Die WM-Ausrüster
Alles im grünen Bereich

Die Firma Büchner Fertigrasen verlegt den Rasen in fünf der zwölf WM-Stadien. Die Ansprüche an den Untergrund sind hoch: Alleine grün sein reicht da schon lange nicht mehr.

FRANKFURT. Frankfurter Waldstadion, Mittwoch, 3. Juli 1974, Fritz-Walter-Wetter. Deutschland trifft im letzten Spiel der WM-Zwischenrunde auf die favorisierte polnische Mannschaft. Gerd Müller trifft in der 76. Minute zum 1:0. Aquaplaning schlägt Spielkultur. Deutschland steht im Finale und der Rasen im Stadion ist hinüber. Thomas Büchner ist elf Jahre alt, als sein Vater nach dem Spiel den Auftrag erhält, einen neuen Rasen im Waldstadion zu verlegen.

Commerzbank-Arena in Frankfurt, Samstag, 20. Mai 2006. "Zum Glück ist die Arena heute überdacht", sagt Thomas Büchner. Draußen legt sich ein Gewitter über das Stadion. Regen wäre Gift für den Zeitplan, sagt Büchner. Frankfurt ist das letzte der fünf WM-Stadien, in denen die Firma Büchner ihr Produkt ausrollen darf. Von der Fifa hat Büchner den Auftrag bekommen, den WM-Rasen in Nürnberg, Stuttgart, Kaiserslautern, München und in Frankfurt zu verlegen. Zehn Tage hat er dafür Zeit. Morgen muss alles fertig sein.

Der Regen prasselt unaufhörlich hernieder, peitscht auf das Dach, das vor einem Jahr beim Confed-Cup noch undicht war. Immer wieder greift sich die Verlegemaschine eine der 400 Kilogramm schweren Rasenrollen, die aussehen wie riesige Stoffballen und überall im Stadion verteilt sind. 22 Lkw brauchte Büchner, um sie in den Frankfurter Riederwald zu transportieren. Wie eine Papierschlange rollt die Maschine die 1,20 Meter und 18 Meter langen Bahnen aus. Die Viererbereifung plättet die verlegten Stücke sogleich in den Sandboden.



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Es duftet nach frisch gemähtem Gras. Wenn der Rasen im Stadion ankommt, haben ihn Büchners Mitarbeiter schon 70 bis 80 Mal geschoren. Exakt 28 Millimeter dürfen die Halme lang sein. Mit Harke und Schaufel bessern seine Leute den Teppich dort aus, wo die Rollbahnen nicht richtig sitzen. So wie immer, für sie mache es keinen Unterschied, ob es für einen Vorgarten oder ein WM-Stadion bestimmt ist. "Ok", sagt Domenico, "fast keinen". In Kaiserslautern hätten sie sich besonders Mühe gegeben. Dort hat er sogar einen Glücks-Cent am Mittelkreis vergraben. Domenico ist Italiener und Italien spielt am 17. Juli in Kaiserslautern gegen die USA und wahrscheinlich auch im Achtelfinale.

Vielleicht hat sich Domenico gedacht, bekommt der Rasen so einen Charakter. Denn das ist es, was das WM-Organisationskomitee in den zwölf WM-Stadien vorfinden möchte. Einen "Charakterrasen", das ist der Wunsch von Engelbert Lehmacher, Landschaftsarchitekt aus Osnabrück und Mitglied des Rasenkompetenzteam des OK. Wieselrispe und deutsches Weidelgras sind so etwas wie die Hauptcharaktereigenschaften des WM-Rasens. Für die Schönheit ist ein Viertel Weidelgras (Lolium perenne) zuständig. Doch der Star ist die Wieselrispe (Poa pratensis). Ein Vergleich mit den Tugenden der deutschen Nationalmannschaft ist dabei nicht abwegig, mindestens drei Viertel Wieselrispe sorgt für den Zusammenhalt des Grüns. Kompakt und ausdauernd muss es sein. Schärfest und krankheitsresistent. Und Wasser darf ihm nichts ausmachen, zumindest nicht so viel wie bei der Wasserschlacht von 1974.

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