Dilemma der Franken ist die dünne Personaldecke
Schwere Zeiten in Nürnberg

Der Trainerstuhl beim 1. FC Nürnberg ist nur noch ein Schleudersitz, der jeden Moment ausgelöst werden kann. Nach der 1:4 (1:3)-Niederlage im Kellerduell beim FSV Mainz 05 wusste Wolfgang Wolf, was die Stunde geschlagen hat.

dpa MAINZ. „Es brechen schwere Zeiten an, für mich und die Mannschaft. Dieses Ergebnis ist keine Bewerbung, mich länger im Amt zu lassen. Das werden heiße Tage, keine Frage“, sagte der Trainer des Tabellenletzten.

Zwar stellte sich Nürnbergs Sportdirektor Martin Bader direkt nach dem Schlusspfiff vor den Coach („Ich gehe davon aus, dass er am Sonntag gegen den VfB Stuttgart auf der Bank sitzt“), doch Präsident Michael A. Roth ging auf Distanz. „Dass der Trainer bis zur Winterpause bleibt, habe ich nie gesagt“, verkündete Roth, der das Stadion eine Viertelstunde vor dem Abpfiff mit hochrotem Kopf verlassen und wutentbrannt im Wohnmobil die Heimreise angetreten hatte.

Wolf kennt die Gesetze der Branche und geht entsprechend damit um. „Wenn Herr Roth der Meinung ist, dass das Thema durch ist, müssen wir uns zusammen setzen. So lange ich hier Verantwortung trage, gebe ich nicht auf. Ich werde nicht von mir aus zurücktreten“, erklärte der enttäuschte „Club“-Trainer. Der 48-Jährige ist trotz der anhaltenden Talfahrt immer noch davon überzeugt, die sportliche Krise gemeinsam mit den völlig verunsicherten Profis lösen zu können. „Das Team ist nicht auseinander gefallen, es funktioniert. Ich habe nicht das Gefühl, ein Problem mit der Mannschaft zu haben“, stellte Wolf fest.

Die haarsträubenden individuellen Fehler ließen allerdings auch den Coach verzweifeln. Die Mainzer Führung besorgte Nürnbergs Verteidiger Thomas Paulus (9. Minute) mit einem Schuss ins eigene Tor, vor dem 2:0 ließ sich Andreas Wolf wie ein Anfänger vom Torschützen Benjamin Auer (11.) düpieren und beim 3:1 durch einen Kunstschuss von Antonio da Silva (45.) aus 40 Metern patzte Torwart Raphael Schäfer. „Die Abwehrfehler ziehen sich wie ein roter Faden durch die Saison“, kritisierte Wolf.

Der fünfte Saison-Treffer von Stefan Kießling (14.) zum Anschluss und der Schlusspunkt durch Michael Thurk (52.) vor 20 300 Zuschauern am ausverkauften Bruchweg hatten am Ende nur statistischen Wert. „Was derzeit abläuft, ist deprimierend. Die Niederlage tut sehr weh“, sagte Wolf.

Das Dilemma der Franken ist die dünne Personaldecke, die Wolf kaum Alternativen bietet. „Wir müssen mit den jungen Spielern weiterarbeiten und dürfen sie jetzt nicht verdammen“, sagte der Coach. Die „Club“-Führung drängt hingegen auf eine härtere Gangart. „Die schützende Hand muss weg. Wir werden Tacheles reden“, kündigte Sportdirektor Bader eine Aussprache an und erhöhte zugleich den Druck auf Wolf: „Jetzt müssen Ergebnisse kommen.“

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