Fußball
Die Geldmaschine Fifa

Wie der Weltfußballverband Fifa Milliarden einnimmt - und keineswegs nur zum Besten des Fußballs ausgibt. Ein Blick hinter die Kulissen eines ganz besonderen Vereins.
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ZÜRICH. Als Joseph S. (für Sepp) Blatter jüngst 70 wurde, war ihm das eigentlich gar nicht recht. "Ich bin der Meinung", verkündete der Präsident des Weltfußballverbands Fifa, "der 70. Geburtstag sollte für einen Menschen, insbesondere für einen Mann, keine große Bedeutung haben." Er wisse deshalb, so Blatter weiter, auch nicht, warum er seinen Geburtstag groß feiern sollte, "zumal ich mich noch nicht als 70-Jähriger fühle". Niemand sollte offenbar auf die Idee kommen, seine Zeit neige sich dem Ende zu: "Meine Aufgabe ist noch nicht beendet", sagt Blatter. Im nächsten Jahr will sich der Fußballsenior für eine dritte Amtszeit wiederwählen lassen.

Natürlich feierte Blatter dann doch - mit 370 handverlesenen Gästen im Swissôtel in Zürich-Oerlikon. Es gab Fondue und Raclette und ein helvetisches Buffet und eine Spezialität aus dem Rhône-Tal, der Heimat Blatters: Roastbeef vom Eringer-Rind, einem breitnackigen Typ, das die örtlichen Bauern zum Kampf gegeneinander antreten lassen. Blatter, selbst von kurzer, gedrungener Statur, einst Mittelstürmer bei seinem Heimatverein FC Visp, ist ein hartnäckiger Fighter. Er hat die Fifa zu einem mächtigen Wirtschaftsunternehmen aufgebaut, dabei keine Mittel und Wege gescheut und alle Anfeindungen überstanden.



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Die Fifa ist der Monopolist des Weltfußballs und Blatter sein unumschränkter Herrscher. Aber das reicht ihm nicht. Zum Schluss seiner Karriere, als krönenden Abschluss, will er sich auch als Kämpfer wider Armut und Not profilieren. Deshalb hat er die WM 2010 nach Südafrika geschafft. Deshalb verweist er so gern auf die Entwicklungshilfeprojekte der Fifa. Blatter arbeitet an seinem Bild in den Geschichtsbüchern. Er will nicht als Skandal-Sepp erinnert werden, nicht als Fußball-Diktator.

Das wird nicht leicht. Die Fifa trete als Besatzungsmacht auf, mosern deutsche Unternehmen und Politiker im Vorfeld der WM: In den Bannmeilen um die Stadien darf nicht einmal Milch ausgeschenkt werden, weil Coca-Cola Fifa-Sponsor ist, der US-Sportkonzern Nike darf auf dem Dach seiner Deutschland-Zentrale in der Nähe des Frankfurter Stadions sein Emblem nicht zeigen - nur, um Sponsor Adidas zu schützen. Doch selbst die Sponsoren dürfen nicht, wie sie wollen. Alles ist von der Fifa haarklein geregelt. Höchstens zehn mal zehn Meter groß darf der Stand der 15 Großsponsoren im "Fan Entertainment Village" vor den Stadien sein.

Höchstens 1000 Firmenbroschüren dürfen dort jeweils pro Spieltag verteilt werden.

Mit den großen Fußballproficlubs liegt Blatter im Clinch, weil er diese nicht an den Erlösen der WM teilhaben lassen will. Vereine wie Real Madrid, Juventus Turin und Bayern München fordern Millionen von der Fifa.

Kern des Krachs: Die Vereine wollen Geld aus Zürich, weil sie laut Fifa-Statuten den Nationalverbänden ihre hochbezahlten Profis kostenlos für Länderspiele und Veranstaltungen wie die WM überlassen müssen. Gleich drei Klagen gegen den Verband hat die G-14, eine Interessenvereinigung europäischer Spitzenclubs, eingereicht oder unterstützt sie massiv.

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