Drei Neulinge nominiert
Löw zieht Start des Verjüngungsprozesses vor

dpa MÜNCHEN. Bundestrainer Joachim Löw hat auf den Ausfall von sieben WM-Akteuren für die Länderspiele gegen Georgien und die Slowakei mit der überraschenden Nominierung von gleich drei Neulingen reagiert.

Löw machte kurzerhand aus der Personalnot eine Tugend und forcierte mit der Berufung von Abwehrspieler Clemens Fritz (Werder Bremen), Mittelfeldspieler Piotr Trochowski (Hamburger SV) und dem Aachener Torjäger Jan Schlaudraff den ursprünglich erst im kommenden Jahr geplanten weiteren Verjüngungsprozess in der Fußball-Nationalmannschaft. Auch der als dritter Torhüter eingeladene Robert Enke (Hannover 96) sowie der Wolfsburger Alexander Madlung haben noch kein Länderspiel bestritten. In dem 22-köpfigen DFB-Aufgebot stehen noch 15 WM-Teilnehmer.

Selbst die Beteiligten hatten nicht mit ihrer Berufung gerechnet. „Ich bin überrascht. Für mich ist das natürlich eine große Ehre“, sagte der 23-jährige Schlaudraff, der sich mit drei Toren an den ersten fünf Bundesliga-Spieltagen empfohlen hatte. Löw bescheinigte dem Aachener „sehr überzeugende Leistungen“. Als „Perspektivspieler“ Richtung Europameisterschaft 2008 habe er sich eine Chance verdient. Schlaudraff profitierte von der schweren Verletzung des Schalkers Gerald Asamoah (Beinbruch) sowie dem Fragezeichen hinter Oliver Neuville (Achillessehnen-Probleme). Löw hofft, dass der angeschlagene Gladbacher Stürmer „Mitte nächster Woche wieder voll belastbar“ ist.

Auch Trochowski und Fritz kommen zum Zug, weil etablierte Kräfte ausfallen. Nach der Knieverletzung des Bremers Tim Borowski entschied sich Löw dabei sogar trotz der entscheidenden EM-Qualifikationsspiele der U 21-Junioren gegen England für eine Beförderung von Trochowski. „Er ist eine verheißungsvolle Alternative“, erklärte Löw. „Besonders seine technischen Qualitäten haben uns beeindruckt, er passt mit seiner Spielweise sehr gut zur Philosophie der Nationalmannschaft.“

Der erst im Sommer von Bayer Leverkusen nach Bremen gewechselte Clemens Fritz profitierte vom erneuten Ausfall der kompletten WM- Innenverteidigung. Da der Berliner Arne Friedrich am 7. Oktober in Rostock gegen Georgien und vor allem vier Tage später beim schweren EM-Qualifikationsspiel in Bratislava gegen die Slowakei erneut im Abwehrzentrum benötigt wird, erhält der 26-Jährige eine Chance auf der rechten Abwehrseite. „Er hat sich diese Saison in Bremen stark in den Vordergrund gespielt. Er kann rechts offensiv und defensiv Akzente setzen“, begründete Löw die Nominierung von Fritz.

Nach dem freiwilligen Verzicht auf den Bremer Per Mertesacker, der nach seiner Fersen-Verletzung geschont werden soll, hofft Löw umso mehr auf Manuel Friedrich. Der Mainzer steht, drei Wochen nach einer Meniskus-Operation, vor seinem Bundesliga-Comeback. Der „doppelte Friedrich“ mit Arne und Manuel hatte beim jüngsten 1:0 gegen Irland sowie dem 13:0 in San Marino seine Feuertaufe bestanden.

Nur beim letzten Heimspiel des Jahres gegen Georgien wird Robert Enke dabei sein. Der Hannoveraner darf sich als dritter EM-Torhüter und möglicher Konkurrent für die aktuelle Nummer 2, den Stuttgarter Timo Hildebrand, empfehlen. Enkes Nominierung sei „eine Belohnung für seine konstant guten Leistungen in der Bundesliga“, erklärte Löw, der demnächst aber auch den Dortmunder Schlussmann Roman Weidenfeller einmal zu einem Länderspiel einladen möchte.

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