würde.

Die Fifa residiert in der Schweiz, als eingetragener, nicht profit-orientierter Verein ist sie dort steuerbefreit. Bei einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Auf „freiwilliger“ Basis zahlte die Fifa im Jahr 2013 dennoch eine Abgabe von 17 Millionen Franken. Anträge im Schweizer Parlament zur Abschaffung der Fifa-Steuerprivilegien scheitern regelmäßig.

Das eingenommene Geld wird gekonnt reinvestiert. Pro Jahr schüttet die Fifa eine Viertelmillion Euro an jeden Verband aus. Viel Geld für Länder wie Honduras oder Paraguay, durch die Blatter in den vergangenen Monaten für seinen „Wahlkampf“ getourt ist.

Auch sein Gegenkandidat Louis Figo ist bei den geschlossenen Veranstaltungen dabei. Wahlkampf ist jedoch ein ziemlich hohes Wort. Denn: Nur Blatter darf reden, nicht seine Kontrahenten. Dabei lässt sich Blatter wie ein Heiliger verehren. So nennt Osiris Guzman, Präsident des dominikanischen Fußballverbands, Blatter einen „Visionär“ und stellt ihn in eine Reihe mit Winston Churchill, dem Papst und (kein Scherz) Mutter Theresa.

Diese Form der Verehrung wird ihm in Europa nicht erst seit der Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 nach Katar eher weniger zu teil. Schon lange gab es einen Korruptionsverdacht rund um die Abstimmung durch die 22 Exekutivmitglieder im Dezember 2010. Die ARD-Doku liefert nun Beweise.

Denn: Phaedra Almajid, damals Mitglied im Bewerbungskomitee der Kataris, bricht ihr Schweigen. Katars Bewerbung wurde noch im Vorfeld der Abstimmung von einem Fifa-Prüfer als die schlechteste eingestuft, dennoch findet das Turnier 2022 nun dort statt. Im Winter, mit einem Finale am vierten Advent. Almajid berichtet von geheimen Treffen mit drei Fifa-Vorständen am Rande einer Fifa-Tagung in Luanda in Angola. Für 1,5 Millionen Dollar sollen diese ihre Stimmen an Katar verkauft haben. Die drei genannten Personen sind auch ohne diese Anschuldigungen bereits bekannte Größen, wenn es um Korruption geht.

Kommentare zu " Die dunklen Machenschaften des Sepp Blatter: „Es muss Böses im Herzen der Fifa geben“"

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  • "So haben bereits alle 54 Vertreter der afrikanischen Verbände Sepp Blatter ihre Stimme versprochen – allein diese sind schon mehr, als er überhaupt zur Wiederwahl benötigen würde"

    Es ist also anzunehmen, dass viel Geld nach Afrika fließt.
    Zurück (nach Europa) kommen "Flüchtlinge"

    Ob das Eine mit dem Anderen im Zusammenhang steht?

  • Der Kaiser hat keine Sklavenarbeiter in Katar gesehen. Dann ist doch alles im Lot.
    Die beste Loesung waere ein Welturnier zur gleichen Zeit unter Ausschluss der FIFA zu veranstalten. Die meisten Europaer muessten mitmachen, mit etwas Glueck auch noch Brasilien und Argentinien. Dann wuerde Katar niemanden mehr interessieren und die FIFA wuerde endlich im Muelleimer landen.

  • Solange Euopa nicht geschlossen solange die WM-Turniere boykottiert, bis es einen deutlichen Richtungs-Wechsel in der FIFA gibt, wird sich in der FIFA nichts ändern. Und die Europäer werden natürlich kein WM-Turnier boykottieren, weil sich die Funktionäre ja im Licht des Königs sonnen wollen und natürlich auch eine große Kelle aus dem Fleischtopf wollen.

    Fußball ist die Sport gewordene Verlogenheit!

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