Die verrückte italienische Presse
Grenzenloser Jubel bei den Tifosi

Die Azzurri hatten gerade im Viertelfinale der Weltmeisterschaft die Ukraine mit 3:0 besiegt, die italienischen Journalisten waren verzückt. So verzückt, dass manch einer seine Zuneigung körperlich zum Ausdruck brachte.

HAMBURG. Zum Schluss bekam der "man of the match" noch ein Küsschen. Wie ein stolzer Vater dem erfolgreichen Sohn schmatzte ein Bud Spencer-Verschnitt dem nur 1,77 Meter großen Gennaro Gattuso seine wulstigen Lippen auf die Stirn und drückte ihn ganz fest an seine breiten Schultern. Mittelfeldspieler Gattuso (AC Milan) lächelte ergeben.

Die Freude war berechtigt, der Kuss sicherlich etwas übertrieben. Doch so sind sie nun mal, die Tifosi. Denn viele italienische Fußballberichterstatter sind tief in ihren Herzen Fans. Reporter keiner anderen Nation verfolgen die Spiele ihrer Helden auf der Pressetribüne so emotional. Da wird gebrüllt, geschimpft, aufgesprungen und gejubelt. Fußball ist in Italien eben mehr als nur ein Spiel.

Nun stehen sie im Halbfinale, die Italiener. Ausgerechnet gegen Deutschland, den Gastgeber. Ob das nicht ein Nachteil für die Italiener sei, angesichts der Euphorie um die deutsche Mannschaft, fragten die Tifosi-Journalisten. "Ach wissen Sie", sagte Gattuso, "die Fans spielen eine große Rolle. Aber auf dem Rasen vergisst man sie. Sie sind nur Zuschauer, man konzentriert sich ganz auf den Gegner." Das gefiel den italienischen Schreibern, die eifrig nickten und kritzelten.

Es war Gattusos Selbstvertrauen, dass die Journalisten beeindruckte. Sie hatten mehr Respekt vor Deutschland erwartet, schließlich hatten sie den nach dem Viertelfinale der Klinsmann-Elf gegen Argentinien selbst. Und so fragten sie Gattuso, ob er denn das Spiel der Deutschen nicht gesehen habe. "Ein wenig", antwortet Gattuso, "ich war im Badezimmer als das Elfmeterschießen war." - "Sie waren im Badezimmer?", kam prompt die ungläubige Nachfrage. "Ja, ich habe geduscht", sagte Gattuso, als ob es das selbstverständlichste der Welt sei.

Die Botschaft der Dusche war klar: Egal wer im Halbfinale kommen mag - wir, die Italiener, sind stark genug, jeden Gegner zu schlagen. "Wir haben das Halbfinale erreicht, aber das ist nicht unser Ziel. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns", sagte der Mittelfeldspieler denn auch. "Viele unserer Spieler haben eine große internationale Erfahrung. Die Deutschen sind uns nicht überlegen."

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