Doping in der Bundesliga
Mayer-Vorfelder war über Arzneien informiert

Gerhard Mayer-Vorfelder soll über Arzneimittel-Lieferungen an die Stuttgarter informiert gewesen sein: Er hatte Absprachen mit dem umstrittenen Sportmediziner Armin Klümper getroffen, Doping jedoch ausgeschlossen.
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StuttgartIn der Doping-Affäre der Fußball-Bundesliga soll der damalige Stuttgarter Vereinspräsident Gerhard Mayer-Vorfelder angeblich Kenntnis über Medikamenten-Lieferungen des früheren Freiburger Sportmediziners Armin Klümper an den VfB gehabt haben.

Dies berichtete der Südwestrundfunk (SWR) am Montagabend und bezog sich dabei auf Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Freiburg. Demnach habe Mayer-Vorfelder bei einer Vernehmung durch das Landeskriminalamt in den 80er Jahren Absprachen mit Klümper bestätigt.

Mayer-Vorfelders Name soll auch auf Arznei-Rechnungen auftauchen. Allerdings soll es ihm dem Vernehmungsprotokoll nach wichtig gewesen sein, dass es sich bei den Lieferungen nicht um Doping-Mittel handelte. Der damalige Physiotherapeut François Caneri habe ihm das auch so versichert.

Mayer-Vorfelder war trotz mehrmaliger Versuche nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. „MV“, wie der heute 82-Jährige gemeinhin genannt wird, war von 1975 bis 2000 Präsident des VfB. Klümper lebt mittlerweile sehr zurückgezogen in Südafrika. Der VfB hat sich von möglichen Doping-Praktiken klar distanziert.

Einem Bericht der Freiburger Evaluierungskommission zufolge sollen der VfB Stuttgart und SC Freiburg in den späten 70er und frühen 80er Jahren in unterschiedlichem Rahmen Anabolika-Doping betrieben haben.

Als potenzielle Schlüsselfigur soll Klümper gegolten haben. Der heute 79-Jährige war zwar nie offizieller Mannschaftsarzt des VfB, zwischen 1978 und 1981 soll er aber die Stuttgarter mit Verbandsmaterial und Medikamenten im Wert von mehr als 117.000 Mark beliefert haben. Klümper soll seine Lieferungen dem SWR zufolge nach Rücksprache mit „MV“ über die Geschäftsstelle des VfB abgerechnet haben.

Nach Recherchen des Senders verdichten sich demnach die Hinweise auf mögliches Doping beim VfB. In Unterlagen der Staatsanwaltschaft lassen sich angeblich zahlreiche handschriftliche Rechnungen Klümpers an den Verein finden, auf denen auch Dopingmittel wie etwa das Anabolikum Megagrisevit aufgelistet sein sollen. Dieses soll zum Beispiel im Juni und Oktober 1978, im Mai 1979 sowie im November 1980 an den Bundesligisten geliefert worden sein; außerdem am 12. Februar 1981 auch die illegalen Substanzen Primobolan und Testoviron.

Die fragwürdigen Medikamente aus Freiburg sollen zu Händen des damaligen Physiotherapeuten Caneri gegangen sein. In den Akten lassen sich dem SWR zufolge Lieferscheine finden, die seinen Namen tragen. Nach Angaben des Senders habe Caneri zu den Vorwürfen gesagt, dass er nicht gewusst habe, dass auch Doping-Substanzen darunter waren. Er sei schließlich Physiotherapeut und kein Arzt.

Caneri war von 1976 bis 1982 beim VfB angestellt und begleitete Spieler auch in Klümpers frühere Praxis in Freiburg. Den „Stuttgarter Nachrichten“ hatte Caneri vor Kurzem gesagt: „Doping hat es beim VfB nicht gegeben – das hätte ich gewusst.“

Die brisanten Unterlagen, auf die sich der SWR bezog, befinden sich seit Ende 2014 im Staatsarchiv Freiburg. Es handelt sich dabei um Akten zum 1984 eröffneten und 1989 mit einer Geldstrafe abgeschlossenen Strafverfahren wegen Abrechnungsbetrugs gegen Klümper. Die Staatsanwaltschaft Freiburg erklärte jüngst, dass sie zum Inhalt der Schriftstücke nichts sagen könne, da die Unterlagen nicht mehr in ihrem Besitz seien.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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