Doris Fitschen
„Frauenfußball ist noch kein Selbstläufer“

Wie viel Optimismus braucht eine Fußballerin? Doris Fitschen, Managerin der Nationalelf, spricht im Interview über Psychologie im Sport, Terror-Angst und ihre Zuversicht für die Frauen-WM 2011 in Deutschland.
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Frau Fitschen, Sie haben viele Jahre Frauenfußball gespielt. Muss man als Frauenfußballerin Optimistin sein?

Nein, muss man nicht. Ich habe auch kein Frauenfußball gespielt. Ich habe als Frau Fußball gespielt. Das habe ich immer getan, weil es mir Spaß macht und weil ich bestimmte sportliche Ziele erreichen wollte. Um diese Ziele zu erreichen, braucht man Optimismus. Aber ansonsten können auch Pessimisten Fußball spielen.

Optimisten verklären manchmal die Realität. Sie reden oft davon, dass die Frauen-WM im kommenden Sommer ein Erfolg wird. Hoffen Sie auf eine selbsterfüllende Prophezeiung?

Am Anfang, als wir den Zuschlag für die WM bekommen haben, war da auch viel Zweckoptimismus dabei. Aber je länger wir daran arbeiten, desto zuversichtlicher sind wir, dass es ein großes Fest für den Frauensport wird.

Braucht es diesen Zweck-Optimismus, wenn man sich auf so eine Aufgabe wie die Frauen-WM einlässt?

So eine Weltmeisterschaft zu organisieren und vor allem die Stadien voll zu bekommen, ist schon eine riesige Herausforderung. Frauenfußball ist ja noch kein Selbstläufer. Als wir beispielsweise die Stadien ausgewählt haben, etwa das Berliner Olympiastadion mit 70 000 Plätzen, da mussten wir schon sehr optimistisch rangehen. Optimisten sind risikobereiter, aber es zeigt sich, dass sich dieser Wagemut auszahlt.

Optimismus und Angst vertragen sich schwer. Wie haben Sie reagiert, als sie von den aktuellen Terrorwarnungen gehört haben?

Wenn die Politiker sagen, Ende November wird irgendwas passieren, mache ich mir schon Gedanken und überlege, was ich die nächsten Tage noch vorhabe, ob ich mich an potenziellen Anschlagsorten aufhalte. Aber man kann auch jederzeit von einem Auto überfahren werden. Ich bin kein ängstlicher Mensch und werde mein Leben aufgrund dieser Warnungen nicht umstellen. Ich gehe gerne auf Weihnachtsmärkte und lasse mir das auch nicht nehmen. Ich bin optimistisch, dass mir nichts passiert. Auch wer ängstlich durchs Leben geht, kann ein Opfer eines Anschlages werden.

Unser Innenminister sagt, es gebe Grund zur Sorge, aber nicht zur Hysterie. Haben Sie das verstanden?

Für einen Politiker ist es unheimlich schwer in so einer Situation, die richtigen Worte zu finden. Wenn er zu viel warnt, machen sich alle Sorgen und niemand traut sich mehr aus dem Haus. Wenn er überhaupt nicht warnt und es passiert etwas, macht er sich Selbstvorwürfe und wird von allen dafür verantwortlich gemacht. Ich möchte nicht in der Situation des Innenministers sein.

Wie wichtig sind solche Sicherheitsfragen für die WM im kommenden Sommer?

Es ist sicherlich ein Thema. Wir haben schon für die WM 2006 ein Sicherheitskonzept erstellt und haben erfahrene Leute von damals auch jetzt in unserem Team.

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