Die Lehren der EM

Die Gründe für die Torflaute

Durch den stärkeren Defensiv-Fokus der Teams bei der EM änderte sich das Spiel nach Ansicht von Experten deutlich. Die Torarmut bei der EM in Frankreich hat also taktischen Gründe – und auch Konsequenzen.
Gerade Julian Draxler und das DFB-Elf trafen bei der EM immer wieder auf ultradefensive Gegner. Quelle: dpa
Kein Durchkommen

Gerade Julian Draxler und das DFB-Elf trafen bei der EM immer wieder auf ultradefensive Gegner.

(Foto: dpa)

ParisGrößerer Fokus auf Defensive, mehr Tore nach Standards und ein Ein-Stürmer-System – diese Trends identifizieren Experten in ihrer Analyse der EM in Frankreich als stilprägend für den modernen Fußball. So führte die Ausweitung des Kontinentalturniers auf 24 Teams nach Ansicht der Technischen Kommission für die EM zu einer größeren taktischen Varianz, aber auch geringerer Risikobereitschaft. „Viel Arbeit wurde in defensive Strukturen investiert“, erklärte der frühere Bundesliga-Trainer Thomas Schaaf als Mitglied des Technikteams bei der Euro. „Der Angriff basierte auf einer gesicherten defensiven Organisation. Die Teams standen kompakt und rückten schnell wieder auf ihre Verteidigungspositionen.“

Die Europäische Fußball-Union veröffentlichte am Dienstag den Technischen Bericht für die erste EM mit 24 Teilnehmern in diesem Sommer in Frankreich. Bei der Euro war der Schnitt von 2,45 Toren pro Partie 2012 auf 2,12 gesunken. „Das Turnier hatte viele Spiele zwischen Teams, die offen spielten und solchen, die mit angezogener Handbremse antraten“, heißt es im Report.

Die weiteren Trends

Konter: Wegen des höheren Fokus auf eine geordnete Defensive verlieren Konterangriffe an Effektivität. Fielen 2008 noch 46 Prozent der Tore aus dem Spiel heraus nach Kontern, waren es 2012 nur noch 23 Prozent. Diese Zahl bestätigte sich 2016 – zudem wurden Konter vor allem in der Schlussphase der Partien erfolgreich abgeschlossen, wenn das zurückliegende Team voll auf Angriff setzte: So zum Beispiel bei Bastian Schweinsteigers 2:0 in der Vorrunde gegen die Ukraine.

Stürmer: Der Trend zum Ein-Stürmer-System setzt sich fort. 18 der 24 Trainer vertrauten auf ein System mit nur einer Spitze. Und auch deren Aufgabe ändert sich. „Wir haben viele gute Angreifer gesehen. Aber sie arbeiten hart für das Team anstelle in einer traditionellen Rolle des 'eigensinnigen Stürmers' zu agieren“, stellt der Report fest.

Lange Bälle: Nicht nur bei Bundestrainer Joachim Löw galt der weite Pass aus der Abwehr heraus lange als verpönt. Doch durch den großen Defensivfokus vieler Teams ist dies wieder ein probates Mittel. Alle 24 Teams spielten mindestens zehn Prozent ihrer Pässe über lange Distanz – vor vier Jahren lag noch ein Drittel der Mannschaften unter dieser Marke. Nur drei Teams spielten weniger lange Bälle als Deutschland (12 Prozent).

Flanken: Auch Flanken erleben eine Renaissance. Die Zahl der Hereingaben von der Seite erhöhte sich von 26 pro Partie auf 41. Dabei lag das deutsche Team mit knapp 30 über dem Schnitt, allerdings kam nur jede fünfte Flanke beim eigenen Mitspieler an. Nur sechs Mannschaften hatten eine schlechtere Quote.

Standards: Tore nach ruhenden Bällen werden im modernen Fußball ebenfalls immer wichtiger. Die Zahl der Treffer nach Standards stieg von 21 (2012) auf 30 Prozent, zudem fielen gleich 19 der wichtigen ersten Tore eines Spiels auf diese Weise.

„Ein heroischer Meister ohne Ronaldo“
„L'Équipe“, Frankreich
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„Niedergeschlagen. Die Geschichte wird sich nicht wiederholen. 32 Jahre nach der Krönung von Michel Platini bei der Euro 1984, 18 Jahre nach der Galavorstellung von Zinedine Zidane gegen Brasilien im WM-Finale, sind die Jungs von Didier Deschamps gestern gefallen gegen Portugiesen ohne Genie (...). Diesen Morgen erwacht Frankreich notgedrungen mit dem Gefühl der Verschwendung.“

„Le Parisien“
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„Das war nicht unser Tag. So grausam. 'Les Bleus' haben alles versucht, aber es wurde eine Sache der Verlängerung, die das Moment der Portugiesen bei dieser Euro geblieben ist. 'Les Bleus' haben wieder etwas Licht gebracht, aber sie bleiben in der Nacht. Portugal träumt jetzt vier Jahre lang.“

Sender BFMT auf seiner Homepage
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„Wenn das Szenario eine Spiels nicht geschrieben würden, würden wir doch seinen unabänderlichen Ausgang kennen. Auf dem Boden gibt es zwei Lager. Auf der einen Seite die Gewinner, voller ekstatischer Freude, so wie Cristiano Ronaldo (...) Und dann gibt es das Lager der Besiegten. An diesem Abend 'Les Bleus'“

„El Mundo Deportivo“, Spanien
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„Ein heroischer Meister ohne Ronaldo. Eders Tor in der zweiten Hälfte der Verlängerung sorgt für Gerechtigkeit aufgrund der konservativen Spielanlage der Heimmannschaft. Die Portugiesen wehrten sich wie Löwen. Ein Finale ohne fußballerischen Glanz wie über das ganze Turnier, es lebte von den Emotionen. Fernando Santos war mit seinen Wechseln mutiger als Didier Deschamps.“

„Marca“
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„Portugal, es ist kein Traum mehr. Ronaldo vergrößert seine Legende. Eder wurde zum portugiesischen Helden. Durch Ronaldos Verletzung verlor der Krieg einen General. Griezmanns Turnier hätte ein besseres Ende verdient. Frankreich war geizig in der Verlängerung und Portugal glaubte an sich selbst.“

„AS“
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„Maracanazo in St. Denis. Eine heroische portugiesische Nationalmannschaft, die die frühe Verletzung Ronaldos und das bessere Spiel Frankreichs überstand. Der Fußball ist so groß, dass er es erlaubt, dass so ein schlechtes Spiel immer in Erinnerung bleiben wird - wegen seiner Epik. Eder trägt Portugal in den Himmel und lässt Frankreich weinen.“

„Sport“
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„Das Finale lebte mehr von der Spannung als von gutem, attraktivem Fußball. Eder überschattete Ronaldo und Griezmann.“

  • dpa
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