Dieter Kürten wird 80
Der Mann mit dem Schimpansen

375 Mal hat Dieter Kürten das „Sportstudio“ moderiert – und kann sich selbst mit 80 Jahren eine Rückkehr vorstellen. Seine wohl bekannteste Moderation hatte allerdings nichts mit Sport zu tun.
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Wiesbaden/MainzIn einem längeren Gespräch mit Dieter Kürten wird früher oder später ein Schimpanse ein Thema. Die Szene aus der ZDF-Sendung „das aktuelle Sportstudio“ von 1971, in dem er Gastgeber war, ist regelmäßig in TV-Rückblicken als Kuriosum zu sehen.

Kürten hat schon zigfach erzählen müssen, wie das damals war, als ein Affe vor laufenden Kameras der Frau des „Tarzan“-Darstellers Johnny Weissmüller die Perücke vom Kopf mopste. Er spricht aber immer noch gerne davon. „Sie saß da wie eine Prinzessin mit Pelzmantel und hochtoupiertem Haar. Ich höre mich selbst ständig sagen „Ach gnädige Frau, ach gnädige Frau, das macht doch nichts“.“ Er lacht. Unterhalter von Herzen ist der Sportjournalist geblieben. Am Donnerstag (23. April) feiert Kürten, der satte 375 Mal das „Sportstudio“ im Zweiten moderierte, seinen 80. Geburtstag.

Kürten ist charmant. Dass er eine Frage mal brüsk abbügeln könnte, ist kaum denkbar. Dabei gibt es viel mehr zu besprechen als die Haare von Weissmüllers Frau. 2011 war er mit einem Herzinfarkt auf der Straße in seinem Wohnort Wiesbaden umgekippt. Eine Altenpflegerin rettete ihm mit Wiederbelebungsmaßnahmen das Leben. Heute gehe es ihm glücklicherweise wieder viel besser, sagt Kürten. Monate später sei er wieder der Alte gewesen. „Und jetzt bin ich der Uralte.“ Er kokettiert immer noch gerne.

Kürten ist für das Sportfernsehen das, wofür das Wort „Grandseigneur“ einst seinen Weg in die deutsche Sprache fand. Ein Fragensteller mit geschliffenen Umgangsformen, stets gut gekleidet, der viel aus seinen Gästen herausbekam, ohne dabei aufdringlich zu wirken. „Wim Thoelke hat mir damals gesagt: Sie haben eine besondere Art Leute auszufragen, lassen sie sich die nicht ausreden“, erzählt Kürten. „Das habe ich auch gemacht, selbst wenn mich Kritiker mal als zu weich bezeichneten.“

1963 bekam der gelernte Speditionskaufmann aus Duisburg, der sich dann doch für den Journalismus und einen Job beim Düsseldorfer „Mittag“ entschieden hatte, den Tipp, zum entstehenden ZDF zu gehen. „Da war noch ein Löchlein frei zum Reinschlüpfen - im Sport.“

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