Die Wiederholung von 1998
Umstrittener Ronaldo ist diesmal gesetzt

Vor acht Jahren begegneten sich Brasilien und Frankreich zuletzt in einem WM-Spiel. Damals gab es Diskussionen um den Einsatz von Ronaldo. Auch diesmal ist der Star umstritten, soll aber im Viertelfinale auflaufen.

Es ist nun acht Jahre her, dass sich Brasilien und Frankreich im WM-Finale in Paris gegenüberstanden. Das Geheimnis um Ronaldos Kreislauf-Zusammenbruch kurz vor Spielbeginn ist noch nicht gelüftet, die Verschwörungstheorien nach dem 0:3 der Brasilianer gegen den damaligen WM-Gastgeber sind noch nicht widerlegt. Zu dürftig sind die Erklärungsversuche mit emotional bedingtem Stress als Auslöser für den Kollaps.

Rückblende 12. Juli 1998: Es ist kurz nach zwölf Uhr. Die Spieler haben sich nach dem Mittagessen zurückgezogen. Plötzlich windet sich Ronaldo unter Starrkrämpfen, Zimmerkollege Roberto Carlos ruft den Teamarzt, Verteidiger Cesar Sampaio glaubt an Atemnot und zieht dem damals 21-Jährigen die Zunge aus dem Rachen.

Nach wenigen Minuten ist der Anfall vorbei, kreidebleich sitzt Ronaldo auf der Bettkante, ist kaum ansprechbar. Dr. Lidio Toledo fährt mit dem Angreifer in ein Pariser Krankenhaus. Nationaltrainer Mario Zagallo gibt an, erst später davon erfahren zu haben.

Die Verwirrung setzt sich auch im Stade de France fort. Pressesprecher Nelson Borges verteilt die erste Mannschaftsaufstellung. Ronaldos Name fehlt, Edmundo steht an seiner Stelle. Nur wenig später macht ein zweites Papier die Runde. Diesmal taucht Ronaldo auf.

Der brasilianische Radioreporter Roberto Carmona erinnert sich: "Wir hatten damals schon unsere Arbeitsplätze aufgesucht, als plötzlich der dritte Torhüter die Stufen hoch gestürmt kam." Gilmar Rinaldi war auf dem Weg in die Loge von Ricardo Teixeira. Zagallo hatte nach dem Präsidenten des brasilianischen Verbandes CBF rufen lassen.

Der Selecao-Coach stand vor einer schwierigen Entscheidung, denn Ronaldo war ohne Befund aus dem Krankenhaus zurückgekehrt und forderte vehement seinen Einsatz. In der Umkleidekabine war auch ein Vertreter des Ausrüsters, bei dem Ronaldo und die Selecao als Zugpferde unter Vertrag standen - was anschließend zu wilden Spekulationen führte. CBF-Boss Teixeira überließ Zagallo die Verantwortung, und dieser stellte seinen jungen Star auf.

Was dann folgte, konnte jeder mit eigenen Augen sehen. Zinedine Zidane führte bei der Equipe Tricolore meisterhaft Regie. Die Apathie Ronaldos schien auch seine Teamkollegen zu lähmen, die nie zu einer Reaktion fähig waren und sich beim 0:3 dem Schicksal nahezu ohne Gegenwehr hingaben.

"Wir hatten uns im Halbfinale körperlich und mental verausgabt. Da war nichts mehr für das Endspiel übrig", erinnert sich Torhüter Claudio Taffarel. Für Zagallo war Frankreich an diesem Tag einfach besser. "Mit einem gesunden Ronaldo wäre das Spiel sicher anders gelaufen. Ob das Ergebnis aber ein anderes gewesen wäre, das bezweifle ich", so der "Alte Wolf".

© SID

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