Dosb-Präsident
Bach kündigt Krisengipfel mit DFB und DFL an

Der neu gegründete Deutsche Olympische Sportbund (Dosb) steht vor seiner ersten großen Bewährungsprobe: Präsident Thomas Bach ruft zum Krisengipfel. Anlass für das noch nicht terminierte Gespräch nach dem Ende der Fußball-WM sind fundamentale Differenzen zur künftigen Gestaltung des Sportwettenrechts zwischen den Landessportbünden (LSB) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) einschließlich der Deutschen Fußball Liga (DFL), die energisch für eine Aufweichung des staatlichen Glücksspiel-Monopols eintreten.

"Der Dosb ist mit der Maßgabe angetreten, gegenüber der Politik mit einer Stimme zu sprechen und einheitliche Auffassungen zu vertreten. Das sollten wir auch so halten", sagte LSB-Sprecher Ekkehard Wienholtz dem sid. In einem offiziellen Brief an Bach hatte er im Namen der Sportorganisationen der Länder seine Besorgnis über die separaten Bemühungen von DFB und DFL zum Ausdruck gebracht.

Nachdem die Ministerpräsidenten im Juni beschlossen, dass sie das staatliche Sportwetten-Monopol in einem neuen Staatsvertrag 2007 festschreiben und illegalen privaten Anbietern den Kampf ansagen werden, hatten DFL und DFB den Fehdehandschuh geworfen.

"Wir bedauern diese Entwicklung außerordentlich", hieß es in einer offiziellen Erklärung, die vom Geschäftsführenden DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Werner Hackmann, dem Präsidenten des Liga-Verbandes, unterschrieben war. Nach Ansicht der Fußballer sei "eine begrenzte Konzessionierung der bessere Weg". Darum wolle man die "Gründung einer Gesellschaft zur Veranstaltung einer eigenen Wette" weiter vorantreiben. "Die Einseitigkeit und Kompromisslosigkeit des Ministerpräsidenten-Beschlusses lässt uns keine andere Wahl."

"Die treibende Kraft dabei sind natürlich die Profis, die treiben den DFB. Herr Zwanziger muss aufpassen, dass er seine Amateure nicht in die Ecke manövriert. Wie es aussieht, ist er kein Mann des Dosb, sondern zuerst ein Mann des DFB", sagte Dosb-Ehrenspräsident Manfred von Richthofen und warnte wie Wienholtz: Eine Liberalisierung bei den Sportwetten sei die Vorstufe zum Angriff auf das staatliche Lotto- und Toto-Monopol und damit das Ende von 530 Mill. Euro, die dem Sport daraus pro Jahr aus Abgaben zufließen.

"Der Berliner Fußballverband profitiert davon jährlich mit mehr als einer Million Euro. Das ist der größte Anteil von den insgesamt neun Mill. Euro, die wir aus Lotto- und Totomitteln für die Nachwuchsarbeit zur Verfügung haben", illustriert der Berliner LSB-Direktor Norbert Skowronek die aktuelle Situation.

Der profunde Kenner der komplex-komplizierten Glücksspiel-Materie hält den "unsolidarischen Alleingang" von DFB/DFL für "ein Stück aus dem Tollhaus". "Wer für Konzessionen plädiert, der öffnet damit sofort dem europäischen Wettbewerbsrecht Tür und Tor und stellt das gesamte System der staatlichen Sportförderung in der Bundesrepublik in Frage. Der gefährdet die Grundlagenfinanzierung des Jugend- und Breitensports", unterstreicht Skowronek.

"Der DSB hat sich auf allen politischen Kanälen dafür eingesetzt, dass das staatliche Monopol erhalten bleibt. Dafür haben wir immer gekämpft. Das war unser Wunsch und unser Ziel. Der gesamte Sport tut gut daran, wenn er sich hinter den Beschluss der Ministerpräsidenten stellt", mahnt von Richthofen zu Geschlossenheit.

"Der Sport darf sich in dieser Frage auf keinen Fall auseinander dividieren lassen. Das wäre fatal", verbindet Dosb-Schatzmeister Hans-Peter Krämer ähnliche Erwartungen an das Sportwetten-Krisengespräch zwischen Dosb-Präsident Thomas Bach und seinem persönlichen Freund Theo Zwanziger.

© SID

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