Dritter Trainerwechsel der Saison in der Bundesliga
Peter Neururer wird Trainer von Hannover 96

dpa HANNOVER. Mit der Entlassung von Ewald Lienen unter obskuren Umständen und der schnellen Verpflichtung von Peter Neururer als Nachfolger kehrte Hannover 96 zu seiner Chaos-Politik aus vergangenen Zeiten zurück.

Mit einem Trainerwechsel im Blitzverfahren hat der Verein den zuletzt erworbenen Ruf als gut geführter Bundesliga-Club aufs Spiel gesetzt. Nach einem mehrtägigen Katz- und Maus-Spiel beurlaubte der Club den 51-jährigen Lienen stillos. Es ist der vorläufige Höhepunkt in dem Durcheinander, das seit dem unerwarteten Rücktritt von Clubchef Martin Kind im August herrscht.

Die Suche nach einem neuen Coach endete bereits nach wenige Stunden. Neururer, der am Vormittag jeden Kontakt mit 96 dementiert hatte, übernahm am Abend des 9. November zum zweiten Mal die Trainingsleitung bei den Niedersachsen. Sein Co-Trainer wird der dänische Ex-96-Profi Michael Schjönberg. „Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe“, sagte Neururer und lobte seinen Vorgänger Lienen: „Er hat mir eine intakte Mannschaft hinterlassen, die leider in der letzten Zeit nicht die richtigen Ergebnisse hat vorweisen können.“

Neururer „möchte 96 dorthin führen, wo die Mannschaft hingehört - auf einen einstelligen Tabellenplatz.“ Der 50-Jährige hatte schon einmal bei Hannover - damals in der 2. Liga - gearbeitet. Vor elf Jahren endete seine Dienstzeit nach sieben Monate. Diesmal erhält er einen Vertrag bis Juni 2007. Noch wenige Tage zuvor hatte Neururer, der zuletzt beim VfL Bochum tätig war, beim 1. FC Nürnberg abgesagt.

„Wir haben keine Krisensituation, aber wir haben eine Stagnation festgestellt“, begründete 96-Manager Ilja Kaenzig die vorzeitige Auflösung des bis Juni 2007 laufenden Vertrages mit Lienen. Er ist bereits der dritte entlassene Bundesliga-Trainer in dieser Saison. Dank der Investition von rund fünf Mill. Euro für neue Spieler wollte die Clubführung mit ihm einen einstelligen Tabellenplatz erreichen. Neururers erste Bewährungsprobe ist das Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart am 20. November.

Bei einem Krisengipfel in einem Hotel auf dem Messegelände waren die unterschiedlichen Ansichten der 96-Geschäftsführung und von Lienen über die sportlichen Ziele aufeinander geprallt. Nach drei Stunden verließen alle Beteiligten das Hotel durch die Hintertür - und das Rätselraten ging noch eine Nacht weiter.

Lienen erschien am Morgen zum Training, wollte mit der Mannschaft arbeiten und wurde von seiner fünften Trainer-Beurlaubung ebenso wie die 96-Profis überrascht. Gemeinsam mit seinem Assistenten Michael Frontzeck musste der im März 2004 gekommene Fußball-Lehrer die Sachen packen. Viele Spieler bedauerten die Trennung.

„Trotz der Diskussion der vergangenen Tage hatten wir immer geglaubt, dass wir mit dem Trainer weiter arbeiten. Auch Lienen ließ diese Tendenz erkennen“, sagte Stürmer Thomas Brdaric. Kritisch zur Vorgehensweise äußerte sich Torhüter Robert Enke: „Uns haben Punkte gefehlt, aber nicht so, dass man reagieren musste. Wir hätten auch mit Ewald Lienen die Kurve gekriegt. Er hat sich sehr emotional von uns verabschiedet.“

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