Domain gegen Freibier: Grundig zahlt Nürnberg-Fans aus

Domain gegen Freibier
Grundig zahlt Nürnberg-Fans aus

Stolz verkündet Grundig, die Namensrechte am Stadion des 1. FC Nürnbergs erworben zu haben. Doch die Internet-Domain des neuen Stadionnamens hatten sich bereits Fans gesichert. Sie forderten Bier – und eine gute Tat.
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Köln„Traditionsmarke trifft Traditionsverein“ – das verkündete der 1. FC Nürnberg am Donnerstag stolz auf seiner Homepage. Pünktlich zum Valentinstag teilte der Fußball-Erstligist mit, den Unterhaltungselektronikkonzern Grundig als Namenspartner für das Stadion gewonnen zu haben. Vier Jahre lang wird der „Club“ seine Spiele von nun an im „Grundig Stadion“ austragen. Seit vergangenem Sommer war das traditionsreiche Frankenstadion und zwischenzeitliche „Easy-Credit-Stadion“ ohne Namen – und die Nürnberger auf der Suche nach einem Sponsor.

Vor lauter Freude über die neue Verbindung zwischen den Traditionsmarken entging den Verantwortlichen offenbar etwas: Die direkte Domain www.grundig-stadion.de lag während der Verhandlungen noch brach. „Das haben wir ein bisschen verpennt“, räumt Alfred Diesner, Geschäftsführer der Stadion Nürnberg Betriebs-GmbH ein. Kaum sickerten am Mittwochabend Gerüchte über den möglichen Deal durch, schlugen daher Mitglieder des 1.FCN-Fanclubs „Clubszene Monaco“ zu – und buchten die Adresse. „Ein Mitglied hat sich die Domain aus Spaß gesichert. Wir haben dann relativ schnell den Scoop erkannt und eine virale Aktion gestartet“, sagte ein Mitglied des Fanclubs Handelsblatt Online.

Ihre Forderungen schrieben die Mitglieder groß auf die Homepage: „Ihr wollt das Grundig-Stadion? Wir wollen eine angemessene Belohnung in Form von reichlich Bier, dann könnt ihr diese Domain haben!“ Später wurde das noch um den Wunsch nach einer Spende für einen Hilfsverein ergänzt, der schon lange von verschiedenen Nürnberger Fanclubs unterstützt wird.

Eigentlich hätte der Namensdeal einige unruhige Monate in der Nürnberger Fußballwelt abschließen sollen. Als möglicher Namensgeber für das 50.000-Zuschauer-Stadion war zwischenzeitlich unter anderem der LKW-Hersteller MAN gehandelt worden. Vorher war die Initiative einiger Fans gescheitert, auf einen kommerziellen Namenssponsor ganz zu verzichten – und dafür höhere Eintrittspreise zu akzeptieren.

So wollten sie durchsetzen, dass das Stadion nach der Nürnberger Fußball-Legende Max Morlock benannt wurde. „Wir haben lange für das Max-Morlock-Stadion gekämpft“, sagte einer der Initiatoren der Domain-Kaperung, „aber mir ist auch bewusst, dass dieses Projekt nicht zu realisieren ist.“ Mit dem Namen Grundig, so der Initiator weiter, würden die Leute wenigstens Nürnberg verbinden.

Bei Grundig selbst, das 2003 Insolvenz anmelden musste und seit 2004 zum türkischen Konzern Arçelik gehört, nahm man die Störung mit Humor. „Wir haben herzlich lachen können“, versicherte eine Sprecherin. Stadion-Geschäftsführer Alfred Diesner konnte dann auch in entspannter Atmosphäre um die Rückgabe der Domain verhandeln. „Da wollte sich keiner groß bereichern, das war eine spaßige Attacke“, sagte er.

Am Freitagnachmittag nahm das Tauziehen um die Domain dann ein gutgelauntes Ende. Die Kulmbacher Brauerei, ein weiterer Sponsor des 1. FC Nürnbergs, stellt 20 Kästen Bier für den Fanclub. Außerdem gehen zehn Prozent der Einnahmen aus den Stadionführungen dieses Jahres an den Hilfsverein. Die formale Übergabe von Bier und Domain soll in den nächsten Wochen stattfinden.

Die Initiatoren sind zufrieden mit dem Ausgang. „Wir wollten es auf der humorigen Schiene durchführen, weil es sonst womöglich rechtliche Konsequenzen gegeben hätte“, sagte ein Mitglied des Fanclubs, „also haben wir uns für Bier entschieden, weil wir doch sehr durstig sind.“

Manuel Heckel
Manuel Heckel
Pressebüro JP4

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