Dietmar Hopp über Fußball „Zur Motivation reichen Teamgeist und Leberwurst“

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Ziel: 2016/17 auf grüner Wiese
Die unbekannten Milliardäre hinter den Fußballklubs
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Als ihr Vater Markus im August 2010 überraschend starb, erbte Katharina Liebherr neben viel Geld auch den englischen Fußballclub FC Southampton. Erst ein Jahr zuvor hatte der Milliardär und Fußballliebhaber den gerade pleitegegangenen Traditionsverein für knapp 13 Millionen Euro aufgekauft. Damals dümpelte der Klub noch in der dritten Liga. In Windeseile erholte sich der FC und stieg vor der aktuellen Saison sogar wieder in die Premier League auf. Nach einem guten Saisonstart träumten die Fans bereits von der Champions League. Nun kommt allerdings Unruhe von einer Seite, die niemand so recht erwartet hatte. Katharina Liebherr meldet plötzlich Kontrollansprüche an, ihre Rolle als stille Besitzerin ist ihr offensichtlich nicht mehr gut genug.

huGO-BildID: 34669025 (FILES) In this file picture taken on October 10, 2013 Italian banker and Executive Chairman of Southampton Football Club, Nico
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Vater Markus setzte direkt nach der Übernahme den italienischen Banker Nicola Cortese (Foto) an die Spitze des operativen Geschäfts. Unter seiner Führung entwickelte sich der einstige Krisenklub zu einem geschätzten Ausbildungsverein für englische Talente – in England ist dies heute ein gefühltes Alleinstellungsmerkmal. Im vergangenen Juli allerdings, im Sommertrainingslager des Klubs am Wörthersee, trat plötzlich Katharina Liebherr auf den Plan. Sie wollte plötzlich ins Tagesgeschäft des Vereins einsteigen. Bis dahin zeigte Liebherr weder ein besonderes Interesse am Klub als auch am ganzen Fußballsport an sich. Vom ersten Tag an war das Verhältnis zwischen Cortese und der Eigentümerin angespannt – die beiden hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen über die Ausrichtung des Vereins. Nach weiteren Differenzen ist Cortese nun zurückgetreten. Das bringt den gesamten Verein ins wanken. Cheftrainer Mauricio Pochettino hatte seine Zukunft bereits vor Monaten an den Verbleib von Cortese geknüpft. Wochenlang haben Fans jeden Tag mit dem Rückzug ihres Erfolgscoaches gerechnet. Doch auf einer Pressekonferenz hat Pochettino schließlich angekündigt, dem Verein treu bleiben zu wollen.

Montage von Liebherr-Kranen im Seehafen Rostock
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Katharina Liebherr ist trotz ihres Vermögens von knapp drei Milliarden Euro selbst in ihrem Schweizer Heimatland eher unbekannt. Ihr Vater, Markus Liebherr, war einer von fünf Geschwistern, die das 1949 gegründete Unternehmen in den 80er Jahren in zweiter Generation übernahmen. Als er sich später vom familieneigenen Betrieb löste, gründete er im Jahr 2000 die auf Einspritz- und Antriebstechnik spezialisierte Mali-Holding.

Liebherr, einem der weltweit führenden Hersteller von Kränen, Baufahrzeugen, Werkzeugmaschinen und Kühlschränken, gehören auch sechs Hotels in Österreich, Irland und Deutschland. Im Ranking der 300 reichsten Schweizer Familien belegt die Dynastie Liebherr Platz 16. Die Großfamilie soll über ein Vermögen von 7,5 Milliarden Franken verfügen.

