Dokumentation
Begründung des Ticket-Urteils im Wortlaut

Das Amtsgericht Frankfurt hat am Donnerstag entschieden, dass in einem Einzelfall von einem Fußball-Fan aus Essen bei einem Internet-Auktionshaus ersteigerte Karten für die Weltmeisterschaft vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und seinem Organisationskomitee übertragen werden müssen. Die Urteilsbegründung im Wortlaut.

"Erst seit dem 27.03 2006 besteht eine Internet-Plattform der Beklagten, auf der Personen, die gebuchte Veranstaltungen nicht selbst besuchen wollen oder können, ihre Tickets entweder an Dritte veräußern lassen oder auf von ihnen benannte Personen übertragen lassen können. Auf diese Möglichkeit wurde erst hingewiesen, nachdem der Kläger die Tickets bereits erworben hatte.

Es (das Gericht) hat die möglichen Gründe für eine Veräußerung der Tickets - etwa Erkrankung oder sonstige Verhinderung, Erlangung besserer Karten durch ein Gewinnspiel, mögliche finanzielle Engpässe oder sonstigen Wegfall des Interesses an dem gebuchten Spiel - erwogen und auch die lange Zeit zwischen dem Ticketerwerb (hier: Erwerb durch den ursprünglichen Ticketinhaber im April 2005) und den Spielen berücksichtigt.

Als Interessen der Beklagten hat das Gericht neben dem Fernhalten von Hooligans auch das Interesse an der Bekämpfung eines Schwarzmarkthandels anerkannt und berücksichtigt.

Da der Inhaber eines Tickets vor der Bekanntgabe und Einrichtung der Internet-Plattform in den Fällen des Vorliegens von Gründen für eine Veräußerung der Tickets seine Ansprüche völlig verlieren würde, sah das Gericht allein in dem Interesse an der Bekämpfung des Schwarzmarktes keinen ausreichenden Grund für eine Versagung der Zustimmung zur Übertragung der Tickets auf den Kläger.

Der von dem Kläger gezahlte höhere Preis spielte dabei für die Abwägung des Gerichts keine Rolle, da weder die Allgemeinen Geschäftsbedingungen noch die Ticket-Verkaufsrichtlinien der Beklagten eine Klarstellung dahingehend enthalten, dass die Zustimmung zur Übertragung dann verweigert werde, wenn die Tickets zu einem höheren als dem Ursprungspreis veräußert werden.

Die Entscheidung des Amtsgerichts Frankfurt am Main bedeutet nicht, dass der DFB generell der Übertragung von Tickets, die über Auktionen oder auf sonstige Weise erworben wurden zustimmen muss. Die Entscheidung bezieht sich auf den Fall des Erwerbs eines Tickets zu einem Zeitpunkt, in dem noch nicht bekannt war, dass die Möglichkeit bestehen werde, Tickets über eine Internet-Plattform zu veräußern oder zu übertragen.

Die Entscheidung hat Wirkung nur für die Parteien des vorliegenden Verfahrens und nicht über dieses Verfahren hinaus. Gegen die Entscheidung ist das Rechtsmittel der Berufung möglich."

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