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Nun zittern die Fans des FC Southampton um die Zukunft des Vereins. Englische Talente wie Luke Shaw, Calum Chambers und James Ward-Prowse aus der neu aufgebauten Jugendakademie unterschrieben trotz besserer Angebote von Topvereinen beim FC Southampton. Das lag vor allem an der Überzeugungskraft des Gespanns Cortese/Pochettino. Zusätzlich fährt der Verein seit Jahren ein Minus ein. Grund genug für die Anhänger zu glauben, dass Katharina Liebherr nun plant, sich ihr Geld zurückzuholen – indem sie entweder Spieler oder direkt den ganzen Verein verkauft. Solche Pläne dementiert Liebherr aber noch. Derzeit sucht sie einen Nachfolger für Cortese – bis dahin steht sie mit der Leitung des Klubs alleine da. Für Aufsehen sorgte auch Liebherrs Entscheidung, den ehemaligen Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft, Ralph Krueger, in die Clubführung zu heben. Um die Aufregung zu legen, wandte sich Katharina Liebherr nun mit einem offenen Brief an die Fans ihres Klubs, in dem sie Spielerverkäufe ausschloss. Die Unruhe in und um den Klub geht dennoch weiter.

Der FC Southampton ist bei weitem nicht der einzige Klub, bei dem der Besitzer, oftmals vorher nicht durch große Fußball-Affinität aufgefallen, mit für Wirbel sorgt. Diese Vereine sind auch noch in Investoren-Hand...

US-Investor KKR steigt bei Hertha BSC ein
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Seit letzter Woche laufen die Uhren bei Hertha BSC anders. Der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) hat sich mit 61,2 Millionen Euro bei dem Traditionsverein beteiligt. Das sichert dem Unternehmen zunächst 9,7 Prozent der Klubanteile – die aber durchaus noch auf bis zu 30 Prozent ausgebaut werden könnten. Mit dem Geld kann der Hauptstadtklub, seit Jahren chronisch klamm, seine Schulden in Höhe von circa 37 Millionen Euro zurückzahlen. Auch Stars wie der Stürmer Adrian Ramos könnten mit dem frischen Geld nun wider Erwarten auch über den Sommer hinaus gehalten werden.

Pressekonferenz Hertha BSC
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Auch wenn Herthas Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller (Foto) die Zukunft des Vereins nun in bunte Farben ausmalt und von einer „bahnbrechende Vereinbarung“ spricht – nicht alle Fans wollen dem Braten trauen. Zu groß ist noch die Unsicherheit, wie sich die Beteiligung von KKR auf den Verein auswirkt. Noch hat das Unternehmen, trotz einem Platz im Aufsichtsrat, keinen wirklichen Einfluss auf das Tagesgeschäft. Dennoch darf davon ausgegangen werden, dass die Millionen des Unternehmens keine Spende sind, sondern eine Investition, die sich irgendwann bezahlt machen muss.

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Die Geschäfte der Profifußballabteilung des TSV 1860 München seit 2002 durch die aus dem Gesamtverein ausgegliederte TSV München von 1860 GmbH & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien geführt. 3,9 der 6,5 Millionen Vereins-Aktien gehören der HAM International Limited des jordanischen Geschäftsmanns Hasan Ismaik (l.). Seit seinem Einstieg 2011 hat der jordanische Geschäftsmann den Verein mächtig durcheinander gewirbelt. Zuletzt wollte er unbedingt den schwedischen Startrainer Sven-Göran Eriksson in München installieren – allerdings ohne Erfolg.

Zwar sehe er das Problem, dass Fußball von Mateschitz als Werbevehikel genutzt wird, „aber ich unterscheide bei den Engagements nicht nach den Beweggründen der Mäzene. Wir leben nun mal in einer Marktwirtschaft. Und dazu gehört auch Marketing.“

Hopps Fazit: „Man kann den Fußball nicht so lupenrein halten, wie es sich manche Kritiker wünschen würden.“ Nichtsdestotrotz weiß der SAP-Mitbegründer, wie dieser Sport seine Unschuld bewahren könnte. Denn unter Unschuld versteht Hopp: „Dass es eben nicht ums Geld geht. Dass zur Motivation Mannschaftsgeist reicht oder eine Dose Leberwurst.“

Nach eigenen Angaben hat der 74-Jährige mittlerweile rund 250 Millionen Euro in den Klub seiner Jugend gesteckt. In zwei, drei Jahren soll sich Hoffenheim selbst tragen: „Ich hoffe, dass wir im Jahr 2016/2017 finanziell auf der grünen Wiese stehen werden“, sagte Hopp, der im Handelsblatt bekräftigte: „Ich habe immer gesagt, dass der Club unabhängig werden muss von mir.“

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